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BERLIN

 

BERLINER SCHÄTZE     |     BISHERIGE BERLINER SCHÄTZE IM ÜBERBLICK

BERLINER SCHÄTZE
Museum für skurrile Objekte

 

Samstag, 24.09.2011 | 11 bis 19 Uhr kostenloser Eintritt mit dem Kennwort "Ich steh auf Spree"

Dort wo die Friedrich- in die Chausseestraße mündet, wo der Kommerz jede noch so kleine Lücke bereits „rationalisiert“ hat und am „Tacheles“ allenfalls die Touristen ein Stück ungebändigtes und echtes Berlin auszumachen glauben, scheint Außergewöhnliches kaum möglich. In der Torstraße 201 aber verbirgt sich hinter den in verschiedenen Farben illuminierten Schaufenstern ein skurriles Kleinod, ein Berliner Unikum, das des inflationär verwendeten Werbebrands „Alternatives Berlin“ zur Gänze nicht bedarf.

 

Von Außen mutet das „Designpanoptikum“ wie ein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium einer bisher nur kaum gesehenen Vielfalt an bizarren Objekten in den seltsamsten Formen und Farben an. Unzählige Lampen, ausgefallene Möbelraritäten und noch vieles mehr. Betritt man dieses vermeintliche Lampengeschäft so fühlt man sich sogleich in eine andere Welt versetzt. Eine, die man in Berlin Mitte unweit der Oranienburger Straße kaum erwarten dürfte.

In dem merklich dunkleren Raum ertappt man sich unwillentlich beim Gruseln. Umgeben von einem Nebeneinander überdimensional wirkender medizinischer Apparate und Alltagsgegenständen, von deren fremdartigem Aussehen etwas unbeschreiblich Gefährliches auszugehen scheint. Es sind aber vor allem die menschlichen Formen, in Gestalt von Puppen oder zusammengesetzten Prothesen, die auf den mechanischen Ungeheuern ausgebreitet eine gespenstische Atmosphäre erzeugen. Vorschnell glaubt so mancher in diesen Räumen ein kirmesähnliches Schauerkabinett eines wunderlichen Eigenbrödlers zu erkennen.

 

Hält man aber inne und wagt einen zweiten, aufmerksameren Blick, so entdeckt man den Lebenstraum eines Wahlberliners mit bewegter Vergangenheit: Eine Welt zu schaffen, wo ein vermeintlich abgeklärter, erwachsener Menschen durch das betrachten der Objekte und es zu merken in einen Zustand kindlichen Staunens verführt wird.

Vlad, der anfangs zurückhaltend wirkende Besitzer des „Panoptikums“ geht bei der Beschreibung seiner unzähligen „Schmuckstücke“ in seinem Laden-Museum vollkommen auf. Schnell wird einem bewusst, dass diese Sammlung nicht von ungefähr kommt und jedes Einzelstück eine besondere Geschichte besitzt. Denn der studierte Fotograf kann neben der Auskunft über die Entwicklung und Herkunft der Ausstellungsstücke ebenso immer etwas Ungewöhnliches zu jedem einzelnen Gegenstand erzählen.

 

Bei der Definition dieses „Museums“ stößt man schnell an die Grenzen des Bekannten. Im Gegensatz zu anderen Museen herrscht hier ein scheinbar irrationales Durcheinander und das nicht nur innerhalb der Anordnung der Ausstellungsgegenstände sondern auch die Folge der Räume, in denen sich die Objekte befinden, erscheint recht wahllos. Tatsächlich unterliegt dieser gesamte Ort ausschließlich einer ordnenden Kraft und zwar der Idee des Besitzers. Vlad hat ein Museum geschaffen in dem man mehrere Museen in einem „konglumeriert“ vorfindet.

 

Denn gewaltige Fotoapparate und Filmvorführgeräten aus den 30ern gesellen sich hier wie selbstverständlich neben Fabrikpressen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, die sich wiederum gruppieren zahlreich um eine noch im Aufbau befindende skulpturale Installation. Kunst und Wissenschaft erscheinen hier vermischt und lassen sich daher nur schwer voneinander trennen. Durchschreitet man den labyrinthartigen Raum, entdeckt man in einem kleinen weißen Raum eine Ausstellung von Fotografien, auf denen Menschen und Maschinen auf groteske Weise miteinander verschmelzen. Auch die Gestaltung der Bilder weist eine sonderbare Nähe zu den goldenen Zwanzigern Berlins auf. Ein Eindruck, der das gesamte Museum durchzieht und in den zahlreichen Installationen widerhallt.

 

Das „Designpanoptikum“ ist der Überbegriff für das „Museum für skurrile Objekte“, das „Lichtbildpanoptikum“, in dem die Fotografien die Wände schmücken und die Räume, in denen sich die Gegenstände befinden, die für den Verkauf bereit stehen. Vlad, ist der Schöpfer dieser Vielfalt, die nichts weiter miteinander verbindet als die ästhetischen Vorstellungen des Besitzers. Es ist ihm ein großes Anliegen der Verwandtschaft von Design und Wissenschaft ein Denkmal zu setzen. Denn die Objekte sind nicht etwa einzig ihrer Sonderbarkeit wegen hier ausgestellt, ganz im Gegenteil, die Exponate hatten einmal durchaus eine ganz „alltägliche“ Funktion. Es sind Operationsliegen, Schleudersitze, Röntgengeräte oder sich der menschlichen Form anpassende Hilfen für Maßanfertigungen von Kleidung.

Durch ihr fremdartiges Erscheinungsbild wirken die Ausstellungsstücke aber ungewohnt und oftmals sogar Schrecken erregend. So schmunzelt Vlad bei manchen Fragen der Besucher oft ein wenig, z.B. ob es sich, bei dem angedeuteten „Ding“, denn um einen elektrischen Stuhl handele. Dann verneint er dies höfflich und erklärt, dass der besagte Gegenstand hingegen ein Friseursalonfön aus den 60ern sei. Die Exponate wirken hier durch die Loslösung aus ihrem ursprünglichen Umfeld formverfremdet, neu und bisher so kaum gesehen.

 

Weshalb der Besuch dieser Räumlichkeiten mehr als ein Erlebnis, denn auch nach dem Verlassen des Museums und der Torstraße 201 nimmt man Eindrücke mit, die sich im inneren Auge zu bewegten Bildern verwandeln.

 

MUSEUM Designpanoptikum
Torstraße 201 | 10115 Berlin

www.vlad.ag

 

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