BERLIN

BERLINER SCHÄTZE
C/O Berlin
Samstag, 01.10.2011 | 11 bis 16 Uhr kostenloser Eintritt mit dem Kennwort "Ich steh auf Spree"

International Forum For Visual Dialogues
Seit seiner Gründung im ehemaligen kaiserlichen
Postfuhramt im Jahr 2000 hat sich C/O Berlin, das
International Forum For Visual Dialogues, als Teil der
kulturellen Landschaft in Berlins Mitte nahe der
Museumsinsel und dem Regierungsviertel fest etabliert.
Durch das private Engagement der drei Gründer – des
Fotografen Stephan Erfurt, des Designers Marc Naroska
und des Architekten Ingo Pott – ist eine in Deutschland
einzigartige Institution entstanden, die ein kulturelles
Programm internationalen Ranges präsentiert.
Aktuelle Ausstellungen

unheimlich vertraut
Bilder vom Terror
„The games must go on!“ Avery Brundage . IOC-Präsident . 1972
„Show you‘re not afraid!“ Rudolph Giuliani . Bürgermeister von New York . 2001
Ein vermummter Mann schaut von einem Balkon. Ein Flugzeug schlägt in einen Hochhausturm ein. Sofort sind die Bilder vor unserem Auge. Wir wissen exakt, um welche Ereignisse es sich handelt. Denn Bilder besitzen eine gewaltige Macht. Sie halten nicht nur den entscheidenden Moment fest, sondern beeinflussen den öffentlichen Diskurs und fordern zu Reflexion und Reaktion heraus. Besonders nach Katastrophen und traumatischen Ereignissen lässt sich die Omnipräsenz der Bilder verorten. Bilder vom Terror haben eine enorme, nachhaltige Wirkung, der man sich nicht entziehen kann. Sie brennen sich tief in unser kollektives Gedächtnis ein. Die von C/O Berlin kuratierte Ausstellung „unheimlich vertraut“ untersucht die Bedeutung von Fotografie für unsere tägliche Bildkultur anhand der visuellen Verarbeitung von unterschiedlichen Terrorbildern der letzen Jahrzehnte. München 1972 und New York 2001 bilden die historischen Eckpfeiler. Über die künstlerische Auseinandersetzung werden politische Bilder in Frage gestellt, historische Bildquellen machen Konstruktion und Illusion von Fotografie sichtbar.

Die Ausstellung entsteht anlässlich des 10. Jahrestages des 11. September 2001 und wurde von Felix Hoffmann für C/O Berlin kuratiert. Es werden ca. 200 Arbeiten aus dem Bildarchiv des SPIEGEL sowie von rund 30 Künstlern gezeigt.
Nach welcher Logik funktionieren Verwendung und Verbreitung von Bildern in der modernen Mediengesellschaft? Gibt es eine Art von Aufmerksamkeitsterrorismus im digitalen Zeitalter? Wann ist ein Ereignis von globaler Bedeutung und wie stark konditionieren und synchronisieren die Medien ein solches? Oft lassen sich erst in der Auseinandersetzung mit den Bildern vom Terror die Struktur und Funktionsweise des journalistischen Bildes freilegen. Die medialen Bilder des Terrors waren und sind mehr als reine Abbildungen, die auf einen Sachverhalt oder ein Ereignis außerhalb ihrer eignen Existenz verweisen oder ein Ereignis dokumentieren. Sie sind mehr als Medien, die unter Nutzung ihres ästhetischen Potentials Deutungen transportieren. Diese Bilder besitzen die Fähigkeit, Realität zu erzeugen.

Historischer Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Angriff eines palästinenischen Terrorkommandos auf die israelische Delegation bei den 20. Olympischen Sommerspielen in München. Erstmals fand ein terroristischer Akt unmittelbar vor den geöffneten Kameraaugen statt – und damit unmittelbar vor den Augen der Weltöffentlichkeit.
Durch die Live-Übertragung im Fernsehen erfolgte eine quantitative Veränderung des Terrors hin zu einer massen- kommunikativen Strategie. Die Bildinszenierung ist Teil des terroritischen Aktes. In der modernen Mediengesellschaft wird das Bild quasi zur Waffe und zum Ziel. Und von der Repräsentation der Tat im Bild zum Bild als Tat ist es ein kurzer Weg.
Als extreme Form der Erzeugung von terroristischen Bildereignissen gelten die Anschläge zum 11. September 2001 – dem meist fotografierten und gefilmten Ereignis der Mediengeschichte. Ihrer Verwertungslogik folgend beginnen die Medien weltweit am selben Tag einige wenige Bilder und Sequenzen endlos zu wiederholen und damit medial auf Dauer zu stellen. Die terroristische Strategie, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erlangen, und die kapitalistische Verwertungslogik der Medien gehen eine symbiotische Beziehung ein. Die Medien werden zwangsläufig zu Kollaborateuren, zu Mittlern zwischen Terroristen und Publikum.

Anja Niedringhaus
At War
„Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt.“ Anja Niedringhaus Ihre Fotos kennt man, ohne es zu wissen. Sie erscheinen weltweit auf den Titelseiten von Tageszeitungen und Zeitschriften und prägen tagtäglich unser Bild von Krisen und Kriegen. Ob Kroatien, Serbien, Kosovo, Bosnien, Irak, Afghanistan, Libyen oder Israel – seit 20 Jahren fotografiert Anja Niedringhaus mit eindringlicher Schonunglosigkeit das Leid und Elend weltweit. Als eine der wenigen Frauen in diesem speziellen Bereich der Reportagefotografie dokumentiert sie die menschlichen Tragödien und tiefen Spuren, die die Gewalt hinterlässt. Auf ihren Einsätzen fotografiert Anja Niedringhaus keine Szenen, vielmehr steht sie mittendrin, ist Akteurin im Krieg.
Anja Niedringhaus fotografiert unter extremen Bedingungen. Sie sucht genau diese Grenzerfahrung, weil sie sich selbst und den Menschen dort am nächsten ist. Oft wird man sich als Betrachter dessen gar nicht bewusst, weil der Kontext die Dramatik unterläuft. Immer steht bei ihr der Mensch im Vordergrund – Soldaten, eine strapazierte Zivilbevölkerung, Gefangene. Erschöpfung, Verzweiflung und Anspannung zeichnen die Gesichter, in wenigen Momenten – völlig unerwartet – auch Lachen, Leichtigkeit und Freude inmitten in der Not. Die Fotografin begegnet den Menschen immer mit Neugier und Verständnis, nie verletzt sie die Würde der Porträtierten.

Wie sind diese Exremsituationen bzw. das Dilemma der Kriegsberichterstattung zwischen Eingreifen und Fotografieren auszuhalten? Die Kamera schafft Distanz und ist auch ein großer Schutz. Die Konzentration auf ihre Aufgabe schirmt Anja Niedringhaus gegen die Eindrücke ab. Andererseits hat sie Verletzte ins Krankenhaus in Sarajevo gefahren, weil nur sie noch über die Vereinten Nationen an Benzin gekommen ist. Erst hinterher bemerkte sie, dass sie kein einziges Foto geschossen hatte.
C/O Berlin präsentiert erstmals in Berlin eine Ausstellung mit ca. 40 Schwarz-Weiß-Fotografien von Anja Niedringhaus aus den letzten zehn Jahren. Die Ausstellung wurde von Anne-Marie Beckmann, Art Collection Deutsche Börse, und Felix Hoffmann, C/O Berlin, kuratiert und wird Anfang 2012 im neuen Unternehmenssitz der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Hatje Cantz mit Texten von Jean-Christophe Ammann, Ulrike Demmer, Santiago Lyon und Felix Hoffmann. Alle Fotografien sind im Auftrag von Associated Press entstanden.
C/O BERLIN
Oranienburger Str 35/36 . 10117 Berlin
Tel +49 30 28 444 16 0 . info@co-berlin.com
Täglich 11 - 20 Uhr . Eintritt 10/ermäßigt 5 Euro




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