MUSIKNEWS

22.09.2009 | Barcelona (dpa)
Leonard Cohen feierte Geburtstag mit 14 000 Fans
Drei Tage nach einem Schwächeanfall bei einem Konzert in Valencia hat der kanadische Singer-Songwriter Leonard Cohen mit 14 000 Fans in Barcelona seinen 75. Geburtstag gefeiert.
Der Musiker zeigte sich bei seinem dreistündigen Auftritt in der katalanischen Metropole in der Nacht zum Dienstag gut erholt. Das Publikum im Palau Sant Jordi empfing Cohen («Suzanne») mit frenetischem Beifall.
Während des Konzerts stimmten die spanischen Fans für den Musiker, der am Montag 75 Jahre alt geworden war, ein Geburtstagsständchen an. Mit dem Auftritt in Barcelona ging Cohens Europa-Tournee zu Ende. Für Oktober und November stehen Konzerte in den USA auf dem Programm.

New York/Los Angeles (dpa)
Leonard Cohen ist 75 - Meister der Tristesse
Cohens melancholische Songs handeln von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche. Mit seiner dunklen, rauen Stimme und seinem langsamen Swing passt er musikalisch so recht in keine Schublade, sprachlich sind seine Texte wunderbar polierte Kleinode. «Leute, die ihre Songs im Café oder im Taxi schreiben, kann ich nur bewundern - ich habe das nie geschafft», sagte er einmal.
Rund ein Dutzend Platten mit mehr als hundert Titeln hat Cohen in seiner über 40-jährigen Karriere produziert und ganze Generationen von Musikern beeinflusst. Viele seiner Songs wurden vor allem in Cover-Versionen durch andere Künstler Hits. Allein sein Gospel «Hallelujah» ist fast 200 Mal neu eingespielt worden. Als er im vergangenen Jahr in die Rock 'n' Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, zählte Laudator Lou Reed ihn zu den einflussreichsten Liedermachern aller Zeiten.
Dabei hatte Cohen eigentlich gar nicht Musiker, sondern Schriftsteller werden wollen. Als der in Montréal geborene Sohn arrivierter jüdischer Einwanderer 1967 seine erste Platte «Songs of Leonard Cohen» auf den Markt brachte, hatte er sich bereits mit mehreren Gedichtbänden und Romanen einen Namen gemacht, unter anderem mit der freizügigen Dreiecksgeschichte «Schöne Verlierer». Das Schreiben blieb auch später sein zweites Standbein. «Ich wollte nicht schreiben, um bezahlt zu werden. Ich wollte für das bezahlt werden, was ich schreibe.»

Sein Privatleben hat Cohen, der lange unter Depressionen litt, möglichst unter Verschluss gehalten. «Mein Ruf als Frauenheld ist ein Witz», sagte er einmal. «Er hat mich dazu gebracht, mich bitter durch die zehntausend Nächte zu lachen, die ich alleine war.» Immerhin bekam er mit der schwedischen Malerin Suzanne Elrod zwei Kinder, war vorübergehend mit der Schauspielerin Rebecca De Mornay liiert und lebt (und arbeitet) inzwischen seit Jahren mit seiner früheren Background-Sängerin Anjani Thomas («Blue Alert») zusammen.
Zu seiner inneren Ruhe dürfte auch seine Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus beigetragen haben. Obwohl praktizierender Jude, war Cohen kurz vor seinem 60. Geburtstag für fünf Jahre in das buddhistische Kloster Mount Baldy bei Los Angeles gegangen. 1996 wurde er unter dem Namen Jikan («Der Stille») zum Mönch ernannt. «Man lernt als erstes, mit dem Jammern aufzuhören», berichtete er später. «Das ist eine gute Lektion, eine Art Erziehungslager.»
Der Neuanfang danach wurde umso schwerer. Seine Managerin und frühere Liebste Kelley Lynch hatte ihn in der Zeit um millionenschwere Rentenrücklagen betrogen. Ein Gericht in Los Angeles sprach ihm 2006 neun Millionen Dollar (heute gut sechs Millionen Euro) Schadenersatz zu. Bis heute ist unklar, ob er das Geld je bekommt. Seine Welttournee, die nach einer Verlängerung am 13. November im kalifornischen San José zu Ende geht, ist deshalb auch der Versuch, den Ruhestand zu finanzieren.




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