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MUSIKNEWS

 

Tom Jones - Sexbomb | YouTube
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07.06.2010 | London

Applaus als Droge - «Tiger» Tom Jones wird 70

Seine Fans nennen ihn «The Tiger» oder «Sexbomb». Der walisische Popsänger Tom Jones hat mit seiner draufgängerischen Art und der rauchigen Soul-Stimme Millionen von Herzen erobert. Mehr als 100 Millionen Platten verkaufte er seit 47 Jahren im
Musikgeschäft. Seine Hits sind Gassenhauer, ob «She's a Lady», «Delilah» oder «It's Not Unusual». «Ich bin der Meister aller Gesangsstile - außer Elvis vielleicht war keiner so vielseitig», sagte der Bariton einmal. An diesem Montag (7. Juni) feiert der ewige Playboy seinen 70. Geburtstag.

Thomas Jones Woodward erblickte am 7. Juni 1940 in dem walisischen Bergwerker-Dorf Treforest bei Cardiff das Licht der Welt. Seine Stimme, die über fast drei Oktaven reicht, entzückte schon im Kirchenchor und auf Familienfeiern.

Seine leuchtend eisblauen Augen verzauberten seine Klassenkameradin Melinda Trenchard, als beide elf Jahre alt waren. Fünf Jahre später, kurz vor der Geburt ihres ersten und einzigen Sohnes, gaben sie sich das Ja-Wort - und sind bis heute verheiratet, trotz unzähliger Affären des Schlagersängers.

In der rauen und verarmten Bergwerksregion lernte Jones früh, sich für den Erfolg durchzubeißen. Die Schule schmiss er mit 15 Jahren, nachdem er wegen einer Tuberkulose-Erkrankung zwei Jahre im Bett liegen musste. Später malochte der junge Familienvater tagsüber in der Fabrik, auf dem Bau und als Staubsaugervertreter. Nachts schlug er sich als «Tiger Tom» oder «Jones the Voice» auf den Bühnen der Arbeiterclubs durch.

Der Londoner Sänger und Songschreiber Gordon Mills wurde auf den walisischen Kerl aufmerksam und stellte dem 22-Jährigen die Band Playboys zur Seite. Von da an ging es für den Mann mit Sexappeal steil bergauf. «It's Not Unusual» war 1965 sein erster Nummer-Eins-Hit. Scharen junger Frauen umjubelten ihn wie zuvor die Beatles, rannten ihm hinterher, warfen ihre Unterhöschen auf die Bühne. John Lennon sagte einmal, er habe so sein wollen, wie Tom Jones.

Jones' legendärer Hüftschwung zu den populären Schlagern riss auch US-Fans von den Sitzen. Tickets für den nassgeschwitzten «Tiger» mit diamantenbestückten Goldkettchen auf der beharrten Brust waren bei Amerikanern heiß begehrt. Wegen hoher Steuern in der britischen Heimat und einer Dauertournee durch die USA zog die Familie 1977 nach Kalifornien. Doch in Beverly Hills begann die Pechsträhne. Seine Frau Melinda hatte eine Fehlgeburt, seine Konzerte wurden von Kritikern verrissen, der Erfolg schwand. Die Welt tanzte jetzt zum Takt von Michael Jacksons «Thriller».

Nach sieben Jahren in der Versenkung gab der Sänger in Europa sein erfolgreiches Comeback. «Ich entschied mich, in Würde alt zu werden.» Mit ergrautem Haupt begeisterte er auch die Kinder seiner alten Fans und etablierte sich wie sein walisisches weibliches Pendant Shirley Bassey als Altmeister in der Musikbranche. «Reload» war vor elf Jahren das letzte große erfolgreiche Album, eine Sammlung von Duetts mit The Cardigans («Burning Down the House»), Stereophonics («Mama Told Me Not To Come») und Mousse T («Sexbomb»).

Jones liebt die Bühne, auch in Film und Fernsehen, ist aber immer er selbst, etwa in «Mars Attacks!» oder «Fear and Loathing in Las Vegas». Nach all den Leistungen für die Popkultur erhob ihn die Queen vor fünf Jahren in den Ritterstand zu Sir Tom Jones.

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Applaus sei die Droge seines Lebens. «Diese Reaktion vom Publikum, sie ist wie eine saumäßige Droge.» Ende Juli kommt die neue Platte «Praise And Blame» (Lob und Tadel), sein 39. Studioalbum. Einige Songs daraus stellte der frühere Chorknabe kürzlich in einer Londoner Kirche vor. «Verdammt heiß hier - vielleicht weil wir in der Kirche sind», sagte der Waliser augenzwinkernd. Neben der Kanzel interpretierte er Pop-Klassiker, die in den vergangenen Jahren wenig beachtet wurden, etwa John Lee Hookers «Burning Hell» und Bob Dylans «What Good Am I». In den rockigen Gospelsongs befasst sich der ergraute «Tiger» mit Leben und Tod. «Sag mir, wo es hingeht, wenn ich gehe», fauchte er.

www.tomjones.com

Quelle: dpa

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