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MUSIKNEWS

 

04.01.2011 | Amsterdam

Boney-M.-Sängerin Liz Mitchell beklagt Schicksal

 

Wenige Tage nach dem Tod des Boney-M.-Tänzers Bobby Farrell hat Leadsängerin Liz Mitchell beklagt, dass das Schicksal der Ex-Mitglieder der Disco-Band traurig sei.

Der deutsche Produzent Frank Farian habe sie, Farrell sowie Maizie Williams und Marcia Barrett zwar für die Auftritte bezahlt. Aber an Plattenerfolgen zwischen 1976 und 1982 mit Hits wie «Daddy Cool» und «Rivers Of Babylon» seien sie nicht angemessen beteiligt worden, behauptete die aus der Karibik stammende Niederländerin in der Zeitung «De Telegraaf». Farian erklärte dazu: «Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück.»

Mitchell behauptete, Farrell, der am vergangenen Donnerstag mit 61 Jahren im russischen St. Petersburg einem Herzinfarkt erlag, sei als unglücklicher Mensch gestorben. Die Boney-M.-Mitglieder hätten einst mit Hilfe von Anwälten «eine gerechte Entlohnung» durchsetzen wollen, berichtete die 58-jährige Mitchell. Juristen hätten ihnen zwar Honorare in Rechnung gestellt, aber nichts erreicht. «Ich glaube, dass wir Opfer von Diskriminierung wurden. Man konnte ungestraft finanziell mit uns herumalbern und uns verspotten, denn wir waren halt schwarz und taugten doch zu nichts», zitierte die Zeitung Mitchell.

Farian widersprach empört: «Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich meine Künstler immer respektvoll behandelt habe», erklärte er in einer der Nachrichtenagentur dpa übermittelten Stellungnahme. Die Gruppe «wäre keine zehn Jahre zusammen geblieben ohne eine Beteiligung am Plattenverkauf.»

Mitchell räumte zuvor laut «De Telegraaf» ein, dass Farrell nur als Galionsfigur von Boney M. getanzt und kaum selbst gesungen habe, ebenso wenig wie Maizie Williams. «Die zwei machten Playback, und das wurde prima akzeptiert in der Disco-Szene von damals. Farian sang für die Plattenaufnahmen den männlichen Part, während Marcia und ich für die weiblichen Vocals sorgten. Bobby und Maizie waren Tänzer und Schauspieler, da haben wir nie ein Geheimnis draus gemacht.» Später sei das als Enthüllung verkauft worden. «Da standen wir als Hochstapler da, und vor allem Bobby wurde lächerlich gemacht.»

Farian warf den Ex-Mitgliedern von Boney M. nun seinerseits vor, den Namen der Band nach der Auflösung 1985 ohne Erlaubnis weiter für eigene Auftritte genutzt zu haben. In der Gruppe hatte es längere Zeit immer wieder Querelen gegeben. Anfang der 1980er Jahre hatte Farian Bobby Farrell rausgeworfen.

Quelle: dpa

 

Boney M. mit Bobby Farrell | YouTube
Video
30.12.2010 | Amsterdam

Boney M.-Star Bobby Farrell starb in Russland

 

Der Song ist ein Ohrwurm mit einem traurigen Ende: «Ra Ra Rasputin, Lover of the Russian queen, Russia's greatest love machine...»

 

Wenn Bobby Farrell dazu mit angeklebtem Zarenbart und im goldverzierten Kosakenhemd die dunkelhäutigen Schönheiten seiner Band umtanzte, waren Fans von Boney M. kaum noch zu halten. Donnerstagmorgen starb der Karibik-Holländer Farrell - ausgerechnet in der einstigen Zarenmetropole St. Petersburg, und nur Stunden nachdem er auch mit «Rasputin» sein Publikum noch einmal zu Begeisterungsstürmen hingerissen hatte. Und zu tränen, denn der Song endet mit dem Tod seines Helden.

 

«Wir sind tief geschockt und traurig», sagte sein Manager John Seine der Nachrichtenagentur dpa in Amsterdam. Aufschluss über die genaue Todesursache werde erst eine Untersuchung bringen. Erschöpfung des 61-Jährigen während einer anstrengenden Tournee könnte eine Rolle gespielt haben. «Bobby hatte am späten Mittwochabend geklagt, dass er sich nicht gut fühle.» Donnerstag wollte der Popstar mit seiner Band Boney M. featuring Bobby Farrell weiter nach Italien reisen.

Der meist fröhlich wirkende dunkelhäutige Roberto Alfonso Farrell hatte das Licht der Welt «im sonnigen Teil unseres Königreichs» erblickt, wie die Niederländer damals ihren Inselbesitz in der Karibik gern nannten. Von seinen Vorfahren auf Aruba hatte Bobby dieses ungeheure Gefühl für Tanz und Rhythmus geerbt, das ihn zunächst zu einem der «beweglichsten» Discjockeys der Niederlande machte und ihm später seine auch in Deutschland sehr populäre Bühnenpräsenz als Tänzer verlieh.

 

Längst nicht nur als «schwarzer Russe» Rasputin, der die Mädels im Zarenreich scharenweise vernaschte, machte Farrell zusammen mit Boney M. Furore. Auch «Rivers of Babylon», «Daddy Cool», «Sunny», «Brown Girl in the Ring» oder «Kalimba de Luna» gehörten zu den Stimmungsbomben der Disco-Formation, die der deutsche Musikproduzent Frank Farian Anfang der 1970er Jahre zusammengestellt hatte.

 

Dass Boney M. einige Zeit lang zu den erfolgreichsten Popgruppen der Welt zählte, war zweifellos auch Farrells Choreographien bei Fernseh- und Live-Auftritten zu danken. Seine Qualitäten als Sänger hingegen waren umstritten. Nach erfolgreichen Jahren räumte Farian zur Enttäuschung vieler Fans ein, dass der fröhliche Bobby, den er 1976 in die Band geholt hatte, bei den Studioaufnahmen niemals selbst sang.

Stattdessen kamen die warm klingenden Vocals von Farian, der selbst nicht attraktiv genug für die Bühne war. Bei Live-Auftritten war Farrell allerdings auch selbst zu hören. «Bobby Farrell hat immer gesagt: "Meine Beine und deine Stimme, das ist unschlagbar"», sagte Farian im November in einem Interview mit «Spiegel Online».

 

Immer wieder kam es zu Querelen. 1982 warf Farian den Star raus. Farrell, der von 1981 bis 1994 mit einem jugoslawischen Fotomodell verheiratet war, versuchte eine Solokarriere - und scheiterte. Doch 1984 holte ihn Farian zurück. Wenig später ging Boney M. auseinander, fand wieder zusammen, nur um sich bald wieder aufzulösen.

 

Seit 1992 trat Farrell dann - durchaus gegen den Willen seines einstigen Produzenten - mit einer eigenen Boney M.-Formation auf. Auch andere, die einst zur Originalbesetzung gehörten, benutzen für Tourneen den berühmten Namen und die alten Ohrwürmer. Wenn Farrell nicht gerade auf Tour war, um Geld zu verdienen, lebte er zurückgezogen in dem stillen Stadtrandviertel Gaasperdam im Südosten von Amsterdam.

Quelle: dpa


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Website von Bobby Farrell: http://bobbyfarrell.com/index.php

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