MUSIKNEWS

Fernseh-Dokumentation über Udo Lindenberg
- Parallel zum Start des Musicals -

05.01.2011 | Berlin
Udo und die Stasi: Doku zu Lindenbergs DDR-Show
Panikrocker Udo Lindenberg (64) bereut auch heute seinen Auftritt bei einem DDR-Propagandakongress 1983 nicht. «Ich fühle mich in keinster Weise benutzt», sagte Lindenberg am Dienstag bei der Vorstellung der ARD-Dokumentation «Die Akte Lindenberg: Udo und die DDR».
Passend zur Premiere des Udo-Lindenberg Musicals «Hinterm Horizont» in Berlin kommt der ARD-Film in der nächsten Woche ins Fernsehen (13. Januar, 23.30 Uhr, ARD).
«Wichtig war mir nur, für die vielen Menschen in der DDR zu singen.» Damalige Musiker seines Panikorchesters sehen das inzwischen anders. Auch der Film und dessen Autor, der Moderator Reinhold Beckmann, der damals als junger Kameraassistent dabei war, erwecken einen anderen Eindruck.

Jahrelang kämpfte Lindenberg («Sonderzug nach Pankow») seit den 70er Jahren vergeblich um eine Tournee durch die DDR. Kritische Stücke wie «Mädchen aus Ostberlin» und «Sonderzug nach Pankow» verstärkten die Ablehnung im Politbüro. Anfang der 80er Jahre während der Auseinandersetzungen um Atomraketen lässt die DDR endlich einen kurzen Auftritt zu - bei einem sogenannten Friedenskongress am 25. Oktober 1983.
Aus den Stasi-Akten und Gesprächen mit damals Beteiligten könne nun Wichtiges rekonstruiert werden, sagte Beckmann. «Die eigentliche Geschichte dieses Auftritts ist bis heute nicht erzählt.» Der Film zeichnet auch die politische Naivität im Westen, brutale Stasi-Methoden im Osten und einen blauäugigen Musiker dazwischen.
Die SED erhoffte sich von dem kleinen Konzert eines BRD-kritischen West-Künstlers einen Propagandasieg. Vier Lieder durfte Lindenberg vor ausgesuchten staatstreuen FDJ-Jugendlichen spielen, derweil vor dem Palast der Republik die tatsächlichen Fans von der Stasi in Schach gehalten wurden. Einige landeten im Gefängnis und wurden zusammengeschlagen, wie ein junger Augenzeuge im Film berichtet. Zu Wort kommt auch Egon Krenz, später Nachfolger Erich Honeckers. Von einem Stasi-Einsatz habe er nichts gewusst, sagte er. «Lassen Sie mich doch mit einem solchen Quatsch in Ruhe.» Einer der damaligen Musiker seines Panikorchesters gibt nun zu: «Wir sind benutzt worden.»
Lindenberg sang aber auch für die versprochene Tournee im Folgejahr, die er unbedingt wollte. «Ich hatte den Vertrag in der Tasche», sagt er heute und ist immer noch enttäuscht über das gebrochene Versprechen. SED und Stasi sagten die Tournee ein paar Monate später kurzerhand ab. Lindenberg stand mit leeren Händen da. Erst Jahre spielte er wieder in der DDR - nach dem Mauerfall.




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