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Trauerfeier für Michael Jackson in L.A.


07.07.2009 | Los Angeles (dpa)
"Größter Star auf Erden" - Abschied von Michael Jackson
Millionen Fans rund um den Globus haben von Popstar Michael Jackson Abschied genommen. Bei einer bewegenden Trauerfeier, die von Fernsehsendern weltweit übertragen wurde, verneigten sich Weltstars am Dienstag in Los Angeles in Achtung, Liebe und Respekt vor dem «King of Pop» - ungeachtet aller Spekulationen, die sich um das Leben und den Tod der Pop-Legende ranken. Die Familie hatte zuvor in aller Stille dem Sänger ein letztes Goodbye gesagt. Die Zeremonie galt schon vorab als eines der größten Ereignisse der Fernsehgeschichte.
«Michael war der größte Star auf Erden», sagte Hip-Hop-Diva Queen Latifah unter lautem Jubel im Staples Center. Der über und über mit roten Rosen bedeckte Goldsarg stand während der mehrstündigen Feier vor der in blaues Licht getauchten Bühne, umrahmt von einem Blumenmeer.
Zum Abschluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung kamen in einem ergreifenden Augenblick auch Jacksons Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7) auf die Bühne, die er zeitlebens vom Scheinwerferlicht ferngehalten hatte. «Daddy war der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen, dass ich ihn so sehr liebe», sagte die kleine Paris, brach in lautes Schluchzen aus und flüchtete sich in die Arme ihrer Tante Janet Jackson. Wo der legendäre Sänger beerdigt wird, war am Dienstag noch nicht klar.

Für die rund 20 000 Gäste war die Trauerfeier eine Achterbahn der Gefühle. Die Redner erinnerten mit ebenso lustigen wie anrührenden Geschichten an ihre gemeinsame Vergangenheit mit dem «King of Pop». Mariah Carey und ihr Kollege Trey Lorenz sangen den Hit «I'll Be There», mit dem Jackson gemeinsam mit seinen Brüdern als Jackson Five seine beispiellose Karriere begonnen hatte. Sein Bruder Jermaine widmete ihm sichtbar bewegt Charlie Chaplins Trostlied «Smile». Der blinde Sänger und Jackson-Freund Stevie Wonder sagte: «Das ist ein Augenblick, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er nie kommt.»
Als Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson den Michael-Jackson-Song «Will You Be There» vortrug und am Schluss Original-Teile des Lieds mit Jacksons Stimme eingespielt wurden, kämpften zahlreiche Zuschauer um Fassung. Den Tränen nahe war auch US-Schauspielerin Brooke Shields. Michael Jackson habe sie in ihrer langjährigen Freundschaft immer wieder an die Geschichte vom Kleinen Prinzen erinnert, sagte Shields.
«Michael hat es nie zugelassen, dass ihn die Welt von seinen Träumen abbrachte», sagte der Bürgerrechtler Al Sharpton, der seit Jahren mit der Familie befreundet ist. «Er kämpfte dagegen, andere Menschen seine Grenzen bestimmen zu lassen.» Der Geistliche Lucious Smith erklärte: «Wir erinnern uns an diesen Mann und an alles, was er der Welt während eines halben Jahrhunderts an Liebe gebracht hat.»
Zum Auftakt der Veranstaltung hatte US-Sänger Smokey Robinson Abschiedsgrüße von Soul-Diva Diana Ross und dem südafrikanischen Anti-Apartheidkämpfer und ehemaligem Präsidenten Nelson Mandela verlesen. «Michael war ein Gigant und eine Legende im Musikgeschäft», ließ Mandela übermitteln, «meine Frau und ich trauern mit Millionen Menschen in der Welt.» Von Diana Ross hieß es: «Michael war meine Liebe - ein wunderbarer Teil meines Lebens.»

Die Ränge im Staples Center hatten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung gefüllt. Jacksons Familie und Freunde saßen in den ersten Reihen. Über der Bühne prangte zeitweise ein Bild des «King of Pop» mit der Aufschrift «In Loving Memory» (In liebevollem Gedenken). Weitere Gäste waren Basketballstar Kobe Bryant, Motown-Gründer Berry Gordy sowie Martin Luther King III, der Sohn des ermordeten gleichnamigen US-Bürgerrechtlers.
Jacksons langjährige Vertraute Elizabeth Taylor nahm an der Veranstaltung nicht teil. «Ich bin gebeten worden, im Staples Center zu sprechen. Ich kann nicht Teil dieses öffentlichen Traras sein», schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. «Ich liebe ihn zu sehr.»
Die Sender rechneten mit mehreren hundert Millionen Zuschauern. Auch einige deutsche Fernsehsender hatten für den «King of Pop» ihr Programm umgestellt, weltweit wurde die Trauerfeier zudem live im Internet übertragen. Dutzende Kinos in den USA luden zu einem Public Viewing ein. In Deutschland konnten Fans unter anderem in der Berliner Arena O2 World das Ereignis verfolgen.
An der privaten Trauerfeier auf einem Prominentenfriedhof in den Hügeln Hollywoods zwei Stunden vor der großen Feier hatten nur die engsten Angehörigen und geladene Gäste teilgenommen. Medien waren nicht zugelassen. Auf dem Forest Lawn Friedhof ist neben vielen Hollywood-Größen auch Jacksons Großmutter beerdigt.

Im Anschluss wurde der Sarg in einem Leichenwagen zur etwa 15 Kilometer entfernten Veranstaltungsarena im Zentrum von Los Angeles gebracht. Der Konvoi wurde von einer Sonderkommission der Polizei begleitet und von Hubschraubern aus der Luft verfolgt. Die Stadtautobahn war für den Transport komplett gesperrt - erstmals in der Stadtgeschichte, wie es hieß.
Zur offiziellen Trauerfeier waren nur 17 500 Fans zugelassen, die ihre Tickets per Lotterie bekommen hatten. 11 000 durften in das Staples Center, die anderen 6500 sollten die Feier auf Video-Leinwänden in einem gegenüberliegenden Theater verfolgen. 9000 Karten hatte die Jackson-Familie für geladene Gäste reserviert. In Berlin versammelten sich mehrere tausend Menschen in der Halle O2 World, um der Trauerfeier zu folgen. Auch andernorts fanden öffentlich aufgebaute Leinwände großen Zuspruch.

In Los Angeles sperrte die Polizei das Gelände um die beiden Veranstaltungsorte seit Mitternacht großräumig ab. Damit sollten Fans ohne Eintrittskarten ferngehalten werden. Die Rechnung ging offenbar auf: Statt des befürchteten Ansturms von bis zu einer Million Besuchern fanden sich nach Angaben des TV-Senders Fox nur etwa 50 000 Fans rund um die Absperrungen ein. Das Hotel- und Gaststättengewerbe erwartete ein Einnahmeplus von mindestens vier Millionen Dollar.

Unzählige Fans machten die Stadt schon am Vorabend zur großen Abschiedsbühne für ihr Idol, viele waren noch bis zur letzten Sekunde verzweifelt auf der Suche nach Karten. Laut «New York Post» wurden die Tickets auf dem Schwarzmarkt für bis zu 25 000 Dollar (17 800 Euro) angeboten. Dennoch berichteten Augenzeugen von einer «heiteren und positiven Stimmung».
Die Kosten von zwei bis vier Millionen Dollar für den Sicherheits- und Organisationsaufwand rund um das Mammutspektakel muss aller Voraussicht nach die ohnedies mit der Wirtschaftskrise kämpfende Stadt Los Angeles tragen. Die Stadtspitze bat im Internet die Fans um finanzielle Unterstützung. Jacksons Familie hat sich nach Angaben der amtierenden Bürgermeisterin Jan Perry bisher nicht beteiligt.
Nur einen Tag vor der Abschiedsfeier hatte ein Gericht in Los Angeles der Mutter des Popstars die vorläufige Vollmacht über sein Vermögen entzogen. Richter Mitchell Beckloff setzte stattdessen die Jackson-Vertrauten John Branca und John McClain vorerst als Treuhänder ein, wie die «Los Angeles Times» berichtete. Der Richter entsprach damit Jacksons letztem Willen aus einem Testament von 2002.
Die 79 Jahre alte Mutter Katherine behält aber, wie ebenfalls von ihrem Sohn gewünscht, weiter die Zuständigkeit für die drei Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7). Weitere Entscheidungen über das Sorgerecht sollen am 13. Juli, über die Vermögensverwaltung am 3. August fallen.

Jackson war am 25. Juni mit 50 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Die Behörden ermitteln, ob die mutmaßliche Medikamentensucht des Sängers Ursache für den Tod war.
Ein Video von Michael Jacksons letztem Bühnenauftritt zwei Tage vor seinem Tod zeigt den Popstar in guter körperlicher Verfassung. Der Mitschnitt bei Proben im Staples Center wurde am Donnerstag von dem US-Sender CNN veröffentlicht. Darin tanzt und singt Jackson mit einer Gruppe von Tänzern zu dem Song «They Don't Care About Us».

Stimmen von der Trauerfeier für Michael Jackson
«Daddy war der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen, dass ich ihn so sehr liebe.»
(Michael Jacksons elfjährige Tochter Paris auf der Trauerfeier für den «King of Pop» am Dienstag im Staples Center in Los Angeles)
«Michael war ein Gigant und eine Legende im Musikgeschäft.»
(Der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela in einem Grußwort, verlesen von Smokey Robinson)
«Wir brauchen Michael eigentlich hier, aber Gott hat ihn wohl dringender gebraucht.»
(Sänger Stevie Wonder)
«Es war Michael Jackson, der Schwarze, Weiße, Asiaten und Latinos zusammenbrachte (...) Von seiner Kindheit bis heute lebte er seinen Traum und gab ihn niemals auf. Damit hat er die Welt verändert.»
(Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton)
«Jetzt muss auch der König des Pop vor dem König der Könige niederknien.»
(Der Geistliche Lucious Smith)
«Der Titel "King of Pop" ist nicht genug. Er war einfach der größte Entertainer aller Zeiten.»
(Motown-Gründer Berry Gordy)
«Michael war der größte Star auf Erden.»
(Sängerin und Schauspielerin Queen Latifah)
«Am 25. Juni (Jacksons Todestag) standen Himmel und Erde für einen Moment still.»
(Martin Luther King III, Sohn des Bürgerrechtlers Martin Luther King)
«Wir mussten beide früh erwachsen sein, aber wenn wir zusammen waren, waren wir kleine Kinder, die Spaß hatten (...) Michael liebte es zu lachen.»
(Schauspielerin Brooke Shields)
«Michael gab so viel an so viele von uns.»
(Basketballstar Kobe Bryant)
«Michael war eine persönliche Liebe von mir, ein geschätzter Teil meiner Welt (...) in einer Art und Weise, dass ich keine Worte finden kann, dies auszudrücken.»
(Soul-Diva Diana Ross in einem Grußwort, das ihr Musikerkollege Smokey Robinson verlas)
«Wie viel Schmerz kann ein Mensch ertragen. Michael, vielleicht lassen sie dich jetzt in Ruhe.»
(Jacksons Bruder Marlon)

07.07.2009 | Berlin (dpa)
Tausende Berliner nehmen Abschied von Michael Jackson
Ein emotionaler Abschied auch in Berlin: 5000 Fans Michael Jacksons haben sich am Dienstagabend zu einer Trauerfeier für den gestorbenen Popstar versammelt. I
In der Berliner Halle O2 World sahen sie auf Videoleinwänden die Übertragung aus dem Staples Center in Los Angeles, wo die Trauerfeier mit dem Sarg Jacksons unter Anwesenheit seiner Freunde und Bekannten stattfand.
Still schlossen sich die deutschen Zuschauer der rund zwanzigminütigen Schweigepause zu Beginn der TV-Übertragung an. Als dann der Sarg des Popstars im gleißenden Scheinwerferlicht erkennbar wurde, brach in der Berliner Halle Jubel aus. Später brandeten Begeisterungswogen durch die Halle, als der berühmte «Moonwalk»-Tanz zu sehen war. An nachdenklicheren Stellen zündeten Besucher Feuerzeuge an oder weinten.

Im Berliner Publikum saß auch die deutsche Sängerin Nina Hagen. Michael Jackson habe mit seiner Musik versucht, die Welt zu einen, sagte sie. Die weltweit von Hunderten Millionen Zuschauern verfolgte Trauerfeier unterstreiche die Ausnahmestellung Jacksons. Der Moderator des Vorprogramms verkündete: «Michael Jackson war der größte Entertainer unserer Zeit.»
Am Eingang hatte sich hunderte Besucher in Kondolenzbücher für den Popstar eingetragen. «Michael, du bleibst immer der King of Pop», hieß es ein ums andere Mal. Die 22-jährige Berlinerin Jenny Ernst war in eine US-Fahne mit dem Namen ihres Idols darauf gehüllt. Als Kind habe sie nach einem schweren Unfall auf der Intensivstation gelegen, erzählte sie. Ihre Mutter habe ihr damals ein neues Musikvideo von Michael Jackson mitgebracht und vorgespielt. «Das hat mir unendlich geholfen», erinnerte sie sich, den Tränen nahe. «Sowas wie er, das war nur Elvis», sagte der 25 Jahre alte Richard Rabeus. «Nun ist er tot - und als Legende unsterblich.»




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