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05.02.2010 | Hamburg (dpa)
Winterwetter bricht Straßen auf - Streu-Kontrollen gefordert
Das eisige Winterwetter hat die Straßen vielerorts in Deutschland stark beschädigt. 30 bis 40 Prozent der Straßen wiesen größere Schäden auf, schätzte der TÜV Rheinland am Freitag. Bei Lawinenunglücken kamen in den vergangenen Tagen in Österreich und Deutschland mehrere Menschen ums Leben. Wegen Hochwassers wurde die Schifffahrt an der Mosel zeitweise eingestellt. Eine miserable Streumoral beklagt der Verkehrsclub Deutschland (VCD): Viele Geh- und Radwege seien gefährliche Eisbahnen, weil Grundstückeigentümer sich nicht um die Räum- und Streupflicht kümmerten, kritisierte der Verein in Berlin. Während Kommunen Hauptstraßen räumten, seien unmotorisierte Verkehrsteilnehmer oft benachteiligt.
Auf der Autobahn A 1 wurde die rechte Spur in Fahrtrichtung Süden auf einer Länge von fast sieben Kilometern in Schleswig-Holstein auf unbestimmte Zeit gesperrt. Dort hatte der Frost Löcher bis zu einem halben Meter Durchmesser in die Straße gefressen. Wegen des knappen Streusalzes arbeiten die Winterdienste vielfach nur eingeschränkt.

Räumen von Fahrradwegen schlecht geregelt
Das Räumen von Fahrradwegen sei in vielen Städten schlecht geregelt und oft sogar die Ausnahme, erklärte der VCD. Räumdienste nutzten die Wege sogar «als Ablagefläche für den Schnee». Dabei seien Grundstückseigentümer verpflichtet, Gehwege vor ihrem Haus zu räumen - in der Regel müssten Wege werktags ab 7 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 9 Uhr bis mindestens 20 Uhr geräumt und gestreut sein. Für Gewerbetreibende gelte die Pflicht über 20 Uhr hinaus. Es sei inakzeptabel, wenn umweltfreundliche Mobilität im Winter zunehmend erschwert werde. VCD-Referent Heiko Balsmeyer erklärte: «Wir fordern Polizei und Ordnungsämter auf, Kontrollen öffentlich anzukündigen und entsprechende Bußgelder zu verhängen.»
Vereiste Straßen führten bundesweit wieder zu vielen Unfällen. Ein 28 Jahre alter Autofahrer starb am frühen Freitagmorgen in Wolfsburg. Nach Polizeiangaben geriet der Mann bei extremer Straßenglätte mit seinem Wagen auf den Mittelstreifen und prallte gegen einen Baum. Er war wohl zu schnell unterwegs gewesen. Weil er nicht angeschnallt war, wurde er etwa 25 Meter weit aus seinem Fahrzeug geschleudert.

Zehntausende Schlaglöcher
Ursache für die Straßenschäden sei die lange Kälteperiode mit vielen Niederschlägen und Eis, erklärte der TÜV Rheinland in einer Pressemitteilung. Allein für das Stadtgebiet Hamburg rechnet der ADAC mit mehreren zehntausend Schlaglöchern. Hamburgs ADAC-Sprecher Matthias Schmitting sagte, der Wechsel von Frost und Tauwetter habe den Straßen massiv zugesetzt. Auch in Nordrhein-Westfalen mussten Straßen gesperrt und Tempolimits eingerichtet werden. Der Landesbaubetrieb Straßen.NRW zählte 15 Abschnitte von Autobahnen mit größeren Schäden auf. «Es wird teuer», sagte Bernd Löchter von Straßen.NRW.
Für Hamburg und Schleswig-Holstein rechnet der ADAC mit einer Reparatursumme in zweistelliger Millionenhöhe. Er rief Autofahrer trotz des Splitts auf den Straßen zur Vorsicht auf. «Der Splitt fährt sich weg und dann kommt das Eis wieder raus», sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München. Splitt löse nicht wie Salz das Eis auf.
Zudem könnten aufgewirbelte Steinchen Lackschäden verursachen. Nach der dramatischen Rettung von drei Kindern aus einem zugefrorenen See in Neuss schwebte ein neunjähriger Junge am Freitag weiter in Lebensgefahr. Sein Zustand sei kritisch, sagte ein Polizeisprecher. Auch seine beiden zehnjährigen Freunde seien noch im Krankenhaus. Ein Hubschrauber und Feuerwehrleute hatten zwei der Jungen am Donnerstag retten können. Sie waren durch das dünne Eis gebrochen. Ein Zehnjähriger hatte es noch selbst ans Ufer geschafft.
Die vom Eis eingeschlossene Ostseeinsel Hiddensee wird von nächster Woche an regelmäßig per Hubschrauber der Bundespolizei versorgt. Der Landkreis Rügen und die Kommune hätten einen Bedarf für zwei Tage pro Woche angemeldet, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Freitag in Schwerin an. Am Mittwoch waren bereits zwei Hubschrauber der Bundeswehr im Einsatz, um die Insel mit ihren etwa 1050 Bewohnern zu unterstützen.

Extra-Urlaubstag gefordert
Als Ausgleich für den wochenlangen Winterstress und Technikprobleme bei der Bahn fordern die Gewerkschaften Transnet und GDBA einen Extra-Urlaubstag für die betroffenen Mitarbeiter. «Unsere Kolleginnen und Kollegen im Zugbegleitdienst wurden oft als Blitzableiter missbraucht, wenn Züge verspätet oder gar nicht fuhren», erklärten die Gewerkschaftsvorsitzenden Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel am Freitag. Arbeiter am Gleis hätten unter erschwerten Bedingungen und bei Minusgraden Weichen und Bahnsteige eisfrei gehalten. Auch in den Werkstätten sei Mehreinsatz gefragt.
Scharf kritisierten die Gewerkschaften die Fahrzeugindustrie. Sie müsse Züge bauen, «die auch im Winter und nicht nur bei schönem Wetter fahren.» In den vergangenen Tagen hätten defekte Heizungen und nicht schließende Türen wiederholt Problemen gemacht. Zudem sei es verwunderlich, dass die ICE der ersten Baureihe mit Schnee und Eis zurechtgekommen seien, während neuere Modelle Schwierigkeiten hatten.
Das einsetzende Tauwetter verwandelt viele Bürgersteige in Pfützen. Vor allem an Straßenkreuzungen und in den vielen Schlaglöchern der Hauptstadt sammelt sich Schmelzwasser. Auch Gehwege und Seitenstraßen sind an vielen Stellen überflutet. Nach Tauwetter am Wochenende wird es in den kommenden Tagen wieder winterlich. Spätestens zur Wochenmitte wird es wieder eisig bei Temperaturen unter minus zehn Grad. Zuvor sorgt an diesem Wochenende das Tief «Natascha» für ein mildes Intermezzo.




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