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03.03.2010 | München (dpa)
Ernüchterung für DFB-Elf: 0:1 gegen Argentinien

Große Ernüchterung 100 Tage vor dem WM-Start: Die deutsche Nationalmannschaft hat im wichtigsten Test vor dem Turnier in Südafrika gegen Argentinien eine verdiente 0:1 (0:1)-Pleite kassiert. Gonzalo Higuain erzielte am Mittwoch in der 45. Minute den entscheidenden Treffer gegen eine lange Zeit ohne Mut und Ideen auftretende DFB-Elf. Von der unsicheren Nummer 1 René Adler über die schwachen Verteidiger Jerome Boateng und Serdar Tasci bis hin zur harmlosen Offensive zeigte sich keiner der deutschen Südafrika-Kandidaten in WM-Form. Für Bundestrainer Joachim Löw bleiben nach der ersten Niederlage nach zehn Spielen weiter viele Baustellen offen.
Wie schon vor vier Jahren nach dem ernüchternden 1:4 gegen Italien unter Jürgen Klinsmann, der gegen die Argentinier unter den 65 152 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Münchner Stadion saß, muss der Bundestrainer ganz auf die unmittelbare Turniervorbereitung von Mitte Mai an setzen. Symptomatisch für das deutsche Spiel: Der eingewechselte Cacau prüfte in der 76. Minute erstmals den ansonsten beschäftigungslosen argentinischen Schlussmann Sergio Romero. In den letzten Minuten feierten sogar die deutschen Fans jeden Ballkontakt der spielstarken Argentinier unter Trainer Diego Maradona.

«Wir haben zu wenig nach vorne riskiert, es haperte im Vorwärtsgang», sagte DFB-Kapitän Michael Ballack. Leverkusens Schlussmann Adler, der beim 0:1 übermotiviert aus seinem Tor gestürmt war und von Real-Madrid-Angreifer Higuain überlaufen wurde, gestand seinen Fehler ein. «Es war in dem Fall der berühmte Schritt zu spät. Das nutzt ein Weltklasse-Stürmer aus», meinte der 25-Jährige. Eine Schrecksekunde gab es für Bayern-Trainer Louis van Gaal. Verteidiger Martin Demichelis musste in der 57. Minute nach einem Zusammenprall mit Ballack auf einer Trage vom Platz gebracht werden. Nach einer ersten Diagnose erlitt der Münchner einen Jochbeinbruch.
Von Beginn an war zu erkennen, dass das Duell der beiden internationalen Schwergewichte ein Ergebnis-Spiel werden sollte. Die Teams begegneten sich mit großem Respekt. Zunächst scheuten auch die südamerikanischen Kreativ-Künstler das letzte Risiko. Löw hatte seiner Elf im ersten Länderspiel des Jahres und dem wichtigsten WM-Test eine extreme Sicherheitstaktik verordnet, um das schnelle Offensivspiel der Argentinier zu verhindern. Wie schon zuletzt in den beiden entscheidenden EM-Qualifikationsspielen gegen Russland setzte der 50-Jährige auf ein 4-2-3-1 System mit Miroslav Klose als einziger echter Spitze. Der zuletzt in der Bundesliga glücklose Angreifer erhielt zunächst den Vorzug vor seinem Vereinskollegen Mario Gomez.

Erstmals durfte Bayern-Profi Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld neben Ballack ran. Auf der rechten Seite kam der 20 Jahre alte Münchner Thomas Müller zum Debüt in der DFB-Auswahl. Auch Lukas Podolski erhielt das Vertrauen des Bundestrainers. Doch in einer von Taktik geprägten Anfangsphase konnte sich keiner der Offensiv-Protagonisten in Szene setzen. Der zweimalige Weltmeister Argentinien stand in der Abwehr kompakt und ließ keine Tormöglichkeiten zu.
Chelsea-Profi Ballack musste viel Defensiv-Arbeit verrichten. Die Kreativ-Abteilung um Schweinsteiger, Podolski und den Bremer Mesut Özil blieb blass - was vor allem daran lag, dass Özil noch immer der starken Form des vergangenen Jahres hinterherhinkt. So hatten die Deutschen, die erstmals im neuen schwarzen «Auswärts-Trikot» mit weißer Hose und schwarzen Stutzen aufliefen, kaum Chancen. Im Gegensatz zu den Gästen: Zunächst tanzte Angel di Maria Tasci und Boateng aus, traf anschließend aber nur die Latte (38.).

Maradona hatte seine aktuell stärkste Mannschaft auf den Rasen geschickt - und kurz vor der Pause zahlte sich die Überlegenheit aus. Nach einem Stellungsfehler des Bremers Per Mertesacker umkurvte Higuain Adler und schob zum 0:1 ein. Auf der anderen Seite hätte drei Minuten zuvor ein unmotiviertes Foul von Argentiniens Abwehrmann Nicolas Otamendi an Klose zu einem Elfmeterpfiff führen können - der englische Referee Martin Atkinson ließ weiterspielen.
Das Bild änderte sich nach der Pause nur wenig. Lange Zeit hatten die Argentinier das Spiel souverän im Griff. Erst mit den Einwechslungen von Cacau (67. für Özil) und Toni Kroos (67. für Müller) kam etwas mehr Schwung in die Offensive. Der Stuttgarter Cacau prüfte nach 76 Minuten erstmals den argentinischen Schlussmann Sergio Romero, nachdem zuvor Ballack bei zwei schwachen Kopfball-Versuchen das Tor der Gäste nicht in Gefahr bringen konnte.




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