PROGRAMM


01.05.2010 | Shanghai (dpa)
Großer Ansturm am ersten Tag der Weltausstellung
Die Weltausstellung in Shanghai hat am ersten Tag einen großen Besucherandrang erlebt. Einen Tag nach der spektakulären Eröffnungsfeier strömten am Samstag rund 350 000 Menschen auf das gut fünf Quadratkilometer große Gelände am Huangpu-Fluss.
Die Karten waren ausverkauft. Unter dem Motto «Eine bessere Stadt, ein besseres Leben» dreht sich die Expo in der ostchinesischen Hafenstadt um Lösungen für nachhaltige Stadtentwicklung. Mit der Rekordzahl von knapp 250 teilnehmenden Ländern und Organisationen, dem bisher größten Expo-Gelände und erwarteten 70 Millionen Besuchern über sechs Monate ist es schon heute die größte Weltausstellung aller Zeiten.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso eröffnete mit Außenkommissarin Catherine Ashton den ersten europäischen Pavillon in der 159-jährigen Expo-Geschichte als «ein Zeichen der besonderen Beziehungen zwischen der EU und China». Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao, der eine «unvergessliche» Expo versprochen hat, nutzte die Gelegenheit in Shanghai auch für politische Gespräche unter anderem mit Barroso und Ashton. Er traf sich ferner mit Südkoreas Präsident Lee Myung Bak und Nordkoreas Nummer Zwei, Parlamentschef Kim Yong Nam, um die schwierige innerkoreanische Aussöhnung voranzubringen.

Nach chaotischen Szenen beim Probelauf vergangene Wochen schienen die Sicherheitskontrollen den Ansturm gut zu bewältigen. Mit 350 000 Besuchern hatten die Organisatoren den Strom aber auch begrenzt - ursprünglich sollten täglich 400 000 zugelassen werden. Vor den Pavillons bildeten sich schnell lange Schlangen, doch war die Atmosphäre anders als beim Versuchsbetrieb deutlich lockerer.
Belagert wurde auch der deutsche Pavillon, der unter dem Motto «Balancity - Die Stadt im Gleichgewicht» steht. «Deutschland ist die Nummer Eins», sagte ein Chinese, warum er sich zuerst bei den Deutschen angestellt hatte. In der langen Schlange hockten oder lagen wartende Besucher auf Zeitungen und Plastiktüten unter Sonnenschirmen auf dem Boden, viele hielten ein Mittagsschläfchen. Rund eine Stunde mussten die Besucher am Vormittag warten. «Es ist uns wichtig, dass im Pavillon eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Leute in Ruhe ansehen können, was sie möchten», sagte die deutsche Expo-Sprecherin Marion Conrady. Wartezeiten seien unvermeidlich.

Unter den Besuchern in den Ausstellungsräumen herrschte eine entspannte und interessierte Stimmung. «Es wird alles sehr, sehr gut angenommen», fand Conrady. «Es macht Spaß.» Vieles ist zum Anfassen und Erleben, so das die Besucher begeistert alles ausprobierten. «Es ist großartig», sagte Frau Song aus Shanghai, die als erstes zu den Deutschen gekommen war. «Hoch interessant», zeigte sie auf die technischen Ausstellungsstücke und Materialien in der «Fabrik», wo sich Deutschland als innovative Nation darstellt. «Alles sehr deutsch.» Mit den interaktiven Bildschirmen, die zum Beispiel über Abwasserprobleme oder Windenergie aufklären, tat sie sich aber noch etwas schwer: «Ich habe versehentlich Deutsch eingestellt.»
Da sich gerade Chinesen gerne vor Sehenswürdigkeiten fotografieren lassen, stehen zum Beispiel vor einem Bild von Schloss Neuschwanstein sogar ein lebendiger, kostümierter «König Ludwig» sowie eine «Sissy» bereit, um sich gemeinsam mit Besuchern ablichten zu lassen. Der Parteichef der Provinz Sichuan, Liu Qibao, winkte allerdings bei den Bayern ab und zog ein Erinnerungsfoto mit einem Gartenzwerg vor.

Schon um 11.00 Uhr am Vormittag erlebte das deutsche Restaurant einen Ansturm. «Wir haben den Pavillon noch nicht gesehen, aber wollten erstmal das Essen ausprobieren, bevor es am Mittag zu voll wird», sagte ein Chinese, der mit seiner Familie unter anderem Schweinshaxe und Bratwürste bestellt hatte. «Wir haben noch nie Deutsch gegessen», sagte der Familienvater und prostet zufrieden mit seinem Weizenbier. «Schmeckt sehr gut.» Das 400 Sitzplätze große Restaurant hat insgesamt 20 Tonnen Sauerkraut und fünf Tonnen Rotkohl bestellt, um den Besucheransturm zu bewältigen.
Spektakulärer Schlusspunkt des deutschen Pavillons ist die «Energiezentrale». In dem dunklen Dom bringen jeweils 600 Besucher eine 1,2 Tonnen schwere, leuchtende Wunderkugel an einem Pendel durch Gesten und gemeinsames Rufen zum Schwingen. Auf der drei Meter großen Kugel stellen 400 000 LED-Punkte bunte Farben, Formen und auch Bilder von Natur oder Städten dar - selbst der Mauerfall kommt in der beeindruckenden Show vor, die begeistert aufgenommen wurde.

27.04.2010 | Shanghai (dpa)
Shanghai für größte Expo aller Zeiten mobilisiert
Jeder zweite Mensch lebt heute in einer Stadt. Wie die Welt die zunehmende Urbanisierung bewältigt, wird über die Ressourcen der Erde und die Zukunft der Gesellschaften entscheiden. «Eine bessere Stadt, ein besseres Leben» - unter diesem Motto steht die Expo 2010 in Shanghai, die am Samstag ihre Tore öffnet. Mit 70 Millionen Besuchern soll es die größte Weltausstellung aller Zeiten werden. «Shanghai ist bereit», sagt Expo-Sprecher Xu Wei. «Die ganze Stadt ist mobilisiert.» Rund 250 Länder und Organisationen sind vertreten. Erstmals seit der Expo 2000 in Hannover haben Länder wieder Pavillons gebaut. Deutschland lässt sich seinen bisher größten Expo-Auftritt etwa 50 Millionen Euro kosten.
Die Weltausstellung soll eine Plattform bieten, um innovative Ideen auszutauschen, wie Probleme mit Verkehr, Umweltschutz, Energie, Müll und Abwasser gelöst werden können. Nachhaltige Stadtentwicklung ist gerade im bevölkerungsreichsten Land der Erde ein ungelöstes Problem. Jedes Jahr strömen 60 Millionen Chinesen in die Städte, auch wenn China mit einer Urbanisierungsrate von 46 Prozent noch unter dem Weltdurchschnitt von 55 Prozent liegt. Im Reich der Mitte gibt es aber schon heute mehr als 170 Millionenstädte und sieben Metropolen mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Expo-Gastgeber Shanghai zählt mit 18 Millionen Menschen zu den zehn größten Städten der Erde.

Was Olympia 2008 für Peking war, soll die Expo für Shanghai werden. Regierungschef Wen Jiabao erwartet ein «spektakuläres und unvergessliches Ereignis». Auf dem 5,28 Quadratkilometer großen Gelände auf beiden Seiten des Huangpu-Flusses werden täglich 400 000 Menschen erwartet. «Transport und Sicherheit bereiten uns große Kopfschmerzen», sagt Expo-Sprecher Xu Wei. Doch sei die Hafenstadt grundsätzlich sicher. «Wir sehen keine große terroristische Bedrohung in Shanghai. Aber bei einem solchen Großereignis muss man auf alle Gefahren vorbereitet sein.» Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sollen sich die Besucher aber auch noch wohlfühlen können.
Sieben Probetage mit bis zu 350 000 Besuchern offenbarten noch viele Probleme, gerade mit den Sicherheitskontrollen. Viele Besucher beklagten auch saftige Preise für Essen und Trinken. Eigene Getränke dürfen nicht mitgebracht werden. Die wenigen, schon geöffneten Pavillons konnten den Ansturm nicht bewältigen. 10 bis 20 Prozent werden auch am Samstag, dem Eröffnungstag, wohl noch nicht fertig sein. Drei bis fünf Millionen Besucher aus dem Ausland werden nach vorsichtigen Schätzungen bis zum 31. Oktober erwartet, so dass sich die «Stadt über dem Meer» von der besten Seite zeigen will.

Wirbel löste die Kampagne aus, den Shanghaiern die charmante Eigenart abzugewöhnen, im Pyjama auf die Straße zu gehen. «Geh nicht im Schlafanzug nach draußen, sei für die Expo ein zivilisierter Mensch», hieß die Losung. Verantwortliche beteuern heute aber, der Nachtanzug sei nie wirklich verboten worden. «Ich finde, es ist ein persönliches Recht zu wählen, was man anziehen will», sagt auch Expo-Sprecher Xu Wei. Solche Sitten wandelten sich langsam mit wachsendem Wohlstand. Eine Stadt wie Shanghai müsse alle ihre Seiten zeigen. «Die Expo ist eine gute Chance, der Welt zu demonstrieren, dass China ein aufgeschlossenes Land ist.»
Die Bevölkerung steht voll hinter der Weltausstellung, auch wenn es Kritik über die Milliardenkosten, den Abriss alter Quartiere im Namen der Expo und Zwangsumsiedlungen gibt. So bemängelt der Bürgerrechtsanwalt Teng Biao, die Ausgabe der Steuergelder für die Weltausstellung sei nicht transparent. «Ich fürchte, es gibt viel Korruption.» Grundsätzlich unterstützt aber auch Teng Biao die Expo. Seit Beginn der Reform und Öffnung vor drei Jahrzehnten habe China wirtschaftlich schon viel von der Welt gelernt. Nur politisch habe sich nichts verändert. «Ich hoffe, die Expo ist auch eine Chance für China, die Menschenrechtslage zu verbessern und etwas über politische Systeme zu lernen - etwa so grundlegende Dinge wie Gewaltenteilung.»
Expo: en.expo2010.cn




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