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18.03.2009

18.03.2009 | Berlin (dpa)
Mutmaßliche KaDeWe-Einbrecher wegen Zwillings-DNA entlassen
Weil sie eineiige Zwillinge sind, kann ihnen der Einbruch ins Luxuskaufhaus KaDeWe bisher nicht nachgewiesen werden. Zwei Monate nach dem Millionencoup wurden die beiden mutmaßlichen Einbrecher am Mittwoch aus der Untersuchungshaft entlassen.
Die DNA-Spuren der eineiigen Zwillinge können nicht eindeutig einem von beiden zugeordnet werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Daher wurden die Haftbefehle aufgehoben. Die 27-jährigen Brüder sollen am 25. Januar in das KaDeWe eingebrochen und Schmuck und Uhren im Millionen-Wert gestohlen haben. Die Polizei fand DNA-Spuren in einem zurückgelassenen Handschuh.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, die gefundenen Spuren gehörten zwar zu einem der Brüder. Es könne aber nicht sicher geklärt werden, zu welchem, weil die Männer gleiches Erbmaterial haben. "Ihre DNA ist so gut wie identisch und mit derzeitigen medizinischen Erkenntnissen nicht zu unterscheiden." Auch die weiteren Tatortspuren, Beweismittel und Untersuchungen hätten in dieser Frage nicht zu einem eindeutigen Ergebnis geführt. Die Staatsanwälte erläuterten, dass laut Gesetz jedem der beiden Beschuldigten zugestanden werden müsse, dass jeweils der andere am Tatort war. Es bestehe aber weiterhin Tatverdacht, daher würden auch die Ermittlungen weiter laufen.
Der Verteidiger einer der beiden Männer, Axel Weimann, sagte dem "Tagesspiegel" (Donnerstag): "Ich gehe davon aus, dass sie noch heute zu ihren Familien fahren werden." Die Männer haben bisher zu den Vorwürfen nicht ausgesagt. Weimann sagte: "Dass die Mandanten schweigen, heißt nicht, dass sie etwas zu verbergen haben, sondern dass sie von ihrem Grundrecht Gebrauch machen."
Der "Tagesspiegel" zitierte auch einen dritten Bruder, der mit Teilen der libanesischen Großfamilie in Berlin-Neukölln lebt, und von seinen entlassenen Brüdern ausrichten ließ, dass sie "stolz seien auf den deutschen Rechtsstaat und ihm danken".
Die Zwillingsbrüder waren am 11. Februar in einer Spielhalle auf dem Autohof Bockel bei Bremen festgenommen worden. Sie lebten dort in der Nähe. In ihren Wohnungen wurden zwar Beweismittel wie Handys, aber keine Beutestücke gefunden. Die Polizei fahndet weiterhin nach einem dritten Täter und dem Diebesgut.
Auf den Filmen der Überwachungskameras waren drei maskierte Täter zu sehen, die an dem Millionencoup beteiligt waren. Sie waren am frühen Morgen des 25. Januar über eine Leiter auf ein seitliches Vordach des KaDeWe geklettert. Von dort stiegen sie durch ein Fenster in das große Kaufhaus und anschließend über eine Strickleiter wieder ins Erdgeschoss. In der Filiale der Juwelier-Kette Christ brachen sie Ausstellungsvitrinen und Schränke auf. Auf den Überwachungsvideos ist zu sehen, wie die Männer in kurzen Abständen zweimal hintereinander auftauchen, um die umfangreiche Beute aus dem Kaufhaus zu schaffen.

Einbruch ins KaDeWe: Die wichtigsten Etappen der Ermittlungen
Der spektakuläre Einbruch in das berühmte Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die Polizei fahndete bundesweit nach den Tätern. Sie nahm zwei Tatverdächtige fest, die sie jetzt wieder aus der Untersuchungshaft entlassen musste.

25. Januar: Unbekannte brechen am frühen Sonntagmorgen in das Kaufhaus KaDeWe ein und rauben Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Millionen Euro. Der Vorfall wird erst am frühen Montagmorgen (6.00) von einem Wachmann entdeckt. Die Täter stiegen über ein Vordach ein und seilten sich in den Verkaufsraum im Erdgeschoss ab, wo sie Schränke und Vitrinen aufhebelten und ausräumten.
27. Januar: Nach Auswertung der Video-Überwachungsbänder gibt die Polizei bekannt, dass mindestens drei maskierte Männer den dreisten Raub begangen haben. Unklar bleibt, warum die hochmodernen Sicherheitsanlagen keinen Alarm meldeten. Die betroffene Schmuckkette Christ setzt bis zu 100 000 Euro als Belohnung aus.
30. Januar: In Amsterdam nimmt die Polizei zwei junge Berliner fest, die sich zum Scherz als die KaDeWe-Diebe ausgegeben hatten.
2. Februar: Eine Woche nach dem Raubzug gibt es 70 Hinweise aus der Bevölkerung, aber keine heiße Spur.
11. Februar: Im niedersächsischen Rotenburg/Wümme geht der Polizei in einer Spielhalle ein Zwillings-Bruderpaar (27) einer libanesischen Großfamilie ins Netz, die den KaDeWe-Einbruch begangen haben sollen. Spuren vom Tatort wiesen auf die Männer hin. Der dritte Täter sowie die Beute bleiben im Dunkeln. Die Brüder kommen in Niedersachsen in Untersuchungshaft.
17. Februar: Der erste der Zwillinge wird in die U-Haft nach Berlin-Moabit überstellt.
24. Februar: Auch der zweite Bruder sitzt nun im Moabit ein.
18. März: Die Zwillinge werden aus der U-Haft entlassen und die Haftbefehle gegen sie aufgehoben. Der Grund: Die Polizei kann die am Tatort gefundenen DNA-Spuren nicht sicher einem der beiden Männer zuordnen, weil sie als eineiige Zwillinge identisches Erbmaterial haben. Sicher war aber einer von ihnen am Tatort.




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