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Album der Woche: Blondie - Panic of Girls

Blondie - Mother (Behind the scenes) | YouTube
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Blondie - Mother | YouTube
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Album der Woche - KW 29 2011

Blondie - Panic of Girls


Das Cover von Blondies „Panic Of Girls“, dem neunten Studio-Album der Band, ziert ein surreales, handgemaltes Bild des kultverdächtigen holländischen Künstlers Chris Berens, den Gittarist Chris Stein ausgesucht und mit dem Artwork der CD beauftragt hat. Die Darstellung, wie eine Art verzerrtes Wunderland, ist eine passende Metapher für Blondies momentanen Standort mit dem Blick auf ihre bemerkenswerte 37jährige Karriere. Das Sextett aus New York City lebt tatsächlich in einer ganz eigenen Welt, verführerisch und ein wenig verdreht, mit einem Sound, der so unverkennbar ist wie eh und je, und seinen Glanz unter der Pop-Patina erfolgreicher Jahrzehnte zu verstecken scheint.

 

Auf „Panic Of Girls“ wirft Blondie einen Blick zurück, doch die Band schreitet resolut vorwärts, bleibt eine genaue Beobachterin der Popkultur der Straße und lässt sich weiterhin vom aufwühlenden musikalischen Schmelztiegel New Yorks inspirieren. Das Kern-Trio, bestehend aus Sängerin Deborah Harry, Gitarrist Chris Stein und Drummer Clem Burke, hat jüngere Bandmitglieder aufgenommen, mit viel versprechenden jungen Produzenten zusammen gearbeitet und neue talentierte Songwriter entdeckt, ohne dadurch jedoch irgendwelchen Trends hinterher zu laufen.

„Wir sind Teil der Zukunft und der Vergangenheit gleichermaßen”, erklärt Debbie Harry. „Neue Musik zu machen ist mir und dem Rest der Band extrem wichtig. Als wir 1997 zum ersten Mal wieder zusammen kamen, war eine meiner Bedingungen, dass es nicht nur um einen Rückblick auf Blondies Greatest Hits gehen durfte. Ich war sehr engagiert und überzeugt von der Idee, uns nach vorne zu bewegen und neue Musik zu machen. Ich bin glücklich, dass diese jetzt erscheinende CD fest in der Blondie-Tradition verankert ist, aber gleichzeitig deutlich macht, dass sie ins Hier und Heute gehört.“

 

„Panic Of Girls“ beginnt frech mit Clem Burkes typisch treibendem Trommelwirbel, bevor die Band sich ins atemlos rasante „D-Day” hineinsteigert. Die Band hält diesen Energie geladenen Ansatz und kompensiert eine gewisse Untergangsstimmung auf „What I Heard” mit schimmerndem Power-Pop, der für die Band vom neuen Keyboarder Matt Katz-Bohen und Laurel Katz-Bohen geschrieben wurde. Es gibt düstere Ecken auf einigen der neuen Songs, aber der Ton ist genau so oft voller Humor und kommt von Herzen – und selbst die härteste Nummer ist mit jeder Menge akustischem Spaß gespickt. Mit dem hymnischen Elektro-Pop von „Mother“ verbeugt sich Harry vor dem kultigen Nightclub CBGB in der West 14th Street, der die grellsten Nachtschattengewächse und selbsternannte Superstars in die damals total herunter gekommene, aber angesagteste Ecke Manhattans lockte.

Blondie hat einen erstaunlichen Weg zurückgelegt seit den Zeiten im CBGB. Mehr als 40 Millionen Alben verkaufte die Band weltweit und im Verlauf der vier Jahrzehnte führten sie immer wieder die Charts mit Hits wie „One Way Or Another”, „Heart Of Glass”, „Rapture” und „Maria” an. 2006 wurde Blondie in die Rock and Roll Hall Of Fame aufgenommen.

 

Im Cleveland Museum, erzählt Burke, hänge die Gedenktafel für die Band direkt unter der der Beatles. Seit The Curse Of Blondie,  der letzten Studio-Arbeit der Band, sind acht Jahre vergangen. Blondie ist die ganze Zeit der erfolgreiche Power-Live Act geblieben, der weltweit sein Publikum begeistert und dürfte die erfolgreichste Band-Reunion des Jahrgangs 1977 sein.

 

Eine Weile wurden die Tourneen reduziert und das Songwriting wurde wichtiger, was  Stein in die Lage versetzte, jeden freien Moment seiner neuen Familie zu widmen und Debbie Gelegenheit gab, sich auf ihre Soloarbeit zu konzentrieren. Aber jetzt, meint Harry, „ist Chris überaus produktiv geworden; er schreibt fast jeden Tag einen Song. Es ist unglaublich. Und mir macht das Songwriting mehr Spaß als je zuvor. Ich denke – ich hoffe – ich werde besser.” Stein bestätigt ihre Hoffnung: „Sie ist eindeutig in der Oberliga angekommen.”

„Panic Of Girls“ wurde größtenteils in einem Studio in Woodstock, New York, aufgenommen und von Jeff Saltzman produziert, der durch seine Arbeit mit den Killers bekannt wurde. Sie holten den jungen KatoKhandwala ins Boot, der den druckvollen Song „Mother” mitgeschrieben hat, und beauftragten ihn, zwei Tracks zu produzieren. Er stammt aus einem eher harten Emo/Metal-Background und hat vorher mit Acts wie  Paramore, Breaking Benjamin und Papa Roach gearbeitet – aber er passt nahtlos in den Blondie-Mix.

 

Das Produktionsteam von Super Buddha - das Duo hinter Debbie Harrys Necessary Evil von 2007 - hat „D-Day” umgesetzt. Stein erklärt: „Eine Platte zu machen ist ein interessanter Prozess. Es ist jedes Mal ein bisschen anders. Jeff war großartig, er ist einfach komplett verrückt. Und mit Kato hatten wir auch viel Spaß. Jeff war ein wenig lockerer bei der Arbeit, aber Katos Präzision hat mir gut gefallen.“ Blondie wird zur Veröffentlichung von „Panic Of Girls“ wieder auf Tour gehen, begleitet vom Bassisten Leigh Fox, der seit der Reunion 1997 mit von der Partie ist sowie dem neuen Gitarristen Tommy Kessler und dem Keyboarder Katz-Bohen, der 2008 zur Band gestoßen ist.

 

Rückblickend auf die Entwicklung der Band seit Blondies Neuformierung nach einer Auszeit von immerhin 15 Jahren und der Veröffentlichung ihrer chartstürmenden Comeback-CD No Exit, fasst Burke zusammen: „Der Titel No Exit war ein Spiel mit Worten - abgesehen davon, dass es der Titel eines Theaterstücks von Sartre ist. Es geht darum, dass Blondie nie wirklich weg war und immer ein Teil von uns sein wird. Wir sind alle sehr aufgeregt wegen des neuen Albums und der Tatsache, dass wir neue Musik gemacht haben um die Blondie-Story fortzusetzen.“


-- Michael Hill

BLONDIE „Panic Of Girls“
(VÖ 15.07.2011)

 

TRACKLIST

01  D-Day
02  What I Heard
03  Mother
04  The End The End
05  Girlie Girlie
06  Love Doesn't Frighten Me
07  Words in My Mouth
08  Sunday Smile
09  Wipe Off My Sweat
10  Le Bleu
11  China Shoes

 

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www.blondie.net

Foto 1: Album-Cover/Chris Berens | Foto 2, 3 & 5: F. Scott Schafer | Foto 4: EPA/KIPPA SANDER KONING

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