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Berlin-Wahl 2011
- Die Spitzenkandidatin der Grünen: Renate Künast -






Renate Künast - kantige Kämpferin
Große Ziele im Leben waren für Renate Künast (55) immer mit Berlin verbunden. Als 22 Jahre alte, frisch diplomierte Sozialarbeiterin aus Recklinghausen wollte sie 1977 nirgendwo anders arbeiten als in Berlin. Dort ging sie zwei Jahre lang in das Männer-Gefängnis Tegel und studierte später Jura. «Berlin war ein Ort des Sich-entwickeln-Könnens, des Nicht-eng-Seins im Kopf, der Freiheit in den Lebensformen», sagt Künast 33 Jahre später der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Nun will die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag in Berlin Regierungschefin werden. Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Parteivorsitzende und Agrarministerin war die drahtige Frau mit den kurzen blond-gesträhnten Haaren schon - und alles in Berlin. Dort begann sie auch ihre politische Karriere, als Grüne der allerersten Stunde, 1979 noch in der Alternativen Liste West-Berlins. Bei den Grünen gehört sie zu den eher pragmatischen Realos.

Doch ihre Chancen, den populären SPD-Amtsinhaber Klaus Wowereit abzulösen, stehen vier Wochen vor der Wahl nicht sonderlich gut. Wowereits große Stärke, im persönlichen Gespräch lächelnd die Bürger für sich zu gewinnen, geht Künast ab. Sie ist für ihre Schlagfertigkeit und ihren Witz bekannt und ihre aggressiven Attacken gefürchtet. Kritiker bescheinigen ihr bisweilen arrogantes Auftreten.
«Er hat das Herz mit Schnauze, sie hat die Schnauze, bloß das Herz fehlt», charakterisierte der «Tagesspiegel» die Bewerberin. Dass sie im Beliebtheits-Wettstreit gegen Wowereit den Kürzeren zieht, ist Künast selbst klar. «Vielleicht ist er auf den ersten Blick charmanter«, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. «Aber ich will keinen Charme-Preis gewinnen. Mir liegt auf der Seele, dass Berlin seine Chancen nicht nutzt.»

Das Engagierte, das Kämpferische sind typisch für sie. Sie kommt aus einfachen Verhältnissen im Ruhrgebiet. Ihr Vater war Automechaniker, ihre Mutter Hilfskrankenschwester im Krankenhaus. «Ermutigung gab es bei uns zu Hause nicht», erinnert sie sich. Gegen den Willen der Eltern setzte sie eine höhere Schulbildung durch. «Es ist eine Erfahrung, dass man, wenn man um etwas kämpft, es erreichen kann», sagte Künast der FAZ.
Sie sei aber im Grunde ihres Herzens ein schüchterner Mensch, meint sie. Deshalb habe sie auch ein zwiespältiges Verhältnis zu Emotionen in der Politik. Im Privatleben ließ sie ihnen jüngst freien Lauf. Im Februar heiratete sie ihren langjährigen Lebensgefährten, den Berliner Strafverteidiger Rüdiger Portius (67).
Quelle: dpa, Kirsten Baukhage
Homepage Künast: renate-kuenast.de
Renate Künast - Vita

geb.: 1955 in Recklinghausen, NRW, ledig
Beruf: Anwältin
Renate Künast wurde am 15. Dezember 1955 in Recklinghausen/NRW geboren. Nach ihrem Studium der Sozialarbeit an der Fachhochschule in Düsseldorf, arbeitete sie in diesem Beruf von 1977 bis 1979 in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel, speziell mit Drogenabhängigen. Später studierte sie Jura und schloss das Studium 1985 mit dem zweiten Staatsexamen ab.
Der Westberliner Alternativen Liste trat sie bereits 1979 bei. Seitdem hat sie in verschiedenen Funktionen für die Partei gearbeitet. Während der rot-grünen Koalition in Berlin in den Jahren 1989/90 war sie Fraktionsvorsitzende.
Nach dem Ende des rot-grünen Senats arbeitete sie weiter als Abgeordnete und in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, bis 1993 als deren Vorsitzende, danach als rechtspolitische Sprecherin.
Vom Juni 2000 bis zum März 2001 war sie Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Von Januar 2001 bis Oktober 2005 war Renate Künast Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.
Politische Vita
- 1979 Eintritt in die Westberliner Alternative Liste
- 1989-2000 Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin
- 1989-1990 und 1998-2000 Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus
- 1994-1998 rechtspolitische Sprecherin der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus
- 2000-2001 Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen
- 2001-2005 Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
- seit 2002 Mitglied des Bundestages
- seit 2005 Vorsitzende der Bundestagsfraktion




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