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Hintergrund: 100-Tage-Bewertungen früherer Bundesregierungen
Nach 100 Tagen Schonfrist muss sich die Bundesregierung traditionell der ersten Abrechnung ihrer politischen Leistungen stellen. Dabei fällt das Urteil nur selten positiv aus, wie Bewertungen von Opposition, Medien und Bevölkerung seit der Wiedervereinigung zeigen:

2006 (CDU/CSU/SPD)
«Viele kleine Schritte» hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt. Die Opposition vermisst jedoch große Reformsprünge, besonders bei der Gesundheits- und Pflegeversicherung. Die schwarz-rote «Gute-Laune-Koalition» («Die Welt») lobt hingegen die vorbereitete Föderalismusreform und ihren unerwartet harmonischen Start. Der Honeymoon sei jetzt jedoch vorbei, warnt FDP-Chef Guido Westerwelle.
2003 (SPD/Grüne)
Der zweite rot-grüne Start misslingt. Die Arbeitslosenquote erreicht Rekordniveau, das Wachstum sinkt - selbst die Sympathiewerte von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) stürzen ab. Oppositions-Chefin Merkel klagt einen Mangel an Wahrhaftigkeit an. Westerwelle schimpft, das sei vermutlich die schlechteste Regierung seit Gründung der Bundesrepublik.

1999 (SPD/Grüne)
Trotz handwerklicher Mängel bei den ersten Gesetzen erhalten Schröder und sein rot-grünes Team gute Noten in der Bevölkerung. CDU-Chef Wolfgang Schäuble sieht einen Stillstand auf höherer Ebene. Der «Spiegel» kommentiert: «Groß waren die Vorhaben, klein sind die Ergebnisse.» Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch entgegnet, Gründlichkeit müsse vor Schnelligkeit gehen. Gewerkschaften sind wegen des angekündigten Politikwechsels zunächst begeistert, Unternehmer eher entsetzt.
1995 (CDU/CSU/FDP)
Im fünften gemeinsamen Anlauf nacheinander wird der Ton zwischen Schwarz und Gelb schärfer: Kohlesubventionen, Solidarzuschlag und Auslandseinsätze der Bundeswehr sorgen für Koalitions-Ärger. Die CDU streitet bereits, ob Grüne oder die SPD im Falle eines Scheiterns der bessere Partner wären. SPD-Chef Rudolf Scharping wirft der Koalition Entscheidungsunfähigkeit vor.
1991 (CDU/CSU/FDP)
Da die Arbeitslosigkeit in der ehemaligen DDR rasant steigt, ist der zuvor als Hoffnungsträger gefeierte Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) besonders im Osten zum Buhmann geworden. SPD-Vizechefin Herta Däubler-Gmelin nennt den Start der ersten Regierung nach der Wiedervereinigung eine Kette von «Wortbrüchen und Versagen».




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