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AKTUELL | REPORT: EXPLOSIVE POST | BOMBENTERROR GRIECHISCHER AUTONOMER
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02.11.2010 | Berlin
Report: Explosive Post für die Kanzlerin
Dass der griechische Wirtschaftsminister der deutschen Kanzlerin auf dem normalen Postweg ein Päckchen schickt, dürfte ungewöhnlich sein. Dass Giorgos Papakonstantinou aber Angela Merkel gerade dann ein Paket sendet, wenn Briefbombenterror in Athen gemeldet wird und auch schon Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine griechische Bombe erhalten sollte, ließ die Kontrolleure wohl nicht an einen Zufall glauben. Sie schlugen Alarm.
Der Absender war falsch und die Fracht im doppelten Sinne explosiv. Die Untersuchungen dauerten am Dienstag Stunden nach dem brisanten Fund noch an. In Griechenland wurden Mitglieder einer autonomen Gruppierung hinter den Briefen vermutet. Statt Klarheit gab es in Berlin zunächst Spekulationen. Als unwahrscheinlich galt jedoch, dass die Post einen jemenitischen Terrorhintergrund hat. Eher wurden Verbindungen zu Griechenland gezogen.
Merkel hatte sich im Frühjahr strikt gegen eine schnelle Hilfe der Euro-Staaten für das vom Bankrott bedrohte Griechenland gewehrt. Athen solle mit drastischen Sparmaßnahmen in Vorleistung treten, forderte sie. Die griechische Regierung beschloss für die Bevölkerung schmerzhafte Einschnitte, die Bürger gingen auf die Straße. Die Fast- Pleite Griechenlands bedrohte die Eurozone in ihrer Existenz.

Erst am vergangenen Freitag beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beim Gipfel in Brüssel als Folge aus dem Griechenland-Trauma: Wer über seine Verhältnisse lebt und Schuldenberge anhäuft, muss in der Eurozone mit härteren Strafen rechnen. Merkel und Sarkozy hatten den Weg dafür geebnet.
«Süddeutsche.de» berichtete unter Berufung auf deutsche Sicherheitsexperten, es könne sich um eine konzertierte Aktion griechischer Linksextremisten handeln gegen das Weltfinanzsystem und die harten Sparmaßnahmen für Athen.
Im Kanzleramt herrschte zwar Aufregung. Eine solche Alarmmeldung ist selten. Aber es wurde kein Krisenstab gebildet, und es wurden auch keine Mitarbeiter evakuiert. Alles sei nach Plan gelaufen, hieß es - von der Routinekontrolle im Postüberprüfungsraum außerhalb des Zentralgebäudes des Kanzleramtes über die Schließung der Poststelle durch das Bundeskriminalamt bis zu Mitteilungen der Regierung.

Das Kanzleramt war nach außen sichtbar auch nicht stärker abgeschirmt als sonst. Lediglich zwei Polizisten patrouillierten an diesem trüben Novembertag vor dem Zaun der Regierungszentrale. «Wir dürfen absolut nichts sagen», wehrten sie alle Fragen ab. Zahlreichen Journalisten und Kamerateams hatten sich wie sonst bei Sitzungen des Koalitionsausschusses eingefunden.
Passanten, die von der Nachricht erfuhren, zeigten sich erschrocken. «Sonst ist das ganz weit weg. Man hört von der Gefahr des Bombenterrors nur aus den Nachrichten», sagte Jan Blug aus Rheinland-Pfalz. «Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl im Bauch», meinte der 23-Jährige. Seine Freundin Lisa-Marie Schwarz sagte: «Das ist schon erschreckend. Man fragt sich schon, wie so etwas überhaupt zum Kanzleramt durchkommen kann.»
Merkel war gar nicht da. Als das Sprengstoffpaket eintraf, war sie in Belgien - und verteidigte das deutsch-französische Drängen auf eine Verschärfung des EU-Stabilitätspaktes und Strafen für hartnäckige Defizitsünder. Merkels Position: «Wenn der Euro scheitert, dann scheitert auch Europa.




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