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Ehrenbär für Müller-Stahl
Fotos
18.01.2011 | Berlin

Ehrenbär für Armin Mueller-Stahl

Goldener Ehrenbär für Armin Mueller-Stahl: Die Berlinale würdigte den 80-jährigen Schauspieler mit der begehrten Auszeichnung für sein Lebenswerk. Mit Mueller-Stahl werde eine außergewöhnliche Persönlichkeit des Weltkinos geehrt, teilte das Festival vor der Hommage am Freitagabend im Berlinale-Palast mit.

Auf dem Programm stand Costa-Gavras' Politthriller «Music Box». Mueller-Stahl spielt darin einen ungarischen Kriegsverbrecher, der als unauffälliger Großvater in den USA lebt und unerwartet mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Bei der Berlinale 1990 war der Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden.

Mueller-Stahl gilt als einer der wenigen deutschen Schauspieler mit Weltruhm. Wichtige Rollen hatte er in Filmen wie «Jakob der Lügner» (1974), «Lola» (1981), «Night on Earth» (1991) und «Shine» (1996). Im Jahr 2003 wurde er für seine Rolle als Thomas Mann in Heinrich Breloers TV-Mehrteiler «Die Manns ­ ein Jahrhundertroman» mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt. Auf der Leinwand war er zuletzt in der Bestseller-Verfilmung «Illuminati» (2009) von Ron Howard zu sehen.

Quelle: dpa
18.02.2011 | Berlin

Porträt: Goldbär für Mueller-Stahl - Ausnahmeschauspieler und Multitalent

Bis heute halten ihn die Leute auf der Straße gelegentlich für Thomas Mann. Aber Armin Mueller-Stahl hat nicht nur im Fernseh-Dreiteiler «Die Manns» Filmgeschichte geschrieben. Am Freitag ehrt die Berlinale den Ausnahmeschauspieler.

Armin Mueller-Stahl war das Aushängeschild des DDR-Films, machte später auch im Westen eine beispiellose Karriere und gilt selbst in Hollywood als Star. 1997 wurde er für seine Vaterrolle in dem Musikerdrama «Shine» mit einer Oscar-Nominierung geehrt. Dass die Berlinale den 80-Jährigen am Freitag mit dem Goldenen Ehrenbären auszeichnet, ist gleichwohl nochmal ein besonderes Zeichen: Er ist dem Festival seit Jahren verbunden und erhält die Trophäe als «außergewöhnliche Persönlichkeit des
Weltkinos» für sein Lebenswerk.

«Inzwischen bin ich ein Maler, der auch schauspielert und nicht mehr ein Schauspieler, der auch malt», bekannte Mueller-Stahl kürzlich in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dennoch ist der Mann mit dem gütigen und oft ein bisschen verschmitzten Lächeln dem Publikum vor allem mit seinen Charakterrollen ans Herz gewachsen - einst war er wegen «mangelnder Begabung» von der Schauspielschule geflogen.

Mehr als 120 Kino- und TV-Filme hat der Ausnahmeschauspieler inzwischen gedreht, darunter Kultstreifen wie «Jakob der Lügner» (1974), «Music Box» (1989) mit Regisseur Costa Gavras und «Night on Earth» (1991) mit Jim Jarmusch. 2003 erhielt er für seine Rolle als Thomas Mann in Heinrich Breloers TV-Mehrteiler «Die Manns ­ ein Jahrhundertroman» den Adolf-Grimme-Preis. Auf der Leinwand war er zuletzt in der Bestseller-Verfilmung «Illuminati» (2009) zu sehen.

Dabei steht Mueller-Stahl wie kaum ein anderer für die Geschichte der deutschen Teilung. Als Sohn einer künstlerisch begabten Familie im ostpreußischen Tilsit geboren, wechselt er nach einem Musikstudium bald in die Schauspielerei («Die einfachste Art, Brötchen zu verdienen»). Fast 25 Jahre ist er beim Berliner Theater am Schiffbauerdamm und später bei der Volksbühne verpflichtet, in Film und Fernsehen avanciert er zum absoluten Publikumsliebling der DDR.

Zum Bruch kommt es, als Mueller-Stahl 1975 seine Rolle als Ost-James-Bond in der beliebten TV-Serie «Das unsichtbare Visier» kündigt und dann auch noch gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert. Jäh bleiben die Rollenangebote aus. Seine Übersiedelung nach West-Berlin 1980 muss er mit einem Brief an Erich Honecker buchstäblich erbetteln. «Ich bitte um nichts, außer dass ich behandelt werde wie jemand, der diesem Land auch genützt hat.»

Im anderen Deutschland wird der Film «Lola» mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder die Eintrittskarte für die zweite Karriere. Es folgen Arbeiten mit Filmgrößen wie Bernhard Wicki, Axel Corti oder Alexander Kluge - und schließlich der Sprung nach Hollywood.
Dass er als «unangepasster Einzelgänger» gilt, gelegentlich gar als störrisch, hat ihn dabei nie gestört.

Inzwischen will sich Mueller-Stahl immer weniger auf die Rolle des Schauspielers festlegen lassen. Seit seinem 50. Geburtstag arbeitet er erfolgreich auch als Autor («Verordneter Sonntag», «Drehtage». «Kettenkarussell»). Seit er 70 ist, stellt er seine über Jahrzehnte entstandenen Bilder aus. Und kurz vor dem 80. Geburtstag im Dezember 2010 brachte er mit «Es gibt Tage...» seine erste CD heraus.

 

Privat ist Mueller-Stahl seit mehr als 35 Jahren in zweiter Ehe mit der Hautärztin Gabriele Scholz verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn und leben abwechselnd in Los Angeles und an der Lübecker Bucht. Zum 80. Geburtstag wurde der Schauspieler zum Ehrenbürger Schleswig-Holsteins ernannt, kürzlich erhielt er die Goldene Kamera für sein Lebenswerk. Der Ehrenbär dürfte aber trotz aller bisherigen Preise noch einen Ehrenplatz bekommen.

Quelle: dpa

Homepage von Armin Müller-Stahl: www.arminmuellerstahl.de
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