BERLIN

28.07.2011 | Berlin
Tote Familie in Köpenick: Ex-Mieter verstopften Abzugsrohr
Nach dem Tod einer sechsköpfigen Familie in Berlin-Köpenick ermittelt die Polizei jetzt gegen zwei frühere Mieter der Wohnung. Sie räumten in Vernehmungen ein, vor mehreren Jahren das Abzugsrohr der damals abgestellten Gastherme zum Schutz vor Zugluft und Kälte mit Stoff und Zeitungen verstopft zu haben, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend.
Die Behörden leiteten gegen die Frau und ihren erwachsenen Sohn ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Die Gegenstände seien in dem Abzugsrohr gefunden worden, hieß es. Dessen ungeachtet hieß es, die Ermittlungen bezüglich weiterer Unglücksfaktoren und einer möglichen Verantwortung Dritter dauerten an.

Die Familie war an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Die Ermittler ließen daraufhin die Gastherme in der Wohnung überprüfen. Die Leichen der vier kleinen Kinder und der beiden Erwachsenen waren am Montag im Berliner Stadtteil Köpenick gefunden worden.
Am Nachmittag hatten die Ermittler berichtet, sie prüften neben der Gastherme in der Wohnung auch noch mögliche andere Auslöser. Es werde unter anderem untersucht, «ob noch weitere technische Geräte vorhanden» waren, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. «Wir schauen in alle Richtungen.»

Aus Sicht der Schornsteinfeger-Innung ist die Gastherme Auslöser des tödlichen Unglücks. Die Anlage sei 2005 stillgelegt und erst 2011 wieder in Betrieb genommen worden, sagte Innungssprecher Henry Laubenstein. «In dem Moment, wo sie wieder in Betrieb gesetzt wurde, hätte sie abgenommen werden müssen.» Die Hausverwaltung habe sich dazu jedoch nicht an die Schornsteinfeger gewandt. Gefährliche Ablagerungen hätten dadurch nicht beseitigt werden können. «Es ist offensichtlich so, dass die Abgase nicht abziehen konnten», sagte Laubenstein.
Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses, hochgiftiges Gas, das bei unvollständigen Verbrennungsprozessen und unzureichender Belüftung der Räume entsteht. Immer wieder geschehen Unfälle mit Kohlenmonoxid, das etwa aus defekten Öfen oder Gasheizungen austritt. Infolge des Gasaustritts kommt es zu einem Sauerstoffmangel.
Quelle: dpa

26.07.2011 | Berlin
Tragischer Unfall: Familie durch Gasvergiftung gestorben
Die Ursache für den Tod der sechsköpfigen Familie in Berlin-Köpenick ist klarer: Sie haben sich vermutlich unabsichtlich vergiftet. Wie jedoch das tödliche Gas in die Wohnung gelangte, wird noch ermittelt.
Es war kein Gewaltverbrechen, sondern vermutlich ein Unfall: Die sechsköpfige Familie in Berlin-Köpenick ist durch eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid gestorben. Das habe die Obduktion der Leichen ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Hinweise auf einen Mord oder Indizien für einen sogenannten erweiterten Suizid gebe es nicht.

Am Montag fanden Rettungskräfte in der Wohnung in Köpenick die Leichen der 27-jährigen Mutter, ihrer vier kleinen Kinder im Alter von eins, vier, fünf und sechs Jahren sowie des 40 Jahre alten Lebensgefährten der Frau.
Die Hintergründe der Familientragödie blieben nach wie vor mysteriös. Wodurch das Kohlenmonoxid in tödlicher Konzentration in die Wohnung gelangte, werde noch ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ein Entstörungstechniker des Gasversorgers Gasag hatte am Montag vor Ort kein Kohlenmonoxid in der Vierzimmerwohnung festgestellt. Kohlenmonoxid ist die häufigste Ursache für unabsichtliche Vergiftungen.

Ob an der Gastherme manipuliert wurde, wisse sie nicht, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. «Das ist Gegenstand unserer Ermittlungen.» Der genaue Todeszeitpunkt stehe auch noch nicht fest. Die Familie sei zuletzt am Freitag gesehen worden, sagte die Sprecherin. Insofern könnten die sechs Menschen schon ein oder zwei Tage tot in der Wohnung gelegen haben.
Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses, hochgiftiges Gas, das bei unvollständigen Verbrennungsprozessen und unzureichender Belüftung der Räume entsteht. Immer wieder geschehen Unfälle mit Kohlenmonoxid, das etwa aus defekten Öfen oder Gasheizungen austritt, oder wenn Leute drinnen grillen. Infolge des Gasaustritts kommt es zu einem Sauerstoffmangel.

Der Gasag-Techniker sei vom Landeskriminalamt gerufen worden, sagte der Sprecher der Gasag-Netzgesellschaft, Carsten Döhring, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Techniker habe am Montag bei seinen Messungen kein Kohlenmonoxid in der Wohnung und auch keine Manipulation an der Gastherme für die Heizung festgestellt. Wie es dann zu einer tödlichen Konzentration in den Räumen kommen konnte, wisse er nicht, sagte Döhring.
Bei einer vernünftigen Be- und entlüftung der Räume, die vorgeschrieben sei, komme es gar nicht zu einem Austritt von Kohlenmonoxid, sagte der Experte. Die heruntergezogenen Jalousien, die am Montag an dem Haus in der Puchanstraße vorgefunden worden waren, dürften allein kein Grund für eine zu geringe Belüftung der Zimmer sein.

Am Dienstag demontierte ein Techniker auf Wunsch der Polizei die Gastherme für die Heizung aus der Unglückswohnung, sagte der Sprecher. In der Hausdruckinstallation sei eine leichte Erdgas-Konzentration festgestellt worden, die aber nichts mit den Todesfällen zu tun habe.
Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke sprach von einem tragischen Verlauf. Dass in einer so großen Wohnung sechs Menschen durch Kohlenmonoxid ums Leben kämen und keiner etwas merken würde, sei sehr ungewöhnlich. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die zuerst in der Wohnung waren, hätten keine Vergiftungserscheinungen gehabt.
Quelle: dpa
26.07.2011 | Berlin
Hintergrund: Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb- und geruchloses Gas. Wird es eingeatmet, blockiert es die Aufnahme von Sauerstoff im Blut. So entsteht Sauerstoffmangel im Gewebe, was je nach Konzentration zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Ohrensausen, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung und Tod führt. Kohlenmonoxid entsteht bei der unvollständigen Verbrennung organischer Verbindungen, etwa in Motoren, Heiz- oder Industrieanlagen.




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