BERLIN
14.04.2009

13.04.2009 | Berlin (dpa)
Berliner Zoo will Sicherheit nicht erhöhen
Der Berliner Zoo will trotz des dramatischen Vorfalls von Karfreitag mit einer verletzten Frau im Eisbärengehege die Sicherheit dort nicht erhöhen. «Wir werden ganz sicher baulich nichts verändern», sagte Zoo-Biologe Heiner Klös am Ostersonntag in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es sei sicher gestellt, dass «keiner aus Versehen» in den Wassergraben fällt. Wer aber in das Gehege springen wolle, den könne man auch nicht durch einen höheren Zaun aufhalten, fügte er hinzu. Am Karfreitag war eine offenbar geistig verwirrte 32-jährige Berlinerin in die Anlage der Eisbären gesprungen und von einem der vier Tiere angegriffen und schwer verletzt worden.
Klös kritisierte zugleich das «völlig unverantwortliche Verhalten» mancher Besucher. Besonders ärgere es ihn, dass die Frau «meine Mitarbeiter und die Tiere in Gefahr sowie ein Unternehmen in Misskredit» gebracht habe, sagte er. Im Notfall hätten die Zoo-Mitarbeiter auch geschossen, um das Tier davon abzuhalten, die Frau noch schwerer zu verletzen. «Wir haben Waffen im Zoo, die hätten dann auch eingesetzt werden müssen», sagte Klös, der zu diesem Zeitpunkt als Chef vom Dienst die Verantwortung trug. «So etwas ist immer eine Bauchentscheidung, aber ich hätte nicht gezögert».

Der Biologe zeigte Verständnis für das Verhalten der Tiere. «Der Eisbär hat völlig richtig gehandelt. Er war neugierig, knabberte ein bisschen, tastete und schaute dann mal, was noch passiert», sagte Klös. Den Vorfall beobachteten rund 300 Besucher, auch viele Kinder.
Auch die Freunde des Hauptstadtzoos warnten vor überzogenen Sicherheitsforderungen in Zoo und Tierpark. «Wir brauchen keine Hochsicherheitsanlagen», erklärte Thomas Ziolko, Vorsitzender der Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin. «Der Zoo und der Tierpark bestechen gerade dadurch, dass die Besucher einen freien Blick auf die Tiere haben», sagte er.
Die Beweggründe der Mutter eines sieben-jährigen Mädchens waren auch am Ostermontag noch unklar. Medienberichten zufolge war der Sprung möglicherweise ein Hilferuf. Sie habe vor kurzem ihren Job verloren und auch eine Beziehung sei in die Brüche gegangen. Die in Berlin-Köpenick wohnende Frau wird derzeit im Virchow-Klinikum in Mitte behandelt. Der Zoo stellte zudem Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen sie.
Im Dezember 2008 hatte es einen ähnlichen Zwischenfall gegeben. Ein Mann aus Cottbus war in das Revier von Eisbär Knut gesprungen. Der Star des Berliner Zoos blieb aber friedlich und konnte rasch von den Pflegern mit einer Rinderkeule abgelenkt werden. Bereits damals wurden mehr Sicherheitsvorkehrungen wie ein höherer Zaun gefordert.
www.zoo-berlin.de




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