BERLIN

24.08.011 | Berlin
Polizist schießt auf Frau - 53-Jährige stirbt
Eine Frau zückt ein Messer und geht in ihrer Wohnung auf Polizisten los. Es fällt ein Schuss aus einer Dienstwaffe - die Frau bricht zusammen und stirbt.
Tödlicher Schuss aus einer Polizeiwaffe: Ein Polizist hat am Mittwoch auf eine 53-jährige Frau in ihrer Berliner Wohnung geschossen. Die Frau sei wenig später ihren Verletzungen erlegen, wie eine Polizeisprecherin berichtete. Vor dem tödlichen Schuss sei die Frau mit einem Messer auf Beamte losgegangen. Die Polizisten hatten Mitarbeiter des Bezirksamtes begleitet, um die Frau aufgrund eines Vorführungsbeschlusses des Amtsgerichts mitzunehmen.
Die Frau habe sich dagegen gewehrt und ein Messer gezogen. Um sich zu schützen, hätten die Polizisten Pfefferspray eingesetzt. Außerdem seien weitere Polizisten als Unterstützung und ein Rettungswagen alarmiert worden. Als die alarmierten Polizisten eintrafen, sei die 53-Jährige auch auf sie mit dem Messer losgegangen, sagte die Sprecherin. Einen der Beamten habe sie dabei leicht am Unterarm verletzt. Dann sei der Schuss aus der Dienstwaffe gefallen.

Rettungskräfte hätten vergeblich versucht, die Verletzte zu reanimieren, sagte die Polizeisprecherin. Die 53-Jährige sei noch in der Wohnung gestorben. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Das sei üblich in solchen Fällen, sagte die Sprecherin. Die beteiligten Beamten befänden sich in psychologischer Betreuung.
Richter erlassen einen Vorführungsbeschluss, wenn Beschuldigte oder auch Zeugen ohne Entschuldigung nicht zu einem Gerichtstermin erscheinen. Dann werden die Betroffenen von Ordnungshütern zwangsweise abgeholt. Ein Vorführungsbeschluss ist aber noch kein Haftbefehl.
Er kann auch erwirkt werden, wenn es beispielsweise darum geht, einen psychisch Gestörten oder Selbsttötungsgefährdeten vor einer möglichen Unterbringung in ein Krankenhaus von einem medizinischen Gutachter untersuchen zu lassen, der Patient sich aber weigert.
Worum es bei der 53 Jahre alten Frau ging, teilte die Polizei am Mittwoch nicht mit. Die Sprecherin sagte lediglich, dass «keinstrafrechtlicher Hintergrund» vorliege.
Quelle: dpa
24.08.2011 | Berlin
Hintergrund: Tödliche Schüsse von Polizisten - eine Auswahl
Es kommt immer wieder vor, dass Menschen von Polizisten erschossen werden. Meist geben die Beamten Notwehrsituationen oder ein Handgemenge als Grund für die gezielt oder versehentlich abgegebenen Schüsse an. Laut Innenministerkonferenz starben im Jahr 2009 sechs Menschen durch Schüsse aus Polizei-Dienstwaffen.
In der Regel erhalten die Schützen Bewährungsstrafen von unter einem Jahr wegen fahrlässiger Tötung. Nach dem Beamtengesetz müssen sie ihren Dienst quittieren, wenn sie wegen einer vorsätzlichen Tat zu mindestens einem Jahr verurteilt worden sind. Eine Auswahl:

22.10.1992: Nach einer wilden Verfolgungsjagd erschießt ein Polizist auf der Autobahn bei Böblingen (Baden-Württemberg) einen 19-jährigen Mann, der zuvor in der Stuttgarter Innenstadt Prostituierte angegriffen und vergewaltigt haben soll.
19.08.1993: Ein flüchtender 32 Jahre alter Straftäter, der bei Marienwerder (Brandenburg) nahe Berlin in den Oder-Havel-Kanal gesprungen war, wird durch die Schüsse eines Hauptkommissars und eines Polizeimeisters am Kopf getroffen und ertrinkt.
Oktober 1996: Bei verbotenen Zielübungen auf einer Polizeiwache in Karlsruhe erschießt ein 25 Jahre alter Polizist versehentlich seinen Vorgesetzten, einen 36 Jahre alten Polizeihauptmeister. Der Schütze hatte vergessen, seine Waffe zu entladen.

28.07.2002: Ein 30 Jahre alter Polizist stellt in Nordhausen (Thüringen) zwei Männer, die einen Zigarettenautomaten aufbrechen wollen. Einer wirft Pflastersteine. Als er sich bückt, um einen Stein aufzunehmen, trifft ihn die Polizeikugel, die eigentlich auf die Beine gezielt war, in den Rücken.
31.12.2008: Ein Berliner Polizeikommissar erschießt in Schönfließ nördlich der Hauptstadt einen gesuchten, aber unbewaffneten Autodieb, der verhaftet werden sollte. Dabei feuert er insgesamt acht Mal auf den gestohlenen Jaguar. Der Polizist wird im Juli 2010 zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
25.06.2009: Ein Berliner Polizist erschießt vor dem Beate-Uhse-Museum am Bahnhof Zoo einen Mann, der einem Kollegen eine Pistole an den Kopf hält. Die beiden Streifenpolizisten wollten den Mann überprüfen und stellten fest, dass er mit zwei Haftbefehlen gesucht wurde.
24.08.2011: Ein Polizist schießt in einer Wohnung im Märkischen Viertel in Berlin auf eine 54-jährige Frau und verletzt sie tödlich. Mitarbeiter des Bezirksamtes und Polizisten wollten die Frau abholen, gegen sie lag ein Vorführungsbeschluss vor.




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