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BERLIN

 

21.10.2011 | Berlin

Berliner Gedächtniskirche muss grundsaniert werden

Sie ist eine Oase der Stille im Trubel der Berliner City-West: Die Gedächtniskirche lockt jeden Tag hunderte Menschen. Aber dasGotteshaus ist in die Jahre gekommen, für die Sanierung fehlt Geld.

Der Beton ist verwittert, an den Fenstern regnet es hinein und das Licht dringt nur mühsam durch das blaue Glas: 50 Jahre nach ihrer Einweihung muss die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin bis auf den Grund saniert werden. Zwar gibt es für die Erneuerung des bekanntesten deutschen Antikriegs-Mahnmals bisher keinen Zeitplan und das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. «Wir haben auch nicht mehr beliebig Zeit», wie Pfarrer Martin Germer am Freitag bei einer Expertenanhörung sagte. In einem ersten Schritt sollen 2013 die Arbeiten an der maroden Plattform rund um das Ensemble beginnen.

Allein für die Instandsetzung der rund 2000 Quadratmeter großen Zugangsfläche zum Kirchenschiff und dem historischen Turm sind 1,5 Millionen Euro notwendig, wie Germer sagte. Er hoffe, dass es bald mit der Denkmalbehörde zu einem Konsens über die Gesamtrestaurierung des Berliner Wahrzeichens am Kurfürstendamm kommt.

Die am 17. Dezember 1961 eingeweihte Gedächtniskirche ist in die Jahre gekommen. Wind, Regen, Schnee und Abgase haben der Oberfläche zugesetzt. Zur Zeit wird die Turmruine für 4,2 Millionen Euro saniert. Die Ruine ist seit längerer Zeit voll eingerüstet, was besonders die zahlreichen Touristen auf Motivsuche mit ihren Kameras bedauern. Doch auch am achteckigen Kirchenschiff des Architekten Egon Eiermann (1904-1970) sind umfangreiche Arbeiten fällig. Die ursprüngliche Kirche wurde bei einem Luftangriff 1943 zerstört. Übrig blieb nur der Turm, der im Berliner Volksmund als «Hohler Zahn» bekannt ist.

Vor allem die Korrosionsschäden im Stahlbeton bereiten den Experten Sorgen. Spätestens in 10 Jahren müsse die Fassade erneuert werden, sagte der Architekt Gerhard Schlotter, der im Auftrag der Kirche den Renovierungsbedarf ermittelt und bereits federführend an der Sanierung der Turmruine beteiligt ist. Der Beton rund um die kleiner Kirchenfenster sei stumpf, das Licht von außen werde von der matten Oberfläche geschluckt.

Der Restaurierungsexperte Hubert Baumstark wünscht sich eine Sanierung in kleinen - und damit leichter finanzierbaren - Schritten. Die Erfahrungen mit anderen Nachkriegsbauten wie etwa der Liederhalle in Stuttgart hätten gezeigt, dass kontinuierliche Instandhaltung mit geringerem Aufwand möglich sei.

Trüb sind die Lichtverhältnisse in der Kirche und rund um das evangelische Gotteshaus. Wegen der amtlichen Vorgaben wird der historische Turm so stark angestrahlt, dass - anders als von Eiermann gewünscht - das Innenlicht seiner Bauten von außen kaum wahrnehmbar sei und damit die Kirche im Dunklen bleibe. Außerdem verschlingt die Beleuchtung große Summen. Allein die Außen-Bestrahlung entspricht dem jährlichen Strombedarf von 44 Haushalten.

In den kommenden Monaten soll die Lichtplanerin Ulrike Brandi (Hamburg) ein Konzept vorlegen. In dem Raum zwischen den Doppelwänden sollen LED-Leuchten ein gleichbleibendes Licht sichern und je nach Sonneneinstrahlung gesteuert werden. Die Turmruine soll nicht mehr großflächig beleuchtet werden.

Quelle: dpa


Gedächtniskirche: www.gedaechtniskirche-berlin.de

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