BERLIN

31.10.2011 | Berlin
Mehdorn und Wowereit - Alte Gegner zum Erfolg verdammt
Die dicksten Freunde werden sie wohl nicht mehr. Doch beim neuen Berliner Flughafen sind Landesregierungschef Wowereit und Air-Berlin-Lenker Mehdorn zum gemeinsamen Erfolg verdammt.
Sein erster öffentlicher Auftritt als Air-Berlin-Chef führte Hartmut Mehdorn am Montag gleich mit einem Intimfeind aus alten Tagen zusammen. Denn dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist er eigentlich herzlich abgeneigt.
Beide schenkten sich nichts, als Mehdorn noch Bahnchef war. Doch der neue Flughafen Berlin Brandenburg schweißt die beiden notgedrungen zusammen. Denn nur wenn Air Berlin in den nächsten Jahren erfolgreich ist, wird auch der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld wie gewünscht wachsen.

Schon jetzt beträgt der Marktanteil von Air Berlin auf den derzeitigen Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen rund ein Drittel. Rund acht Millionen von insgesamt 23 Millionen Passagieren steuert die Airline dieses Jahr bei. Die beiden Airports werden Mitte 2012 durch den neuen ersetzt - dann dürfte das Gewicht der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft dort noch wachsen.
Schließlich will Air Berlin ein richtiges Drehkreuz aufbauen, das bislang in Tegel nur ansatzweise erkennbar ist. «Das ist unser Home-Flughafen», sagte Mehdorn auf der staubigen Terminal-Baustelle. Erst Anfang September hatte er in schwieriger Zeit die Leitung des Unternehmens von Joachim Hunold übernommen.
Quartal für Quartal schrieb das Unternehmen zuletzt rote Zahlen. Mitte des Jahres war der Schuldenberg auf 616 Millionen Euro gewachsen, bei nur noch 308 Millionen Euro Eigenkapital. Eine Anleihe über 100 Millionen Euro konnte gerade erst nur mit einem Spitzenzins von 11,5 Prozent platziert werden.

Der Sommerflugplan 2012 am neuen Willy-Brandt-Flughafen sei schon der «erste große Schritt der Internationalisierung», sagte Mehdorn. Das Neue daran war jedoch bereits bekannt - etwa die Verbindung nach Los Angeles (ab Mai) und der tägliche Flug nach New York (bislang dreimal wöchentlich).
Wowereit deutete an, dass er sich noch ein bisschen mehr erwarte, gerade was die Direktverbindungen nach Amerika angehe. Chicago fehle zum Beispiel noch auf der Liste. Bislang hat Air Berlin sieben Fernziele im Flugplan, vier in Amerika und drei in Asien. Hoffnung auf mehr verbindet Mehdorn mit der Mitgliedschaft in der Luftfahrtallianz Oneworld im kommenden Frühjahr. Dem internationalen Bündnis gehören zwölf Mitglieder an, darunter American Airlines, Japan Airlines und Qantas.
Allein der Name sei schon «ein wahnsinniger Werbeträger für die Hauptstadtregion», sagte Wowereit, der Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats ist, über die Rolle von Air Berlin. «Ein großes Kompliment und Dankeschön» sprach er Hunold und Mehdorn
für ihr Engagement aus.

Selbstverständlich war das nicht, lag er doch mit dem Bahn-Vorstandschef Mehdorn über Kreuz. Heftig beschimpfte Wowereit Mehdorn, weil der 2005 mit dem Gedanken spielte, die Bahnzentrale von Berlin nach Hamburg zu verlegen. Krach gab es auch um den Flughafen Tempelhof, den Mehdorn gerne offen gehalten hätte, und um des Bahnchefs Lieblingsprojekt Börsengang, das Wowereit 2008 verhindern wollte - was dank der Finanzmarktkrise auch gelang. In der Datenaffäre der Deutschen Bahn forderte Wowereit offen den Rücktritt Mehdorns. Kurz darauf gab der sein Amt tatsächlich auf.
All das schien an diesem Montag vergessen. Nur in einem Punkt waren sich die beiden nicht ganz einig. Auf die Frage, wie sicher der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 sei, sagte Wowereit, das sei «in der Tat immer noch ein ambitioniertes Ziel». Mehdorn wischte alle Bedenken beiseite: «Der Countdown ist unter Kontrolle.»




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