BERLIN

08.11.2011 | Berlin
Berliner recht gesund - aber starkes soziales Gefälle
Berlins Bevölkerung wächst weiter und ist insgesamt ziemlich gesund - allerdings mit deutlichem Sozialgefälle. Das geht aus dem Gesundheitsbericht 2010/11 hervor, den Senatorin Katrin Lompscher (Linke) am Dienstag vorstellte. «In Bezirken mit ungünstigen sozialen Bedingungen gibt es auch die niedrigste Lebenserwartung», sagte Lompscher. Ende 2010 lebten in der Hauptstadt exakt 3 460 725 Menschen, rund 18 000 mehr als im Vorjahr. Zugleich gab es mit 33 393 Neugeborenen gegenüber 32 234 Verstorbenen erneut einen Geburtenüberschuss.
Die Lebenserwartung liegt derzeit für Berliner Frauen bei 82 Jahren, für Männer bei 77 Jahren. Besonders alt wird man in Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf, die niedrigste Lebenserwartung hat man in Friedrichshain-Kreuzberg. Mit der Lebenserwartung steigt auch die Zahl derer, die Pflege benötigen: Seit 1999 nahm der Bedarf bei Frauen um 20 Prozent, bei den Männern sogar um 39 Prozent zu.

Gegenwärtig sind in der Hauptstadt 69 000 der weiblichen (3,9 Prozent) und 32 300 der männlichen (1,9 Prozent) Bevölkerung pflegebedürftig. Gut die Hälfte davon bezieht Pflegestufe I, etwa ein Drittel Pflegestufe II und etwa elf Prozent sind schwerstpflegebedürftig (Stufe III). Die Mehrheit dieser schweren Fälle - knapp die Hälfte bei den Frauen, über zwei Drittel der Männer - wird zu Hause gepflegt. Sabine Hermann von der Gesundheitssenatsverwaltung führte aus: «2,2 Jahre beziehungsweise fast vier Jahre ihrer Gesamtlebenszeit müssen Männer und Frauen mit Pflegebedarf rechnen.»
Erstmals wurden auch Abrechnungsdaten der KV Berlin in den Gesundheitsbericht miteinbezogen - allerdings von 2007. Sie sollen einen Überblick über das Krankheitsspektrum der Berliner und genauere Versorgungsplanungen ermöglichen. Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Sehfehler sind demnach die meistgestellten Diagnosen.

Sowohl bei chronischen als auch bei akuten Erkrankungen gibt es räumliche Unterschiede. So werden etwa Typ-II-Diabetes, Empfängnisverhütung und Vorsorgeleistungen wie Impfungen besonders häufig im Osten Berlins abgerechnet, während Depressionen und Angststörungen eher in den westlichen Bezirken beobachtet werden.
Speziell bei Krankheiten, bei denen der Lebensstil von Ernährung und Bewegung bis zur mentalen Gesundheit eine Rolle spielt - also Diabetes, Adipositas, chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und auch Rückenschmerzen - ist auch das soziale Umfeld wichtig: Hieran erkranken nämlich überdurchschnittlich viele Berliner in Gebieten mit schlechter Sozialstruktur.
Quelle: dpa
Gesundheitsbericht: www.berlin.de/sen/statistik/gessoz/gesundheit/basis.html




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