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  • Ratzmann: Rücktritt!

BERLIN

 

15.11.2011 | Berlin

Berliner Grünen-Fraktionschef Ratzmann tritt zurück

Nach wochenlangem politischem Richtungsstreit in der Berliner Grünen-Fraktion ist der Fraktionsvorsitzende Volker Ratzmann am Dienstag zurückgetreten. «Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen», sagte der 51-Jährige am Dienstag nach einer Fraktionssitzung im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Lösung der Konflikte sei aber leichter, «wenn meine Position unbesetzt ist». Und: «Wir stecken in einer tiefen Krise, die wir nach dieser Wahl schnell und gründlich lösen müssen.»

Der linke Fraktionsflügel um den Kreuzberger Abgeordneten Dirk Behrendt hatte Ratzmann in den vergangenen Wochen mehrfach zum Rückzug aufgefordert und eine stärkere eigene Beteiligung in der Fraktionsspitze und mehr linke Politik verlangt.

Ratzmann und die zweite Fraktionsvorsitzende Ramona Pop waren nach der Abgeordnetenhauswahl erneut in ihre Ämter gewählt worden. Ratzmann benötigte Ende Oktober zwei Wahlgänge gegen Behrendt. Danach stritt die Fraktion weiterhin so stark, dass Mediatoren vermitteln mussten.

Nachfolger von Ratzmann dürfte nicht Behrendt werden, sondern ein Abgeordneter, der besser zwischen den zerstrittenen Lagern vermitteln kann. In Frage kommen wohl der frühere Landesvorsitzende Stefan Gelbhaar, der frühere Mitarbeiter von Claudia Roth und Renate Künast, Heiko Thomas, oder der Abgeordnete Thomas Birk.

Vor zwei Monaten erreichten die Grünen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 17,6 Prozent - viel weniger als erwartet. «Für diesen gefühltem Misserfolg fühle auch ich mich verantwortlich. Auch ich habe dort die Fehler mitgemacht, die wir gemacht haben», sagte Ratzmann nun. Bei einem kleinen Parteitag am Mittwochabend wollen die Berliner Grünen den Wahlkampf und das schlechte Ergebnis auswerten.

Quelle: dpa
15.11.2011 | Berlin

Volker Ratzmann: Grünen-Pragmatiker und Familienvater

Sein Herz schlägt für die Bürgerrechte und den Kampf gegen Rechtsextremismus. Gleichzeitig ist der Innenexperte und langjährige Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, Volker Ratzmann (51), auch Machtpolitiker. Das und eine gewisse Sturheit wurde seiner Karriere vorerst zum Verhängnis. Weil er den starken linken Flügel in der neuen Fraktion nicht in die Führung integrierte, brach ein offener Machtkampf aus, der jetzt auch Ratzmann sein Amt kostete.

Ratzmann stammt aus Helmstedt in Niedersachsen. 1981 kam er zum Jura-Studium nach Berlin und blieb. Gorleben und der Kampf gegen die Atomkraft prägten den Studenten und brachten ihn politisch zu den Grünen. Ende der 80er-Jahre teilte er eine Wohngemeinschaft mit dem heutigen Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf, der nach der deutschen Wiedervereinigung von den Grünen zur PDS wechselte. Die WG galt als wichtiger Debattierzirkel der linken Szene in Berlin.

In die Landespolitik holte ihn die damalige Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast, mit der Ratzmann und andere bis heute eine Anwaltskanzlei teilen. Seit 2001 sitzt Ratzmann im Berliner Abgeordnetenhaus, seit 2003 ist er einer von zwei Fraktionsvorsitzenden.

Der einst zum linken Flügel der Grünen zählende Jurist nennt seine Position heute «radikalpragmatisch». Weil neben Werten wie Gerechtigkeit und Bewahrung der Natur auch die Umsetzung in der Politik zähle.

Um dem rot-roten Senat etwas entgegenzusetzen, arbeitete Ratzmann im Berliner Landesparlament immer wieder auch mit CDU und FDP zusammen. Zeitungen sahen das «Jamaika-Bündnis» als mögliche Alternative zum Senat des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Für ihn zähle nur, sagte Ratzmann, mit wem er am meisten grüne Politik verwirklichen könne. Mit der Position machte er sich in dem traditionell linken Landesverband der Grünen nicht nur Freunde.

Trotzdem wurde Ratzmann 2008 als potenzieller Bundesvorsitzender seiner Partei gehandelt. Er verzichtete aber auf eine Kandidatur gegen Cem Özdemir. Zusammen mit seiner Freundin, einer Grünen-Bundestagsabgeordneten, erwartete Ratzmann ein Kind und betonte: «Ich will etwas von meinem Kind haben, mein Kind soll etwas von mir haben.» Inzwischen ist er zweifacher Vater.

Quelle: dpa

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