BERLIN

18.11.2011 | Berlin
Bahn: Mehr Züge - Aber Probleme mit Bremssand und Öl
Die Berliner S-Bahn kommt in ihrem Sanierungsprogramm wie dem Austausch von Rädern, Achsen und Fahrmotoren nach eigenen Angaben flott voran. Sie hat derzeit mit fast 480 Viertelzügen (zu je zwei Waggons) so viele Fahrzeuge zur Verfügung wie lange nicht mehr. Doch nun muss die Tochter der Deutschen Bahn wieder einmal Rückschläge verarbeiten: Unerwartet sind Probleme mit dem Bremssandanlagen aufgetaucht, wie S-Bahnchef Peter Buchner im Gespräch mit Journalisten erläuterte.
Einige Züge könnten deshalb nur maximal 60 Stundenkilometer fahren und nicht mehr mit Tempo 80, was zeitweise Fahrpläne durcheinanderbringe und auf der Ringbahn auch schon zu Staus geführt habe. Zudem erschwere ein hoher Krankenstand bei den Triebfahrzeugführern den Betrieb.
Dennoch äußerte sich Buchner optimistisch, das selbstgesteckte Ziel von am Jahresende 500 einsatzbereiten Viertelzügen aus jeweils zwei Wagen erreichen zu können. Im Laufe des kommenden Jahres soll dann wieder die Marke von 546 Viertelzügen im täglichen Betrieb plus etwa 30 in Reserve erreicht werden. Damit wäre die S-Bahn wieder auf den Stand vor ihrer Krise zurückgekehrt.

Ob die S-Bahn aber nach der Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld schon - wie mit den Ländern vereinbart - mit gut 575 Viertelzügen fahren kann, steht aus Sicht von Buchner noch in den Sternen. Die Anbindung des Flughafens an den S-Bahnverkehr sei aber keinesfalls in Gefahr.
Das Unternehmen verfügt zwar über einen Fuhrpark von 650 Viertelzügen, aber davon bedürfen Dutzende noch einer grundlegenden Sanierung oder sind wegen größerer Reparaturen oder notwendiger Routineuntersuchungen in der Werkstatt.
Die Sandbehälter an den S-Bahnbremsen werden seit einiger Zeit mit elektronischen Füllstands- und Funktionskontrollen sowie Heizungen ausgerüstet, damit sie auch bei strengem Frost Sand auf die Schienen streuen und dadurch die Bremswirkung verstärken können. Nun hat sich nach Schilderung Buchners herausgestellt, dass manche Kontrollsysteme grundlos Fehler melden und deshalb vom Hersteller überarbeitet werden
müssen.
Fatal ist dabei, dass die Züge im Fall einer Fehlermeldungautomatisch auf Tempo 60 abgebremst werden. Gleiches geschieht, wenn der Füllstand im Sandbehälter unter 30 Prozent fällt. Und das ist in letzter Zeit immer wieder der Fall - es wird mehr Sand verbraucht als erwartet.

Wie Buchner erläuterte, kann der Sand derzeit nur in einer Werkstatt aufgefüllt werden. Dies beschert der Bahn einen neuen Engpass, der nur durch mobile Einfüllstationen beseitigt werden könne, die erst noch eingerichtet werden müssten.
Zu schaffen macht der Bahntochter auch ein Mangel an Fahrern. Die Manager kalkulieren normalerweise mit einem Krankenstand von etwa fünf Prozent. Aber bei den Triebfahrzeugführern liegt er laut S-Bahn-Geschäftsführung derzeit bei acht bis neun Prozent. Gleichzeitig sei der Bedarf an Fahrern geradezu explodiert. Dies habe
auch mit Tarifänderungen zu tun, wonach mehr Unterbrechungen als bisher auf die zulässigen Fahrzeiten angerechnet würden. Auch seien
die zusätzlichen Überführungsfahrten in die Werkstätten sprunghaft angestiegen.
Buchner verwies darauf, dass der Fahrermangel nicht schnell zu beheben sei, weil die Ausbildung vier Monate dauere und dafür im Verhältnis von 1:1 Lehrer aus dem Fahrdienst abgestellt werden müssten. Er rechne erst im Frühjahr 2012 mit einer Entspannung.
Den S-Bahnmanagern hat sich noch eine weitere unerwartete «Baustelle» eröffnet. Seit Monaten werden die Züge mit neuen Radsätzen ausgestattet. Allein bei der wichtigsten Baureihe 481 werden neue 4000 Achsen sowie 8000 neue Radscheiben eingebaut. Der größte Teil der Arbeit ist inzwischen geschafft. Doch nun müsse in den kommenden Monaten an 1800 Achsen das Öl gewechselt werden, erläuterte Buchner. Der Grund: Aus den Achsen trete aus ungeklärter Ursache Öl aus. Das Unternehmen kehrt laut Buchner jetzt zu einem schon früher verwendeten Öl einer anderen Firma zurück, mit dem es keine Probleme gegeben habe.
Quelle: dpa

17.11.2011 | Berlin
500 Millionen Euro für Berlin und Brandenburg
Die Deutsche Bahn will im kommenden Jahr wieder mehr als eine halbe Milliarde Euro in ihre Anlagen in Berlin und Brandenburg investieren. Für das Schienennetz in den beiden Ländern seien rund 453 Millionen Euro eingeplant, teilte der Konzernbeauftragte Ingulf Leuschel am Donnerstag mit. Für Bahnhöfe seien 81 Millionen Euro vorgesehen.
In Berlin liege der Schwerpunkt der Baumaßnahmen auf der Strecke Charlottenburg-Wannsee, in Brandenburg auf der Strecke Berlin-Rostock, wo Züge künftig Tempo 160 erreichen sollen. Noch in diesem oder im kommenden Jahr gehen zudem vier neue elektronische Stellwerke in Erkner, Müncheberg, Fauler See und Forst in Betrieb.
In diesem Jahr hat die Bahn nach eigenen Angaben 549 Millionen Euro in der Region investiert. Damit wurde die Schienenstrecke zwischen Cottbus und Königs Wusterhausen modernisiert. Nach Angaben von Leusch wird sich vom 11. Dezember an die Reisezeit im IC zwischen Berlin und Cottbus um 18 Minuten auf 68 Minuten verkürzen, weil auf der modernisierten Strecke weitgehend mit 160 Stundenkilometern gefahren werden darf.




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