BERLIN

22.11.2011 | Berlin
Prozessbeginn: Staatsanwaltschaft will Raubmord an Künstlerin nachweisen
Vor dem Berliner Landgericht hat am Dienstag der Prozess um den Mord an einer Künstlerin aus Frankreich begonnen. Der 29 Jahre alte Angeklagte soll die Frau im April in seiner Wohnung im Stadtteil Kreuzberg mit einem Schnitt durch die Kehle getötet haben. Anschließend soll er die Leiche in den Landwehrkanal geworfen haben. Möglicherweise wollte sich die Künstlerin bei ihm vor einem Auftritt Drogen besorgen. Der Angeklagte war eine Woche nach dem Fund der Wasserleiche in der Nähe des Tatorts festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Afrikaner aus Senegal Raubmord aus Habgier vor.
Im Gerichtssaal schwieg der Beschuldigte zu den Vorwürfen. Er wolle nichts sagen, erklärte der 29-jährige zu Prozessbeginn. Vor Verlesung der Anklageschrift lehnte er seinen Verteidiger ab, weil das Vertrauen zu dem Anwalt zerrüttet sei.
Die aus einem kleinen Ort im Baskenland stammende Künstlerin verblutete in der Taborstraße in Kreuzberg. In der Nacht zum 19. April hatte der Täter zehnmal zugestochen. Der Mörder raubte zwei Handys und ein Notebook. Die Polizei konnte die Telefone orten. Bei der Festnahme des Angeklagten am 26. April wurde ein Handy bei ihm gefunden.
Die Leiche war in der Nähe der Tatwohnung in den Landwehrkanal geworfen worden. Ein Anwohner der Taborstraße hatte nachts aus seinem Fenster einen Schwarzafrikaner beobachtet, der ein Paket hinter sich herschleifte. «Der Mann wirkte sehr nervös, vielleicht hat er befürchtet, dass jemand ihn erkennt», sagte der einzige Augenzeuge. Er selbst konnte den Angeklagten nicht identifizieren.
In früheren Vernehmungen hatte der Senegalese alle Schuld bestritten. Nach Angaben von Ankläger Reinhard Albers hatte der 29-Jährige beteuert, er sei unschuldig. «Aber es gibt DNA-Spuren ohne Ende», betonte der Staatsanwalt. In der Wohnung, in der sich damals nur der Angeklagte aufgehalten habe, wurden Blutspuren der Frau gesichert. Überall auf dem Verpackungsmaterial der Leiche hätten sich Spuren des Angeklagten gefunden, schilderte Albers die Beweislage.
Die Französin hatte eine kleine Wohnung im Stadtteil Friedrichshain bezogen. Sie galt als eher schüchtern, so Albers. Zuletzt wurde die Frau in einem Kreuzberger Club in der Nähe des Görlitzer Parks gesehen. Möglicherweise wollte sie im Park Drogen besorgen. Freunde hätten berichtet, dass die Künstlerin sich manchmal Kokain kaufte, um nachts arbeiten zu können, sagte der Ankläger. Andere Personen hätten ausgesagt, der Angeklagte sei bekannt als Drogenhändler.
Über den Angeklagten ist nach Angaben des Anklägers wenig bekannt. Der Mann habe sich illegal in Berlin aufgehalten und die Wohnung eines verreisten Bekannten nutzen dürfen. Der 29-Jährige sei in Italien verheiratet. Er habe ein Kind und lebe getrennt.




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