BERLIN

16.01.2012 | Berlin
Polizisten rechtfertigen Prügel gegen Radfahrer
Im September 2009 wurde ein Radfahrer bei einer Berliner Demonstration von zwei Polizisten geschlagen. Teile des Gesichts sind bis heute taub. Die Szene kam ins Internet und sorgte für Aufsehen. Jetzt sitzen die Polizisten auf der Anklagebank.
Zwei Polizisten haben am Montag vor einem Berliner Amtsgericht Faustschläge ins Gesicht eines Radfahrers am Rande der Demonstration «Freiheit gegen Angst» eingeräumt. Die Beamten im Alter von 26 und 42 Jahren bestritten aber den Vorwurf der vorsätzlichen Körperverletzung. Der 26-Jährige erklärte, er habe keine andere Möglichkeit gesehen, den Widerstand des Radfahrers zu brechen. Der Mitangeklagte sprach von einem versehentlichen Treffer im Gerangel. Der heute 40-jährige Biologe litt damals unter starken Schmerzen und musste im Mund genäht werden. Die Prügelszene vom September 2009 in Berlin-Mitte war im Internet zu sehen.

«Ich habe mir zur Durchsetzung der Festnahme nicht anders zu helfen gewusst», beteuerte der jüngere Beamte vor Gericht. Der Radfahrer habe gegen einen Platzverweis Widerstand geleistet. Der 46-jährige Polizist will den Mann im Gerangel versehentlich getroffen haben. Er habe versucht, seinen Kollegen vor dem Angriff von zwei anderen Demonstranten zu schützen. Die Angeklagten beriefen sich auf einen rechtmäßigen Polizeieinsatz und bedauerten die Eskalation.
Ein Video mit der Prügelszene am Rande der Demonstration «Freiheit gegen Angst - Stoppt den Überwachungswahn» nahe dem Potsdamer Platz in Berlin-Mitte war im Internet veröffentlicht worden. Die Szene hatte damals die Diskussion um eine namentliche Kennzeichnung von Polizisten weiter angefacht.

Auch der Radfahrer hatte sich nach eigener Darstellung nach der Dienstnummer eines Beamten erkundigen wollen, der jemanden geschlagen habe. Er habe jedoch keine Auskunft erhalten. Deshalb habe er sich die Rückennummer notiert und entfernen wollen. Kurz darauf habe aber jemand sein Rad festgehalten. Im nächsten Moment habe einer der Angeklagten an seinem T-Shirt gezerrt, von dem anderen habe er einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Er sei zu Boden gegangen und habe Angst gehabt. Der Biologe war eigenen Angaben nach benommen. An den nächsten Faustschlag habe er keine Erinnerung.
Der 40-Jährige litt eigenen Angaben nach unter Angstzuständen und Schlafstörungen. Bis heute spüre er eine Taubheit in Teilen des Gesichts und der Zähne. Ein gegen ihn gerichtetes Verfahren wegen Widerstandes wurde eingestellt.
Tausende Menschen hatten seinerzeit friedlich gegen Datenspeicherung und Überwachungswahn demonstriert. Mehrere hundert Polizisten waren im Einsatz gewesen. Gegen Ende der Veranstaltung kam es zu dem Zwischenfall mit dem Radfahrer. Die Polizei hatte einen Lautsprecherwagen kontrollieren wollen und Demonstranten Platzverweise erteilt.




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