BERLIN

26.01.2012 | Ludwigsfelde/Potsdam
Ex-Bürgermeister nach Mord in Ludwigsfelde festgenommen
In den letzten Tagen war aus den Ermittlern nichts herauszubekommen. Sie schwiegen. Aus ermittlungstechnischen Gründen, wie es hieß. Nun gibt es nach dem Mord in Ludwigsfeld offiziell einen Verdächtigen.
Der Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) ist nach dem Mord an seiner Ehefrau verhaftet worden. Gegen den 68-Jährigen wurde am Mittwoch Haftbefehl erlassen, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Ralf Roggenbuck, der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Ermittler gehen von einem heimtückischen Mord aus. Das Opfer sei wehrlos gewesen, weil es es nicht mit der Tat habe rechnen können. Der Haftbefehl war dem Verdächtigen am Nachmittag in Potsdam im Justizzentrum vom Haftrichter verkündet worden. Anschließend wurde er in die Haftanstalt Brandenburg/Havel überführt.
In Ludwigsfelde sorgte die Nachricht für Fassungslosigkeit. «Wir sind geschockt und fassungslos», sagte der stellvertretende Bürgermeister René Böttcher auch im Namen von Rathauschef Gerhard Frank (SPD). «Das kann man gar nicht in Worte fassen.»

Die Leiche der Ehefrau des früheren Bürgermeisters war am 30. Dezember in einem Wald bei Ludwigsfelde gefunden worden. Schnell war klar: Die 67-Jährige wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Die Frau war seit dem 29. Dezember vermisst gemeldet und zuletzt mit ihrem Auto und Hund unterwegs. Auch der Hund, ein hellbrauner Cocker Spaniel, wurde getötet. Darum wirft die Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen Täter nun auch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.
Schon das Verbrechen hatte große Erschütterung in dem rund 24 000 Einwohner zählenden Ort ausgelöst. Aus Angst vor weiteren Verbrechen mieden insbesondere Frauen Waldwege für Spaziergänge.
Unterdessen liefen die Ermittlungen auf Hochtouren - nur zu hören war nicht mehr viel. Weder zu Verletzungen noch zu möglichen Motiven wollten die Kriminalisten etwas sagen. In den vergangenen Tagen hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft dann vollends in Schweigen gehüllt. Aus ermittlungstechnischen Gründen, wie Staatsanwalt Roggenbuck betonte.
Als Kriminalbeamte am Mittwoch jedoch in Ludwigsfelde das Wohnhaus des Paares durchsuchten, sprach sich dies schnell rum. Die Einwohner waren geschockt. Dies galt umso mehr, als sie von der Verhaftung des Ex-Bürgermeisters erfuhren. Von 1990 bis 2008 hatte er das Amt bekleidet. «Wir sind einfach fassungslos», meinte der Vize-Bürgermeister Böttcher.
Die Justizbehörden teilten nicht mit, ob und wie sich der Tatverdächtige zu den Vorwürfen äußerte. Nach dpa-Informationen gibt es aber bislang kein Geständnis von dem 68-Jährigen.
Seine Frau hatte in Ludwigsfelde einen Kosmetiksalon betrieben. Zudem hatte sie sich in sozialen Projekten engagiert. Die Bestürzung über ihren Tod war groß in der Gemeinde: Viele trugen sich in Kondolenzbücher ein, vor der Wohnung des Paares wurden Blumen und Kerzen als Zeichen der Trauer niedergelegt.




Kommentare