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BERLIN

 

02.02.2012 | Berlin

Zweijährige starb nach Darmriss - Gewalt oder Unfall?

Starb wieder ein Kind in Berlin, weil es misshandelt wurde? Auch nach Klärung der Todesursache bleiben viele Fragen um den Tod einer Zweijährigen offen. Auch ein Unfall ist nicht ausgeschlossen.

Das Drama um den Tod des zweijährigen Mädchens aus Berlin-Weißensee ist auch nach Veröffentlichung des Obduktionsergebnisses noch nicht aufgeklärt. Die Kleine starb nach einem Darmriss an einer Bauchfellentzündung, gab die Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth, offiziell als Todesursache bekannt. Doch ob Tritte oder Schläge, ein Sturz oder ein Unfall den Riss im Darm verursachten, wussten die Ermittler auch am Donnerstag noch nicht. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) bezeichnete den Tod des Kleinkindes als «schockierend und tragisch» und forderte eine genaue Aufklärung. Die Deutsche Kinderhilfe forderte einheitliche Fachstandards für die Betreuung von Familien.

Es gebe Anzeichen für äußere Gewalt im Bauchbereich der Zweijährigen, sagte Herbeth. Welcher Art die seien, wollte die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Nach Medienberichten soll es sich um frische Blutergüsse handeln. Ein Unfall sei aber nach wie vor noch nicht ausgeschlossen, hieß es. Unzutreffend seien Berichte, das kleine Mädchen sei an eigenem Erbrochenen erstickt.

Inzwischen gilt auch der 24-jährige Lebensgefährte der 25 Jahre alten Mutter als Beschuldigter. Gegen ihn und die Mutter werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, sagte die Staatsanwältin. Eine vorsätzliche Tötung wird nach wie vor ausgeschlossen. Deshalb ist das Paar weiterhin auf freiem Fuß.

Keine Angaben machte die Staatsanwältin zu Medienberichten, wonach zwei andere Kinder der Mutter inzwischen ärztlich untersucht worden seien. Sie hätten Anzeichen für Misshandlungen in der Vergangenheit aufgewiesen. So wurde ein Armbruch erwähnt, der nach Einschätzung der Ärzte nicht von einem Sturz herrührte.

Das zuständige Jugendamt Pankow und Jugendstadträtin Christine Keil (Linke) versuchten am Donnerstag in Gesprächen mit dem beauftragten Sozialunternehmen zu klären, warum dem Familienhelfer der lebensbedrohliche Zustand des Mädchens nicht aufgefallen ist. Beide waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Mutter und ihre vier Kinder wurden seit Oktober 2011 zehn Stunden in der Woche von einem Familienhelfer betreut. Er war noch am Montag in der Familie - wenige Stunden, bevor das kleine Mädchen am frühen Dienstagmorgen starb.

Senatorin Scheeres forderte von den Bezirksbehörden eine genaue Analyse. «Insbesondere muss geklärt werden, wie und warum es trotz der vom Jugendamt eingeleiteten sozialpädagogischen Familienhilfe dazu gekommen ist», sagte Scheeres der Nachrichtenagentur dpa. Nur so könne überprüft werden, «ob es in unserem bereits sehr engen Berliner Netz des Kinderschutzes noch Lücken gibt, die wir schließen müssen, oder ob es andere Versäumnisse gab.»

Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte, dass es nicht einmal in Berlin einheitliche Standards für die Betreuung gefährdeter Familien gebe, geschweige denn bundesweit. «Es fehlen Vorgaben, dass Kinder in Risikofamilien regelmäßig in Augenschein genommen werden», erklärte die Kinderschutzorganisation. «Es fehlt das Bewusstsein, dass neben dem Auftrag, den Eltern bei der Erziehung zu helfen, auch mindestens gleichberechtigt der Schutzauftrag des Staates für die Kinder Kernaufgabe der Jugendhilfe ist.» Die Bundespolitik müsse dieses Thema aufgreifen.

Quelle: dpa

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