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BERLIN

 

60 Jahre Luftbrücke Gala Dinner für Veteranen
Fotos
14.05.2009

Gala Dinner für die Luftbrücken-Veteranen

 

Das Jubiläum "60 Jahre Luftbrücke" ging gestern Abend mit einem festlichen Gala-Diner für die Veteranen zu Ende.

 

Berlin-Reporter Toni Schmitt traf den "Candy-Bomber" Gail Halverson.

 

Die Überraschung des Abends:

Es gab auch ein Telefonat ins Weiße Haus nach Washington mit US-Vizepräsident  Joe Biden!

 

Hier links die Fotos anschauen.

60 Jahre Luftbrücke
Video Fotos
12.05.2009 | Berlin (dpa)

Der «Rosinenbomber» wirft noch einmal Rosinen ab

Auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof wurde am Dienstag noch einmal die Vergangenheit wach. Mit dröhnenden Motoren zog eine alte Douglas DC 3 im Tiefflug ihre Kreise. Die Luken der Maschine öffneten sich und wie vor 60 Jahren schwebten an kleinen Fallschirmen gut 1000 Pakete mit Schokoladenrosinen der wartenden Menge am Boden entgegen. Mit im Cockpit saß der US-Pilot Gail Halvorsen. Der 88 Jahre alte Veteran hatte den Steuerknüppel nicht mehr selbst in der Hand. Aber er wollte noch einmal in einem der alten «Rosinenbomber», die ihn einst berühmt machten, mit von der Partie sein. Zehntausende Besucher auf dem Flughafen verfolgten das Spektakel.

Es war ein Höhepunkt der Feierlichkeiten, mit denen Berlin der allierten Luftbrücke und des Endes der Blockade vor 60 Jahren gedachte. Die Sowjetunion hatte 1948/49 die Land- und Wasserwege zu den Westsektoren Berlins elf Monate lang abgeriegelt. Dies war im Kalten Krieg zwischen Ost und West Moskaus Antwort auf die Einführung der D-Mark in Westdeutschland und im Westteil der Vier-Mächte-Stadt Berlin gewesen. Briten und Amerikaner entschlossen sich daraufhin, die damals etwa 2,1 Millionen Einwohner im eingeschlossenen West-Berlin auf dem Luftweg zu versorgen. Auch Flugzeuge aus Neuseeland, Australien und Südafrika waren beteiligt.

 

Halvorsen gilt als der Pilot, der als erster auf die Idee kam, Berliner Kindern aus dem Fenster seiner Pilotenkanzel Kaugummi, Schokolade und andere Süßigkeiten («Candy Drops») zuzuwerfen. Das machte den «Candy Bomber» damals berühmt und viele seiner Kameraden folgten seinem Beispiel. So wurde nahezu in der gesamten westlichen Welt ein Foto zum Symbol der Luftbrücke, das einen «Rosinenbomber» im Landeanflug über winkenden Kindern zeigt. Diese 1948 entstandene Aufnahme des 2004 gestorbenen Fotografen Henry Ries wurde in den USA sogar zur Druckvorlage für eine Briefmarke.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigten vor mehr als 100 Luftbrücken-Veteranen und Vertretern der einstigen Schutzmächte die Lufttransporte als «wahrhaft historische Leistung». Die Berliner empfänden heute noch eine tiefe Dankbarkeit, betonte Wowereit. Rund um die Uhr wurden 462 Tage lang mit fast 280 000 Flügen etwa 2,3 Millionen Tonnen Hilfsgüter befördert. Alle 90 Sekunden startete und landete eine Maschine an den drei Berliner Enden der Luftbrücke: Tempelhof, einen buchstäblich schnell aus dem Boden gestampften Flugplatz in Tegel und am Militärflugplatz Gatow. Bei der Hilfsaktion verloren 78 Menschen ihr Leben.

Transportiert wurde praktisch alles, was Menschen zum Leben brauchen, ob Kohle oder Benzin oder Lebensmittel. Sogar die Anlagen für den Bau eines Kraftwerkes schafften die alliierten Piloten heran. Am 12. Mai vor 60 Jahren gaben die Sowjets auf und brachen die Blockade ab. Die Versorgung aus der Luft ging aber noch bis zum 27. August 1949 weiter.

Zur Würdigung ihrer Verdienste erhielten jetzt 77 hoch betagte Veteranen der alliierten Luftstreitkräfte in der früheren Abfertigungshalle des Flughafens Gedenkmünzen und Blumen. «Es macht uns stolz, dass wir einen so wichtigen Beitrag für die Freiheit Berlins leisten konnten», sagte der pensionierte britische Air Marshal Sir John Curtiss stellvertretend für die Geehrten. Er war als junger Mann bei der Luftbrücke im Einsatz, 1982 war er einer der britischen Befehlshaber im Falklandkrieg.

Beim Luftbrückenfest stand der älteste deutsche Verkehrsflughafen sieben Monate nach seiner Schließung erstmals wieder allen Berlinern offen. Der Senat hatte die Schließung gegen erhebliche Widerstände in der Hauptstadt durchgesetzt, um den an der südlichen Stadtgrenze neuentstehenden Großflughafen Berlin Brandenburg International nicht planungsrechtlich zu gefährden. Was aus dem riesigen Tempelhofer Areal wird, steht noch weitgehend in den Sternen.


Die Berliner Luftbrücke in Zahlen und Fakten:

- Die Luftbrücke zur vollständigen Versorgung West-Berlins aus derLuft begann am 26. Juni 1948 und endete am 27. August 1949 (Quelle:Deutscher Bundestag).

- Am 12. Mai brachen die Sowjets die Blockade ab. Die Luftversorgungwurde erst im August eingestellt.

- Die Luftbrücke war die Antwort der West-Alliierten auf die sowjetische Blockade Berlins. Am 24. Juni 1948 kappten die Sowjets alle Straßen-, Eisenbahn- und Wasserverbindungen zu den drei Westsektoren der Stadt. Sie reagierten damit auf die westdeutsche Währungsreform, die gegen den Willen der Sowjets auch auf West-Berlin übertragen wurde.

- Zur Versorgung der 2,1 Millionen Berliner im Westteil der Stadt flogen 300 Flugzeuge rund um die Uhr. Alle 90 Sekunden startete und landete eine Maschine in der Stadt.

- Auf rund 277 000 Flügen wurden 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel,l Kohle und Treibstoff transportiert.

- Die Luftbrücke forderte auch Opfer: 78 Menschen - 31 Amerikaner, 39 Engländer und 8 Deutsche - starben.


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