BERLIN
11.06.2009

11.06.2009 | Berlin (dpa)
Weiter Kritik an Berliner Schulreform
Nach dem rot-roten Gerangel um die Schulreform hat der SPD-Linke-Senat am Donnerstag Kritik und Spott der Opposition im Abgeordnetenhaus geerntet. «Der rot-rote Kompromiss ist der worst case (schlimmste Fall) für diese Stadt», sagte der Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu im Abgeordnetenhaus. «Überfordert, zerstritten, konzeptlos», war das Urteil seines CDU-Kollegen Sascha
Steuer über den Senat. Die rot-roten Regierungsfraktionen hatten sich darauf geeinigt, 30 Prozent der Plätze zu verlosen, wenn es bei weiterführenden Schulen mehr Anmeldungen als Plätze gibt. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) war zuvor mit der Linken schon über eine Quote von 50 Prozent einig gewesen. Die SPD-Fraktion wollte ursprünglich nur eine Quote von 25 Prozent.

Das Losverfahren ist Teil der großen Schulreform vom Schuljahr 2010/2011 an. Neue Kritik gab es am Donnerstag am geplanten Probejahr auf dem Gymnasium. Zöllner verteidigte die umstrittene Reform or den Abgeordneten. «Es gibt keine einfache Lösung, und der Senator hat nie so getan, als gäbe es eine einfache Lösung.» Das Probejahr sei notwendig. Wer in der siebten Klasse auf dem Gymnasium nicht
erfolgreich ist, wechselt nach der geplanten Regelung anschließend in die achte Klasse der Sekundarschule. «Das ist nicht nur vernünftig, sondern notwendig», sagte Zöllner. Nur so sei sicher, dass Eltern schwache Kinder nicht leichtfertig aufs Gymnasium schickten, wo die Schüler dann scheiterten, was den Kindern nicht gut tue.
Der bildungspolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Steffen Zillich, distanzierte sich dagegen vom Probejahr. «Das ist eine Kröte, die wir schlucken mussten», sagte er mit Blick auf die Verhandlungen der Koalition über die Reform. Die angestrebte Gleichwertigkeit der künftig zwei Schultypen - Gymnasium und Sekundarschule - fördere das Probejahr aber nicht.
Für die CDU warf Sascha Steuer dem Senat vor, die Gymnasien kaputt zu machen. Dort werde es größere Klassen geben, weniger Lehrer, weniger Geldzuweisungen aus den Konjunkturpaketen und wegen des Losverfahrens bald auch ungeeignete Schüler. «Wir sind nicht im Casino», kritisierte Grünen-Politiker Mutlu die Quote und sprach von einer «pseudo-gerechten Lotterie». Die FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben nannte es «Schüler-Lotto».
Bisher gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung für 45 Prozent der 96 Berliner Gymnasien und für 50 Prozent der 47 Gesamtschulen mehr Bewerber als Plätze. Derzeit besuchen 79 000 Schüler Gymnasien, zudem gibt es 40 000 Gesamtschüler, 21 000 Real- und 12 000 Hauptschüler.




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