BERLIN
16.06.2009

15.06.2009 | Berlin (dpa)
Bildungsstreikwoche startete auch in Berlin
Am Auftakt der bundesweiten Aktionswoche gegen schlechte Lernbedingungen an Unis und Schulen haben sich auch Studenten in Berlin beteiligt. Sie besetzten am Montag nach eigenen Angaben einzelne Institute der Freien Universität (FU) Berlin und eine Etage eines Seminargebäudes der Humboldt-Universität. Die Studenten fordern Änderungen am System der Bachelor- und Master-Abschlüsse sowie die Abschaffung von Studiengebühren. Die Schüler verlangen die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Zu den Protesten in mehr als 80 Städten hat das Bündnis «Bildungsstreik 2009» aufgerufen. Am Mittwoch soll es Demonstrationen in zahlreichen Städten geben, darunter Berlin.

Der Präsident der FU, Prof. Dieter Lenzen, äußerte Verständnis für die Protestaktionen der Studenten und gab ihnen für Mittwoch «streikfrei». In einem Rundbrief bat Lenzen die Professoren seiner Hochschule um Nachsicht, wenn Studierende wegen der angekündigten zentralen Kundgebung nicht an Lehrveranstaltungen teilnehmen. Daraus sollte den Studierenden «kein Nachteil erwachsen». Die Zukunft einer ganzen Generation und mit ihr diejenige unserer Gesellschaft stehe auf dem Spiel.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin wertete die Bildungsstreikwoche als eine «Ohrfeige für die Bildungspolitiker aller Parteien». Sie redeten immer von der Wichtigkeit von Bildungsinvestitionen, versteckten sich aber in der Praxis hinter angeblichen finanzpolitischen Sachzwängen, erklärte die Berliner GEW-Vorsitzende Rose-Marie Seggelke. Die rot-rote Regierung in Berlin sei «um keinen Deut besser».
Der Deutsche Philologenverband, in dem sich Gymnasiallehrer organisiert haben, kritisierte die Streiks dagegen als «linksgesteuerten Aktionismus ohne Nachhaltigkeit». Berechtigte Forderungen wie eine ausreichende öffentliche Finanzierung der Bildungssysteme ohne Einfluss der Wirtschaft würden durch einseitige ideologische Forderungen wie der nach einer Einheitsschule «konterkariert». Schüler sollten in den Schulen über die Ziele des Bildungsstreiks diskutieren, statt an der Kundgebung teilzunehmen.
Die Bildungsexpertin der FDP-Fraktion, Mieke Senftleben, forderte Schüler und Studenten auf, sich genau anzuschauen, wer zum Streik auffordere. Darunter seien «höchst fragwürdige» Gruppierungen. «Lasst Euch nicht von Spinnern für rückwärtsgewandte Ideologien instrumentalisieren!», riet die Liberale.
www.bildungsstreik2009.de




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