BERLIN
18.06.2009

18.06.2009 | Berlin (dpa)
Zwei mutmaßliche Auto-Brandstifter gefasst
Die Berliner Polizei hat erneut mutmaßliche Auto-Brandstifter gefasst. Die beiden jungen Männer aus der linksradikalen Szene im Alter von 22 und 24 Jahren sollten am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Zwei weitere junge Männer, die die Polizei ebenfalls nach einem Autobrand am Mittwochabend in Friedrichshain festnahm, wurden inzwischen wegen mangelnden Tatverdachts wieder entlassen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Unterdessen verhinderte die
Polizei nach eigenen Angaben am Mittwochabend die Besetzung eines leerstehenden Hauses in Friedrichshain.
Anwohner hatten die Polizei alarmiert, als sie gegen 22.15 Uhr einen brennenden VW-Passat in der Pettenkoferstraße bemerkten. Die Polizisten löschten das Feuer und suchten die Umgebung ab. Dabei fielen ihnen die vier jungen Männer auf. An der Festnahme waren auch Zivilfahnder beteiligt, die gezielt in Friedrichshain unterwegs waren.

Die zwei Verdächtigen gehören nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft zur linksextremen Szene und sind der Polizei im Zusammenhang mit kleineren Delikten bereits aufgefallen. Ihre Wohnungen wurden durchsucht. Die Polizei fand auch Spuren, offenbar an ihrer Kleidung. Genaueres wollten die Sicherheitsbehörden nicht mitteilen. Es hieß nur, die mutmaßlichen Täter seien in «unmittelbarer zeitlicher und örtlicher Nähe» zu dem Brandanschlag festgenommen worden.
Insgesamt nahm die Polizei seit Ende Mai sechs mutmaßliche Brandstifter fest. Drei von ihnen sitzen derzeit in Untersuchungshaft: eine 21-jährige Berlinerin seit dem 22. Mai, ein 33-jähriger Pole seit Ende Mai und ein 24-jähriger Holländer seit vergangenem Freitag. Gegen seinen Komplizen, einen 18-jährigen Ukrainer aus München, wurde auch Haftbefehl erlassen, er musste aber nicht ins Gefängnis.
Seit Jahresbeginn gab es inzwischen rund 80 Brandanschläge. Dabei wurden mehr als 170 Autos durch Flammen beschädigt. Auch in der Nacht zu Donnerstag brannten weitere Autos: ein VW-Touran in der Bänschstraße ebenfalls in Friedrichshain und gegen 1.00 Uhr ein BMW und ein VW-Caddy in Alt-Buckow in Neukölln. In der Nacht zum Mittwoch waren zehn Transporter eines Cateringunternehmens in Lichtenberg in Brand gesteckt worden. Am Dienstagmorgen brannten zwei Autos der Posttochter DHL in Wedding.
Eine erneute Hausbesetzung scheiterte an der Polizei. Dabei gab es in der Voigtstraße in Friedrichshain eine Festnahme und einzelne Flaschenwürfe auf Polizisten. An einer spontanen Kundgebung nahmen rund 150 Menschen teil. Am vergangenen Freitag wurden 17 Menschen festgenommen, als ein besetztes Haus am Michaelkirchplatz in Mitte geräumt wurde.

14.06.2009 | Berlin (dpa)
Hausbesetzung, Farbattacken und brennende Autos
Die linke Szene macht in Berlin weiter mobil. Im Stadtteil Mitte wurde am Wochenende für rund zwei Stunden ein leerstehendes Haus besetzt. Ein Firmensitz auf dem «Medispree»-Gelände wurde ebenso das Opfer einer Farbattacke wie das Amtsgericht Lichtenberg, und auch die Serie von Brandanschlägen auf Autos setzte sich weiter fort. Hintergrund für die Häufung könnten die linksautonomen «Aktionstage» sein, bei denen offen zu gewalttätigen Protestaktionen aufgerufen wurde.
Am Michaelkirchplatz an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg drangen am frühen Freitagabend mehrere Personen in ein Haus ein, das im vergangenen Jahr schon einmal für einige Stunden besetzt worden war. Vor dem Gebäude versammelten sich nach Polizeiangaben zudem rund 140 Anhänger der linken Szene. Zwischen Polizei und Demonstranten kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen zwei Polizisten leicht verletzt wurden. Gegen 20.00 Uhr räumten die Beamten das besetzte Haus. Wegen Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung wurden insgesamt 17 Personen festgenommen, die aber schon am Samstag alle wieder auf freiem Fuß waren.
In der darauffolgenden Nacht wurde auf dem umstrittenen «Mediaspree»-Areal in Friedrichshain ein Gebäude mit Steinen und Flaschen attackiert. Am Sitz einer Fernsehproduktionsfirma in der Stralauer Allee wurden mehrere Fensterscheiben beschädigt. Zudem flogen mehrere mit Farbe gefüllte Flaschen gegen das Haus. Schon in der Nacht zum Samstag war das Amtsgericht am Lichtenberger Roedeliusplatz mit sogenannten Farbeiern beworfen worden.

Das Projekt «Mediaspree» im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist vor allem in der linken Szene heftig umstritten. Bei einem Bürgerentscheid hatte sich im vergangenen Jahr eine große Mehrheit gegen die geplante Bebauung des Spreeufers ausgesprochen.
Ebenfalls in Friedrichshain ging in der Nacht zum Samstag eine Mercedes-C-Klasse in Flammen auf. Das Feuer griff auch auf ein weiteres Auto über, das ebenfalls in der Straße Alt-Stralau abgestellt war. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt, Verletzte gab es nicht. Die Serie von Brandanschlägen auf Autos setzte sich damit die dritten Nacht in Folge fort. Schon in der Nacht zuvor brannten mehrere Autos in Friedrichshain und Kreuzberg, in der Nacht zum Donnerstag wurden in Tempelhof sieben Transporter der Post-Logistiktochter DHL angezündet.
In der Nacht zum Sonntag zündeten Unbekannte zudem einen VW Golf in Berlin-Marzahn an. Da sich die Attacken in der Vergangenheit allerdings vorwiegend auf höherklassige Fahrzeuge in der Innenstadt beschränkten, scheint fraglich, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zu der anhaltenden Anschlagsserie gibt.
Seit Jahresbeginn wurden in Berlin mehr als 100 Fahrzeuge angesteckt. Dass jetzt auch noch eine Hausbesetzung und mehrere Farbschläge hinzukamen, hängt möglicherweise mit den sogenannten Aktionstagen der linken Szene zusammen. Unter dem Motto «Wir bleiben alle» wird seit Tagen gegen Luxusmodernisierungen und die Räumung alternativer Wohnprojekte mobil gemacht.
Höhepunkt der Proteste soll am 20. Juni eine Massenbesetzung des stillgelegten Flughafens Tempelhof sein. Zur Vorbereitung hatten linke Gruppen für Sonntagmittag zu einem «Aktionstraining» in Kreuzberg aufgerufen.




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