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BERLIN

 

30.06.2009

30.06.2009 | Berlin (dpa)

Eisenbahn-Bundesamt zieht S-Bahnen aus dem Verkehr

Kurzfristig angeordnete technische Prüfungen an Zügen des Typs 481 haben am Dienstag und auch am Mittwoch erneut zu massiven Ausfällen und langen Wartezeiten im Berliner S-Bahn-Verkehr geführt. Die noch fahrenden und teilweise verkürzten Züge waren oftmals so voll, dass Fahrgäste auf den Bahnsteigen zurückbleiben mussten. Am Vorabend hatte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn bei der Berliner S-Bahn eingegriffen und per Anordnung alle Züge aus dem Verkehr gezogen, an denen erforderliche technische Prüfungen nicht ordnungsgemäß vorgenommen worden waren. Die Züge vom Typ 481 sind die modernsten und jüngsten der Fahrzeugflotte der S-Bahn. Davon sind normalerweise rund 500 im Einsatz.

Hintergrund ist ein Unfall in Berlin-Kaulsdorf. Am 1. Mai war hier ein S-Bahnzug nach dem Bruch einer Radscheibe entgleist. Nach Darstellung des Eisenbahn-Bundesamtes hatte sich die S-Bahn Mitte Mai 2009 verpflichtet, die Räder der betroffenen Züge aus der Baureihe 481 alle sieben Tage zu überprüfen. Am vergangenen Montag stellten EBA-Beamte jedoch fest, dass Zusicherungen der S-Bahn «nur unzureichend eingehalten wurden». In den Werkstätten gibt es derzeit Engpässe. Die Bahn hatte in der Vergangenheit Anlagen stillgelegt.

Nach Angaben der S-Bahn fielen die Linien S 45 und S 85 den ganzen Tag lang komplett aus. Auf weiteren zehn Linien gab es einen 20-Minuten-Takt. Nur auf dem Ring versuchte die S-Bahn, den normalen Fahrplan mit Fünf- beziehungsweise Zehn-Minuten-Takt zu halten. Viele Züge waren mit weniger Waggons unterwegs als an normalen Tagen.

Anders als der Fahrgastverband IGEB wollte die S-Bahn nicht von einem Chaos sprechen. Allerdings seien die Züge sehr voll, sagte ein Bahnsprecher. Fahrgäste berichteten hingegen, dass auf bestimmten Linien wie etwa der S 1 Oranienburg-Wannsee die Züge so voll waren, dass Fahrgäste nicht mitgenommen werden konnten. Zahlreiche Fahrgäste stiegen in Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) um.

Auf die S-Bahn Berlin GmbH, eine Tochter der deutschen Bahn, hagelte es am Dienstag Kritik von allen Seiten. Ihre Fahrgäste sind seit langem Zugausfällen, Verspätungen, verkürzten und übervollen Zügen ausgesetzt. Bahnkritiker sehen das Kernproblem in einem rigorosen Sparkurs der Bahntochter, was das Unternehmen bestreitet. Zur Strafe für Zugausfälle und Unpünktlichkeit hatte der Senat die Berliner Gelder für die S-Bahn in diesem Jahr bereits um fünf Millionen Euro gekürzt. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) drohte erst vor gut zwei Wochen damit, den bis 2017 befristeten Verkehrsvertrag nicht zu verlängern.

Das Eisenbahn-Bundesamt ging jetzt in einem in der Geschichte der Behörde beispiellosen Vorgang mit der S-Bahn ins Gericht. Es wies die Bahntochter am Dienstag öffentlich auf ihre gesetzliche Pflicht hin, die Betriebssicherheit jederzeit zu garantieren.

Das Bundesamt fühlte sich augenscheinlich hinters Licht geführt. So hatte die S-Bahn dem EBA in der Vergangenheit mitgeteilt, dass alle Räder an S-Bahn-Zügen spätestens nach 1,2 Millionen Kilometern ausgetauscht würden. Das Amt fand nun aber heraus, dass auch Fahrzeuge mit einer längeren Radlaufleistung noch im Einsatz sind.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte sich die S-Bahn laut EBA zu einem weiteren Sicherheitspaket verpflichtet. Danach sollten Fahrzeuge der Baureihe 481/482 mit Rädern, die mehr als 1,2 Millionen Kilometer hinter sich haben, aus dem Betrieb genommen und erst nach Auswechslung der Räder wieder eingesetzt werden. Am Montag griff die Behörde dann durch. «Es liegt jetzt in der Hand der S-Bahn Berlin, schnellstmöglich für die Sicherheit zu sorgen», hieß es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung des Bundesamtes.

 

Weitere Informationen der Berliner S-Bahn... »

 


30.06.2009 | Berlin (dpa/bb)

Hintergrund: Eisenbahnbundesamt rügt Berliner S-Bahn

In einem in der Geschichte der Behörde beispiellosen Vorgang hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die Berliner S-Bahn gerügt. Das Bonner Amt wies die Tochter der Deutschen Bahn am Dienstag (30.06.2009) auf ihre gesetzliche Pflicht hin, die Sicherheit des Betriebes jederzeit zu garantieren. Am Vorabend hatte die Behörde alle S-Bahnzüge aus dem Verkehr ziehen lassen, an denen erforderliche
technische Prüfungen nicht ordnungsgemäß vorgenommen worden waren. Im S-Bahnverkehr der Hauptstadt kam es daraufhin am Dienstag zu massiven Beeinträchtigungen. Die wenigen und teilweise auch noch verkürzten Züge waren nicht selten so voll, dass Fahrgäste auf den Bahnsteigen zurückbleiben mussten.

Hintergrund der Anordnungen der Bahnaufsicht ist ein Unfall in Berlin-Kaulsdorf. Am 1. Mai war hier ein S-Bahnzug nach einem Radscheibenbruch entgleist. Die S-Bahn hatte sich daraufhin zu Kontrollen verpflichtet, die das EBA nur unzureichend eingehalten sieht, wie ein Sprecher der Bundesbehörde erläuterte.

Fahrgäste der Berliner S-Bahn sind seit langem wiederkehrenden Störungen ausgesetzt. Bahnkritiker sehen die Ursache in einem rigorosen Sparkurs der Bahntochter. Werkstätten wurden geschlossen,
Werkstattpersonal reduziert, Fahrzeugreserven abgebaut. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wies am Dienstag darauf hin, dass die S-Bahn im vergangenen Jahr einen Gewinn von mehr als 56 Millionen Euro eingefahren habe. Dieser Gewinn sei aber nicht im Unternehmen verblieben, sondern an den Mutterkonzern Deutsche Bahn AG abgeführt worden.

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