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BERLIN

 

01.07.2009

S-Bahn Kundentelefon 030 - 29 74 33 33  |  Aktuelle Betriebssituation... »

 

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02.09.2009 | Berlin (dpa)

Geschäftsführer der Berliner S-Bahn müssen gehen

Die Berliner S-Bahn zieht radikale Konsequenzen aus dem Chaos der vergangenen Tage. Die komplette Unternehmensleitung wurde am Donnerstag ausgewechselt. Alle vier Geschäftsführer, an der Spitze Tobias Heinemann, verlieren ihre Posten. Das beschloss der Aufsichtsrat der S-Bahn-Berlin GmbH in einer Sondersitzung. Zum neuen S-Bahn-Chef wurde Peter Buchner berufen, bisher Bereichsleiter Nordost der Bahntochter DB Regio. Die abberufenen Geschäftsführer bleiben aber im Bahnkonzern und sollen neue Aufgaben erhalten.

Seit Montagabend gibt es bei der S-Bahn zahlreiche Ausfälle, verkürzte Züge und Verspätungen, nachdem das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) 380 Wagen aus dem Verkehr gezogen hat. Am 1. Mai war in Berlin-Kaulsdorf ein S-Bahn-Zug der modernsten Baureihe 481 des Herstellers Bombardier Transportation nach dem Bruch eines Rades entgleist.

Die S-Bahn hatte sich deshalb gegenüber dem EBA verpflichtet, die Räder dieser Wagen wöchentlich zu kontrollieren, dies aber in vielen Fällen nicht getan. Warum das so war, ist noch ungeklärt. Das EBA als Aufsichtsbehörde sah sich zum Handeln gezwungen.

In Zusammenarbeit mit dem EBA und der Konzernrevision sollen die Probleme nun gründlich untersucht werden, wie das bei der Deutschen Bahn für den Personenverkehr zuständige Vorstandsmitglied Ulrich Homburg am Donnerstag sagte. Die S-Bahn ist eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Bahn.

Von Bombardier forderte Homburg «endlich eine nachhaltige Lösung» für die Probleme mit den Rädern und Achsen. Der Fahrzeugpark der S-Bahn besteht zum größten Teil aus Wagen der Baureihe 481. Homburg bestritt, dass die Pannen etwas mit dem Sparkurs der vergangenen Jahre zu tun haben. Die Bahn erwäge einen Ausgleich für die Unannehmlichkeiten, die den Kunden entstanden sind, sagte er. Details zu diesen Überlegungen nannte Homburg nicht. Die Berliner Grünen forderten die S-Bahn auf, ihre Fahrgäste zu entschädigen und Besitzern von Zeitkarten 15 Prozent des Preises zu erstatten.

Hunderttausende Fahrgäste mussten am Donnerstag erneut längere Wartezeiten und überfüllte Züge in Kauf nehmen. Die S-Bahn bot den dritten Tag in Folge nur ein eingeschränktes Verkehrsangebot. Planmäßig fuhren nach Angaben der S-Bahn lediglich die Linien S41/42 auf dem Ring, S46, S7, S8 und S9. Die Linien S45 und S85 fielen aus. Auf den übrigen Strecken gab es wieder nur einen Zwanzig-Minuten-Takt.

Außer Heinemann mussten auch die Geschäftsführer Peter Büsing (Produktion), Thomas Prechtl (Finanzen) und Olaf Hagenauer (Personal) gehen. Sie werden ersetzt durch Buchner und die Bahnmanager Maik Dreser (Produktion), Christian Kayser (Finanzen) und Christoph Wachendorf (Personal).

Die Gewerkschaft Transnet erwartet möglichst schnell Aufklärung darüber, wer für die Pannen verantwortlich ist. Es reiche nicht, die Spitze auszuwechseln. Ähnlich äußerte sich der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Geschäftsführer Hans-Werner Franz sagte, damit die Leistung wieder stimme, müsse die Qualität wieder in den Vordergrund rücken.

Franz forderte bei der S-Bahn die Rückkehr zu einer Philosophie, in der Kunden im Mittelpunkt stehen. Pünktlichkeit, Sicherheit und Sauberkeit müssten wieder die maßgeblichen Kriterien sein. Der VBB-Geschäftsführer sieht hier auch den Mutterkonzern Deutsche Bahn in der Verantwortung. Die S-Bahn habe im vergangenen Jahr überdurchschnittlich hohe Gewinne gemacht und 56 Millionen Euro an die Bahn abgeführt. Nun sei offenbar nicht genug Geld vorhanden, um die Berliner S-Bahn anständig zu betreiben.

 

Weitere Informationen der Berliner S-Bahn... »

Hintergrund: 1,3 Millionen Fahrgäste nutzen werktags die S-Bahn

 

Die rot-gelben Züge der Berliner S-Bahn gehören seit Jahrzehnten zu den Wahrzeichen der Hauptstadt. Für Hunderttausende sind sie Tag für Tag das wichtigste Verkehrsmittel. Durchschnittlich 1,3 Millionen Fahrgäste sind nach Bahnangaben werktags auf den 15 Linien unterwegs. Das Streckennetz ist 332 Kilometer lang und zählt 166 Bahnhöfe, darunter Stationen in Potsdam, Hennigsdorf, Oranienburg, Erkner, Königs Wusterhausen und anderen Städten im Berliner Umland.

Die 100-prozentige Tochter der Deutschen Bahn beschäftigt derzeit knapp 2900 Mitarbeiter, darunter 868 Triebfahrzeugführer (Stand: 31.12.2008). Der Fahrzeugpark besteht aus 632 Viertelzügen mit
jeweils zwei Waggons. Rund 500 dieser Viertelzüge gehören zur modernsten Baureihe 481 des Herstellers Bombardier, deren Räder nach einem Radscheibenbruch im Mai jetzt in kurzen Intervallen untersucht werden sollen. Diese Baureihe wurde seit Mitte der 1990er Jahre mit einem Investitionsaufwand von 1,2 Milliarden Euro angeschafft.

Berlin ist noch bis Ende 2017 mit einem Verkehrsvertrag an die S-Bahn Berlin GmbH gebunden. Der Vertrag sichert dem Unternehmen einen jährlichen Zuschuss von 225 Millionen Euro aus der Landeskasse. Allerdings kann das Land bei schlechter Leistungsqualität der S-Bahn, bei erheblichen Verspätungen etwa, maximal fünf Prozent der Vertragssumme einbehalten. Für ausgefallene Zugfahrten gibt es nach Angaben des Berliner Senats ohnehin kein Geld.


 

Ihre Meinung auf CD für die S-Bahn

 

Sie haben uns Ihre Meinung zum aktuellen S-Bahn-Chaos auf unseren Anrufbeantworter gesprochen.
Ihre Aussagen haben wir auf CD gebracht und der Berliner S-Bahn in den DB-Tower gebracht.
Die Fotos von Berlin-Reporter Toni Schmitt...

Toni Schmitt im DB Tower
Fotos

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