BERLIN
08.07.2009

08.07.2009 | Berlin (dpa)
S-Bahn noch lange gestört - Bahn setzt Regionalzüge ein
Die Störungen im Berliner S-Bahnverkehr werden nach Einschätzung des Betriebsrats noch monatelang dauern. Als erste Hilfsmaßnahme schickt die Bahn ab nächster Woche zusätzliche Regionalzüge auf die Hauptstrecke zwischen Potsdam und Ostbahnhof. Gleichfalls für die nächste Woche kündigte die Bahn Informationen darüber an, wie sie sich eine stufenweise Rückkehr zu einem normalen Betrieb vorstellt. An diesem Donnerstag will die S-Bahn zunächst einen Basisfahrplan bis Ende Juli vorstellen. Ulrich Homburg, im Vorstand der Deutschen Bahn für den Personenverkehr zuständig, sprach am Mittwoch von einem «absoluten Ausnahmezustand». Unterdessen wächst die Sorge, dass die Leichtathletik-WM (15. bis 23. August) unter den Ausfällen leiden wird.
Auf der Berliner Stadtbahn sollen tagsüber in der Woche künftig vier statt zwei Regionalzüge in der Stunde fahren und für Entlastung sorgen. Zusätzlich können Fahrgäste die Schnellbusse vom Südkreuz zum Flughafen Schönefeld ohne Zuschläge nutzen. Die Buslinie ersetzt die S 45, die seit Tagen nicht mehr fährt. Mit dem angekündigten Basisfahrplan soll eine verlässliche Reiseplanung bis Ende dieses Monats ermöglicht werden. Mit den Berliner Verkehrsbetrieben BVG wird noch über Verstärkung verhandelt.

Wie lange die großen Einschränkungen dauern werden und wie stark die Leichtathletik-WM betroffen sein wird, wollte die Führung der S-Bahn am Mittwoch nicht sagen.
Das bereits seit acht Tagen eingeschränkte Angebot der S-Bahn fiel am Mittwoch noch dünner aus. Viele Züge waren überfüllt, es gab zahlreiche Verspätungen. Nur die Ringbahn S 41/42 fahre normal, teilte die Bahn mit. Auf den meisten anderen Strecken verkehrten die Züge nur im Zwanzig-Minuten-Takt. Normal ist ein Zehn-Minuten-Takt.
Der Betriebsratsvorsitzende Heiner Wegner meinte in einem Radiointerview, es sei ein sehr «sportliches Ziel, schon im September wieder einen regelmäßigen Betrieb anbieten zu können». Wegner klagte, dass Hinweise über die gefährdete Zuverlässigkeit des Fahrzeugparks nicht gehört worden seien. Es sei eine Unverschämtheit, wie ignorant die mittlerweile abgelöste alte Geschäftsführung der S-Bahn mit den
Hinweisen umgegangen sei.

Der Geschäftsführer des Organisationskomitees der Leichtathletik-WM, Heinrich Clausen, betonte, die S-Bahn spiele in dem Verkehrskonzept eine wichtige Rolle. Mit der U-Bahn allein könne der Transport der erwarteten 500 000 Besucher nicht bewältigt werden. Bei täglich Zehntausenden von Zuschauern im Olympiastadion am westlichen Stadtrand sei ein funktionierender S-Bahnbetrieb unerlässlich.
Tourismusmanager befürchten einen bleibenden internationalen Imageschaden für die Hauptstadt, wenn sich die Verkehrssituation nicht bald bessert . «Die öffentlichen Verkehrsmittel genießen bei der Touristen in aller Welt einen exzellenten Ruf», sagte der Sprecher der Berlin Tourismus Marketing-Gesellschaft, Christian Tänzler, der dpa. Besonders wegen der Leichtathletik-WM dränge man auf eine schnelle Lösung des Problems.

Die Verkehrspolitikerin der Grünen, Claudia Hämmerling, warf dem rot-roten Senat vor, er trage Mitschuld an dem Chaos. «Aus dem einst zuverlässigsten Berliner Verkehrsmittel ist ein öffentliches Risiko geworden.» Der schlecht ausgehandelte S-Bahnvertrag müsse aufgelöst und neu verhandelt werden. Die Gewinnerwartungen der Bahn für ihren Börsengang seien damals viel zu hoch angesetzt worden. Die S-Bahn solle nach diesen Kalkulationen im Jahr 2010 125 Millionen Euro an den Mutterkonzern Bahn abführen. Aus diesem Grund sei so viel gespart worden, dass es jetzt zu den Störungen komme.
Grund für den eingeschränkten S-Bahn-Verkehr sind Sonderprüfungen an den Rädern der Züge. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte die Kontrollen am 29. Juni angeordnet und hunderte Wagen aus dem Verkehr gezogen, weil zugesicherte Überprüfungen nicht vorgenommen worden waren. Nach Schätzung von Experten steht deshalb der S-Bahn teilweise nur die Hälfte ihrer Wagen und Züge zur Verfügung. Offizielle Zahlen liegen nicht vor. Hintergrund des verkürzten Prüfturnus ist ein Radbruch am 1. Mai in Kaulsdorf.





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