BERLIN
09.07.2009

09.07.2009 | Berlin (dpa)
S-Bahn bietet Entschädigung für Stammkunden
Die Berliner S-Bahn will ihre Stammkunden für die noch bis in den Herbst dauernden Ausfälle und Verspätungen entschädigen. Abonnenten und Besitzer von Jahreskarten sollen im Dezember einen Monat lang umsonst fahren, kündigte Ulrich Homburg, bei der Bahn als Vorstandsmitglied für den Personenverkehr zuständig, am Donnerstag an. Die genaue Form des Ausgleichs soll noch geregelt werden. Homburg bezifferte die Kosten für die Bahn auf 25 Millionen Euro. Davon profitieren sollen hunderttausende Fahrgäste, die eine VBB-Umweltkarte fürs ganze Jahr gekauft haben. Das gilt auch für Schüler-, Senioren- oder Firmentickets.

Homburg versprach eine unbürokratische Regelung. «Wir wollen ein Signal setzen, dass wir den Ärger unserer Kunden ernst nehmen.» Zugleich machte er aber den Fahrgästen wenig Hoffnung auf eine baldige Normalisierung des Verkehrsangebots. An den S-Bahnen müssten Teile von etwa 4000 Räder gewechselt werden. Dies würde bis in den Herbst dauern, obwohl alle Kapazitäten des Bahnkonzerns in Berlin bereitgestellt und hier viele Fachkräfte zusammengezogen würden. Die Berliner S-Bahn ist eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn.
Grund für den eingeschränkten S-Bahn-Verkehr sind Sonderprüfungenund Auswechslungen an den Rädern von Zügen der Baureihe 481. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte die Kontrollen am 29. Juni angeordnet und hunderte Wagen aus dem Verkehr gezogen, weil zugesicherte Überprüfungen nicht vorgenommen worden waren. Die Kontrollen ordnete das EBA aus Sorge über eine vorzeitige Materialermüdung der Radscheiben an. Hintergrund ist ein Radbruch am 1. Mai in Kaulsdorf. Nach Bahnangaben haben die bisherigen Untersuchungen aber keinerlei Auffälligkeiten an den Tag gebracht. Zuletzt sei im Jahr 2003 an einem Rad ein Riss entdeckt worden.

Laut Homburg fehlen im Betrieb jeden Tag um die 200 sogenannte Viertelzüge mit jeweils zwei Wagen. Die meisten Züge fahren nur im 20-Minuten-Takt, einige Strecken sind verkürzt. Die S 45 und S 85 fahren gar nicht. Am Wochenende soll es wegen Bauarbeiten zu weiteren Einschränkungen kommen. Zwischen Schöneweide und Flughafen Schönefeld sollen dann Busse statt Bahnen fahren.
Die Ausfälle werden der S-Bahn in diesem Jahr Millioneneinbußen bescheren. Mit jedem ausgefallenen Zug und jedem nicht gefahrenen Kilometer verringern sich die Zuschüsse aus der Landeskasse. Zudem wird es nach den Regelungen des Verkehrsvertrages zwischen Berlin und der S-Bahn Strafzahlungen für schlechte Leistungen geben. Nach den Worten Homburgs hat die Bahn jetzt mit dem Berliner Senat vereinbart, dass der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) die Leistung messen soll, auf deren Grundlage abgerechnet wird. «Wir wollen uns einem neutralen Urteil stellen», sagte Homburg.

Bis Ende Juli gilt jetzt erst einmal ein Notfahrplan, der von Montag an in etwa das derzeitige Zugangebot sichern soll. In einigen Wochen will die Bahn dann einen Stufenplan zur schrittweisen Normalisierung vorlegen.
Als erste Hilfsmaßnahme schickt die Bahn von Montag an zusätzliche Regionalzüge auf die Hauptstrecke zwischen Potsdam und Ostbahnhof. Zusätzlich können Fahrgäste die Schnellbusse vom Südkreuz zum Flughafen Schönefeld ohne Zuschläge nutzen. Die Buslinie ersetzt die S 45, die seit Tagen nicht mehr fährt. Zudem schickt die S-Bahn weitere 45 Kundenbetreuer auf die Bahnhöfe.
Aktuelle Betriebssituation der Berliner S-Bahn... »





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