BERLIN
22.07.2009

22.07.2009 | Falkensee/Potsdam (dpa)
Beinahe Katastrophe: Supermarkt-Dach eingestürzt
Beim Einsturz des Daches eines erst vor wenigen Jahren gebauten Supermarktes in Falkensee bei Berlin sind Kunden und Mitarbeiter nur knapp einer Katastrophe entkommen.
Der Rewe-Laden war bereits fast leer, als am Dienstagabend knapp zwanzig Minuten nach Geschäftsschluss das 1000 Quadratmeter große Dach zusammensackte, wie die zuständigen Behörden berichteten. Verletzt wurde niemand. «Ich habe so etwas noch nicht gesehen, dass ein Dach so in sich zusammenstürzt», sagte Falkensees Baudezernent Harald Höhlig am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Den Leiter des Geschäftes, der sich noch bei der Abrechnung im Gebäude befand, schützte eine Querwand vor den herabfallenden Gebäudeteilen. Warum das Dach einstürzte, war bis Mittwochmittag unklar, wie eine Stadtsprecherin sagte. «Es hat keine Witterungseinflüsse gegeben.» Am Morgen hätten Gutachter mit Hilfe der Feuerwehr das im Juli 2004 fertiggestellte Gebäude untersucht.

Nach Polizeiangaben sackte das Dach gegen 22.20 Uhr zusammen - der Supermarkt im Einkaufszentrum Akazienhof hatte erst um 22.00 Uhr seine Türen geschlossen. Der Filialleiter wurde unverletzt aus den Trümmern befreit, erlitt allerdings laut Polizeisprecherin einen Schock. Sieben Gebäude in der Nähe des Unglücks-Supermarktes sind laut Stadtsprecherin geschlossen. «Sie wurden nach mehr oder weniger der gleichen Bauweise errichtet.» Es müsse untersucht werden, ob noch andere Gebäude einsturzgefährdet seien, sagte Höhlig. Die Stadt versuche, den Bauträger zu erreichen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Der Präsident der Brandenburger Architektenkammer, Bernhard Schuster, bezeichnete es als «sehr ungewöhnlich», dass das Dach eines erst vor wenigen Jahren errichteten Gebäudes einstürzt. «Im Regelfall ist so etwas nicht möglich.» Es könnte allerdings passieren, dass Material schadhaft sei oder versagt habe. «Bei Tragwerken wie einem Dach ist Pfusch am Bau in Deutschland relativ ausgeschlossen.» Denn es gelte das Vier-Augen-Prinzip: Die Arbeit eines Statikers müsse von einem anderen sogenannten Prüf-Statiker kontrolliert werden.

Der Handelskonzern Rewe erwartet derweil vom Vermieter Aufklärung über die Ursachen. Der Vermieter werde noch am Mittwochnachmittag am Unglücksort erwartet, sagte der Sprecher der Deutschen Rewe Group, Stefan Mechnig, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Unternehmen habe das Gebäude nicht selbst errichtet, sondern angemietet. Der Markt werde überdies von einem selbstständigen Kaufmann nach einem Franchise-Modell geführt. Dabei verkauft dieser in der Regel seine Waren zwar unter dem bekannten Unternehmensnamen, ist aber ansonsten unabhängig.
«Dies hat uns alle sehr überrascht», bemerkte Mechnig zu dem Unglück. Über die Ursachen lägen noch keine Erkenntnisse vor. Hier müssten die behördlichen Ermittlungen abgewartet werden. Die Kontrolle der Statik ist laut Mechnig Sache des Vermieters, dessen Gebäudeversicherung voraussichtlich für den Schaden aufkommen müsse. «Wir sind natürlich bestürzt und bedauern den Vorfall.» Der Konzern sei jedoch froh darüber, dass nicht noch mehr passiert und der Marktleiter mit dem Schrecken davongekommen ist.
Der Akazienhof ist eines der beliebtesten Einkaufszentren in Falkensee, das in der Nähe des Bahnhofs der Gemeinde und am Stadtrand von Berlin-Spandau liegt. Das Zentrum zieht täglich Hunderte von Kauflustigen auch aus der Hauptstadt an.

Hamburg/Potsdam (dpa)
Tote und Verletzte bei Dacheinstürzen
In Falkensee (Havelland) ist am späten Dienstagabend das 1000 Quadratmeter große Dach eines Supermarktes nach Geschäftsschluss eingestürzt. Verletzt wurde niemand. Der Leiter des Supermarktes konnte knapp gerettet werden. In den vergangenen Jahren forderten dagegen ähnliche Vorfälle mit unterschiedlichen Ursachen häufig viele Opfer. Eine Auswahl der schwersten Unfälle:
3. März 2009:
Das Historische Stadtarchiv in Köln stürzt ein. Ein Zusammenhang mit dem Bau einer neuen U-Bahn-Strecke gilt als sicher. Die genaue Ursache und die Frage der Verantwortung für das Unglück mit zwei Todesopfern sind noch nicht geklärt.
28. Januar 2006:
Im südpolnischen Kattowitz bricht während einer Taubenausstellung unter der Schneelast eine Messehalle zusammen. Mindestens 65 Menschen werden getötet.
2. Januar 2006:
Im bayerischen Bad Reichenhall bricht das schneebedeckte Dach der Eissporthalle ein. 15 Menschen kommen ums Leben. Ein Architekt und ein Ingenieur werden später vom Gericht freigesprochen, ein weiterer Ingenieur bekommt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eine Bewährungsstrafe.
4. Dezember 2005:
In einer Schwimmhalle in der nordrussischen Stadt Tschussowoi am Ural stürzt das Betondach ein. Mindestens 18 Badegäste, darunter zehn Kinder, sterben. Nach Angaben von Medien waren Baumängel seit langem bekannt.
14. Februar 2004:
Die Betondecke einer Moskauer Schwimmhalle bricht ein und erschlägt mindestens 28 Menschen, darunter sieben Kinder. Ursachen für das Unglück in dem zwei Jahre alten Aquapark sind Konstruktionsfehler sowie die Verwendung billiger Materialien.
3. Mai 1999:
In einem katholischen Gemeindezentrum in Duisburg kommen vier Menschen ums Leben, als ein Dach auf etwa 150 Quadratmeter Fläche einstürzt. Sieben Personen werden verletzt. Handwerker hatten auf dem Flachdach des Hauses 20 Tonnen Kies zwischengelagert.




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