BERLIN
06.08.2009

06.08.2009 | Berlin (dpa)
S-Bahner-Protesttag zur WM denkbar
Eine außerordentliche Betriebsversammlung während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft (15.-23. August) könnte die Berliner S-Bahn für einen Tag lahmlegen und viel Staub aufwirbeln. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der S-Bahn, Volker Hoffmann bestätigte am Donnerstag Überlegungen, eine Betriebsversammlung zum Thema Personalabbau einzuberufen. Ort und Zeit der Veranstaltung stünden noch nicht fest.
Meldungen, wonach sie vor der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte stattfinden soll, wollte Hoffmann nicht bestätigen. «Wir wissen nicht, wie diese Berichte zustande gekommen sind», sagte der Betriebsrat der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der neue Geschäftsführer der S-Bahn Berlin GmbH, Peter Buchner, warnte indes vor unverantwortlichen Drohgebärden.
Nach den Worten Hoffmanns wird seit der Auswechslung der S-Bahn-Geschäftsführung Anfang Juli über eine außerordentliche Betriebsversammlung nachgedacht. Beschäftigte haben arbeitsrechtlich Anspruch auf Teilnahme an einer solchen Veranstaltung. Sollte die Teilnehmerzahl hoch sein, würden S-Bahnen zeitweise nicht mehr fahren. Bei Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern setzen Betriebsräte mitunter demonstrativ solche Versammlungen als Protesttage an, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Die S-Bahn hat in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang Personal abgebaut und beschäftigt gegenwärtig knapp 3000 Mitarbeiter. Unter ihnen gibt es nach Angaben aus dem Betriebsrat viel Unruhe, weil nach alten Planungen der Unternehmensleitung noch mehr als weitere 400 Stellen gestrichen werden sollen, unter anderem beim Aufsichtspersonal auf Bahnhöfen. Die Arbeitnehmervertreter dringen auf Klarstellung, ob der Personalabbau weitergeht oder gestoppt wird.
Die neue S-Bahn-Geschäftsführung hatte sich am Mittwoch mit dem Betriebsrat getroffen. Buchner sprach von einem konstruktiven Dialog, der in Kürze fortgesetzt werden solle. Die Geschäftsführung habe zugesichert, alle Prozesse im Unternehmen auf den Prüfstand zu stellen. Das Vertrauen der S-Bahn-Kunden sei aber nur durch eine Stabilisierung des Betriebes zurückzugewinnen. «Öffentliche
Drohgebärden zum jetzigen Zeitpunkt sind absolut unverantwortlich und schaden der S-Bahn und ihren Mitarbeitern», erklärte Buchner in einer Mitteilung. Gerade jetzt müssten die S-Bahner zusammenstehen und die Leichtathletik-WM durch die bestmögliche Beförderungsleistung unterstützen.
In der Belegschaft wird ein überzogener Personalabbau unter anderem etwa in den Werkstätten für die Qualitätsprobleme bei der S-Bahn verantwortlich gemacht. Der Betriebsrat hatte der Deutschen Bahn wiederholt vorgeworfen, ihr Tochterunternehmen S-Bahn trotz vieler Warnungen mit unverantwortlichen Gewinnvorgaben «totgespart» zu haben. Allein in den Werkstätten seien in den letzten Jahren 324 Fachkräfte eingespart worden, die jetzt zur Bewältigung der Probleme fehlten.
Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hatte darauf hingewiesen, dass sich zwischen 2003 und 2008 beispielsweise die Zahl der jährlichen Weichen- und Signalstörungen auf 4700 bzw. 13 800 nahezu verdoppelt habe. Der VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz verlangte ebenso wie Landespolitiker aller Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus von der Leitung des Bahnkonzerns ein Umsteuern und ausreichende Investitionen, um einen zuverlässigen S-Bahnverkehr sicherzustellen.
Nach einem Bericht des «Tagesspiegels» (Donnerstag) hat Personalmangel nun auch den Betrieb auf der S-Bahnlinie 1 (Oranienburg-Potsdam) beeinträchtigt. In der Nacht zum Dienstag hätten Fahrgäste zwischen Frohnau und Schönholz mehrfach umsteigen müssen, weil ein Stellwerk in Waidmannslust nicht besetzt werden konnte. Nach einem kurzfristigen Ausfall wegen Krankheit habe es keinen personellen Ersatz für das Stellwerk gegeben.
Bereits seit Wochen ist der S-Bahn-Verkehr in Berlin erheblich beeinträchtigt, weil die Bahn wichtige Sicherheitskontrollen ihrer Wagen in den vorgeschriebenen Zeiträumen versäumte. Nach einem Radscheibenbruch Anfang Mai wird nun auf Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes fast der gesamte Fahrzeugpark an Rädern und Achsen überprüft. Erst Anfang Dezember soll es wieder einen normalen Betrieb geben..

Stadtbahn zwischen Zoologischer Garten und Ostbahnhof
Fahrgäste, die auf der Stadtbahn unterwegs sind, haben wieder die Auswahl zwischen der S-Bahn und den Regionalzügen. Etwa alle 7 Minuten fährt ein S-Bahnzug über die Stadtbahn. Dies ist zwar schon eine große Verbesserung, da es aber immer noch weniger Züge sind, als eigentlich vorgesehen, fahren die zusätzlichen Regionalzüge auf der Stadtbahn auch weiterhin zur Entlastung der S-Bahn. Wir empfehlen Reisenden, nach Möglichkeit auch auf die Regionalzüge auszuweichen.
Raum Köpenick
Die S3 fährt tagsüber zwischen Friedrichshagen und Ostbahnhof wieder alle 10-Minuten. Somit steht für Fahrgäste aus dem Raum Köpenick wieder fast das volle Angebot zur Verfügung. Zur Weiterfahrt in Richtung Innenstadt sollten ab Ostbahnhof weiterhin auch die zusätzlichen Züge des Regionalverkehrs genutzt werden.
Schönefeld
Die S9 fährt wieder alle 20 Minuten zwischen Schönefeld und Spandau. Fahrgäste aus Schönefeld können also wieder mit der S-Bahn in Richtung Schöneweide und Innenstadt fahren. Die S45 von Schönefeld nach Südkreuz kann leider noch nicht wieder in Betrieb gehen, dafür kann der Schnellbus SXF1 von Schönefeld Terminal zum Bahnhof Südkreuz auch weiterhin ohne Zuschlag mit ABC-Fahrscheinen benutzt werden. Wer direkt vom Flughafen in die City fahren möchte, nutzt am besten die halbstündlich fahrenden "Airport-Express"-Regionalzüge RE7 und RB14.
Grünau, Adlershof, Schöneweide, Königs Wusterhausen
Im Südosten Berlins werden wieder alle Strecken bedient, allerdings fahren die Züge nur alle 20 Minuten. Aus Richtung Königs Wusterhausen über Grünau, Adlershof, Schöneweide fährt die S46 wieder bis zum Bahnhof Südkreuz. Aus Richtung Schönefeld fährt die S9 über Adlershof und Schöneweide auf die Stadtbahn. Die Linie S8/47 fährt von Spindlersfeld über Schöneweide und Ostkreuz nach Blankenburg und Hohen Neuendorf.
Potsdam, Wannsee, Zehlendorf
Wegen Bauarbeiten gibt es auf den Strecken nach Wannsee zahlreiche Änderungen. Die S-Bahn pendelt alle 20 Minuten zwischen Potsdam und Wannsee. Die S1 ist zwischen Wannsee und Schlachtensee unterbrochen, ebenso die S7 zwischen Wannsee und Westkreuz. Auf beiden Strecken fahren Busse im Ersatzverkehr. Zwischen Potsdam Hbf, Wannsee und der Berliner Innenstadt wird empfohlen, weiterhin die Regionalzüge zu benutzen. Außerdem wird der Ersatzverkehr zwischen Wannsee nach Schlachtensee von und nach Krumme Lanke und Rathaus Steglitz verlängert. Dort bestehen Anschlüsse zur U-Bahn.
Raum Hohen Neuendorf und Mühlenbeck
Fahrgäste aus dem Raum Hohen Neuendorf und Mühlenbeck erreichen wieder alle 20 Minuten Pankow und die Innenstadt - die Linie S8 fährt durchgehend zwischen Hohen Neuendorf und Schöneweide und von dort weiter nach Spindlersfeld. Der Ersatzverkehr Mühlenbeck-Mönchmühle - Buch entfällt.
Spandau und Olympiastadion
Von Spandau starten wieder alle 20 Minuten die S-Bahnen der Linie S9 über die Stadtbahn zum Flughafen Schönefeld. Am Olympiastadion kommen zudem die S5 nach Strausberg und S7 nach Ahrensfelde hinzu. Somit gibt es mit der S-Bahn ab Spandau wieder 3 Fahrtmöglichkeiten pro Stunde in die City, vom und zum Olympiastadion sind es sogar 9. Weiterhin gelangt man ab Bahnhof Spandau mit dem Regionalverkehr (Linien RE2, RE4 und RB14) dreimal stündlich ins Zentrum; die Linie RB10 nach Charlottenburg ergänzt das Angebot in der Hauptverkehrszeit um einen weiteren Zug pro Stunde.
Hohenschönhausen
Hohenschönhausen geht ebenfalls wieder ans S-Bahn-Netz - die S75 fährt ab Wartenberg alle 20 Minuten zum Ostbahnhof. Zur Weiterfahrt in Richtung Innenstadt sollten ab Ostbahnhof daher auch die zusätzlichen Züge des Regionalverkehrs genutzt werden. Weitere Alternativen sind die U5 ab Lichtenberg zum Alexanderplatz) oder die U1 ab Warschauer Straße.
Hennigsdorf, Reinickendorf, Teltow, Lichterfelde, Lankwitz
Gute Nachrichten auch für Hennigsdorfer und Reinickendorfer: Ihre S25 fährt wieder alle 20 Minuten umsteigefrei durch den Nord-Süd-Tunnel bis Teltow. Das Umsteigen in die S1 in Schönholz ist nicht mehr nötig. Ebenfalls profitieren auch die S-Bahn-Fahrgäste aus Teltow, Lichterfelde und Lankwitz - auch sie können ohne den Umstieg an der Yorckstraße die Innenstadt erreichen. Die zusätzlichen Regionalzüge im Nord-Süd-Fernbahntunnel entfallen. Für Fahrgäste von und nach Hennigsdorf fahren weiterhin die Züge der Linie RE6 zwischen Gesundbrunnen und Hennigsdorf (statt Spandau - Hennigsdorf).
Mahlsdorf, Strausberg
Die S5 fährt wieder durchgehend auf die Berliner Stadtbahn, allerdings im 20-Minuten-Takt. Fahrgästen aus dem Raum Mahlsdorf/Hellersdorf sollten, nach Möglichkeit die U-Bahnlinie U5 ab Wuhletal oder Lichtenberg nutzen. Der Ersatzverkehr zwischen Strausberg und Strausberg Nord bleibt bestehen.
Marzahn
Die Züge der Linie S 7 verkehren im 20-Minuten-Takt durchgehend zur Berliner Stadtbahn und weiter nach Olympiastadion.
Raum Pankow, Bernau
Die S2 fährt weiterhin nur im 20-Minuten-Takt. Allerdings steht zwischen Blankenburg und Pankow wieder die S8 in Richtung Ostkreuz/Spindlersfeld zur Verfügung. Die U-Bahn-Linie U2 ist wegen Bauarbeiten nach wie vor zwischen Pankow und Schönhauser Allee unterbrochen und wird durch Busse ersetzt. Zwischen Pankow und Reinickendorf bzw. Wedding kann auch die Straßenbahnlinie 50 genutzt werden, sie ist mit der U9 (Osloer Straße) und U6 (Seestraße) verknüpft.
Raum Oranienburg, Frohnau
Die S1 fährt weiterhin nur im 20-Minuten-Takt. Ab Oranienburg fahren jedoch stündlich die Regionalzüge in Richtung Gesundbrunnen, Hauptbahnhof, Potsdamer Platz (RE5) sowie Hohenschönhausen und Lichtenberg (RB12).
ACHTUNG: Grundsätzlich können die eingesetzten S-Bahnen noch nicht in maximaler Zuglänge fahren. Daher ist die Beförderung von Fahrrädern nach wie vor nur eingeschränkt möglich.


Weitere Informationen:
- S-Bahn-Kundentelefon (030) 297-43333
- Kundendialog DB Regio (0331) 235-6881 oder -6882
- Aktuelle Fahrplantabellen für alle S-Bahn-Linien im Internet unter www.s-bahn-berlin.de und www.vbbonline.de
- Aktuelle Informationen über mobil.s-bahn-berlin.de für Nutzer eines WAP-fähigen Mobiltelefons
- Aktuelle Fahrplanergänzungen zum Regionalverkehr unter www.bahn.de/aktuell





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