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BERLIN

 

U-Bahn-Linie 55
Video
07.08.2009 | Berlin (dpa)

Großer Bahnhof für kleine Kanzler-U-Bahn!

 

Im Berliner Untergrund hat die kleine «Kanzler-U-Bahn» am Samstag eine große Premiere gefeiert. Zehntausende Berliner und Touristen haben die neue Hauptstadtlinie U55 seit ihrer ersten Fahrt um 11.05 Uhr tagsüber ausgiebig und gut gelaunt getestet.

 

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erwarten laut Sprecherin Petra Reetz vom Start bis zum Abend insgesamt etwa 70 000 Fahrgäste.

 

Hunderte Neugierige säumten bereits die Bahnsteige, als das geschmückte Mini-Shuttle am Eröffnungstag zwischen dem Brandenburger Tor und dem gläsernem Hauptbahnhof erstmals hin- und herpendelte. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die neue Linie U 55 eine «U-Bahn der Einheit». «Ohne den Fall der Mauer und den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin wäre sie nicht gebaut worden», sagte er vor der ersten Abfahrt.

 

Feste Fahrzeiten gab es vorsorglich am ersten Tag nicht, jede Mitfahrt war außerdem kostenlos. «Wenn der Zug voll ist, fährt er los. Das passiert etwa alle sieben Minuten», sagte Reetz. Der Zug hat Platz für etwa 300 Fahrgäste.

 

Der Bau von Deutschlands kürzester und teuerster U-Bahn-Linie dauerte fast 14 Jahre und kostete 320 Millionen Euro. Für die Strecke mit den drei neuen Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor brauchen die gelben Waggons nur knapp drei Minuten. Rechnen wird sich die Linie erst, wenn sie vom Brandenburger Tor bis 2017 zum Alexanderplatz weitergebaut wird. Das kostet die Steuerzahler voraussichtlich weitere 433 Millionen Euro.

 

Die Linie wird dann unter dem Boulevard Unter den Linden entlangrollen und auch an der Museumsinsel halten. Kritiker zweifeln allerdings am Sinn der gesamten Linie, weil die S-Bahn fast parallel fährt.

Am Festtag sind solche Zweifel und auch die jahrelangen Verzögerungen beim Bau der «Kanzler-U-Bahn» Vergangenheit. «Klein und fein» nennt Wowereit die neue Linie, die im Bahnhof Brandenburger Tor mit einem kleinen Mauer-Museum aufwartet. Beim Warten auf die U-Bahn können sich Fahrgäste vor Foto-Leuchtkästen in die Zeit der Teilung und Wiedervereinigung Berlins hineinversetzen. Auch in den Zwischengeschossen finden sich Antorten auf die Frage: Wo und wie war die Mauer?

 

Den neuen Bahnhof Brandenburger Tor mit seinen Säulen und Lichtbändern erklärten die ersten Fahrgäste am Samstag schnell zur schönsten der drei neuen Stationen. Der Haltepunkt Bundestag, der bereits in den 90er Jahren zusammen mit dem Regierungsviertel entstand, fiel bei den Bewertungen dagegen durch. «Betonbunker» oder «Krematorium» lauteten die ersten Urteile schwäbischer Touristen. Die Premierengäste aus Stuttgart lobten das Berliner Verkehrsnetz mit allein 146 U-Bahnkilometern vor allem für einen Vorteil: «Es isch billisch». BVG-Sprecherin Reetz fasste die gute Stimmung so zusammen: «Alle Fahrgäste sind wahnsinnig nett, viele sind sehr neugierig und stellen Fragen zur neuen U-Bahn.»

 


Neu in Berlin: U55
Fotos
07.08.2009 | Berlin (dpa)

Neu in Berlin: U-Bahnhof mit Mauer-Gedenkort

Wo und wie war die Mauer? Antworten darauf finden sich von diesem Samstag an 15 Meter tief unter dem Brandenburger Tor in Berlin. Im nagelneuen Bahnhof der «Kanzler-U-Bahn», die an diesem Samstag erstmals Fahrt aufnimmt, können Berliner und Touristen Stadt- und Mauergeschichte im Vorübergehen erleben. Direkt unter dem Pariser Platz erinnern in der U-Bahn-Station Brandenburger Tor Filme, Karten, Fotos und Zitate an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannten den Gedenkort eine wichtige Dokumentationsstätte mitten in der Stadt. Sie entstand als Teil der Mauerinformation für rund 450 000 Euro als gemeinsames Projekt von Bund und Land. Naumann versteht den U-Bahnhof mit Geschichtsanschluss als zentralen Informationsort in der Hauptstadt, an dem die «Brutalität der Berliner Mauer» deutlich werde. Wowereit sieht hier auch die Erinnerung an die «vielen Opfer des DDR-Unrechtsstaats» wachgehalten.

An der wechselvollen Berlin-Geschichte kommt im neuen U-Bahnhof kein Fahrgast vorbei. Sollte er auf der ersten Ebene die Bildschirme und Karten zum Mauerverlauf noch übersehen, springt ihn die Historie auf der Rolltreppe hinunter zu den Gleisen förmlich an. «Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten» ist in großen Lettern an die Decke gepinselt. Es ist das berühmte Zitat des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht vom 15. Juni 1961, das sich schon wenige Wochen später als Lüge erwies. Ein Stückchen darunter ist US-Präsident Ronald Reagans lautstarke Aufforderung aus dem Jahr 1987 zu lesen: «Mister Gorbachev, tear down this wall.» (Mister Gorbatschow, reißen sie diese Mauer nieder).

Auf dem U-Bahnsteig sind jenseits des Gleisbetts Fotos und Zeichnungen in Leuchtkästen zu sehen. Es geht nicht allein um Mauerbau und Mauerfall. Wer in der Historie noch weiter zurückgehen möchte, kommt bis zu Napoleon am Brandenburger Tor.

Es ist der symbolische Ort Brandenburger Tor, der Berlin und den Bund zu diesem Mini-Museum reizte. Denn hier gibt es ein Dilemma, das sich in der Touristenfrage zusammenfassen lässt: Und wo stand jetzt die Mauer? «Vielleicht war es falsch, nicht mehr exemplarische Orte in der Stadt zu lassen», sagte Wowereit am Freitag. Doch in der Stimmung nach dem Mauerfall sei ein anderer Weg nicht denkbar gewesen. «Keiner wollte diese Mauer mitten in der Stadt», ergänzte Wowereit. Zu sehr habe sie für Trennung und Tötung gestanden.

Die neue U-Bahn fährt vom Bahnhof Brandenburger Tor über die Station Bundestag zum Berliner Hauptbahnhof. Bis zum Weiterbau in Richtung Alexanderplatz ist sie mit 1,8 Kilometern die kürzeste Linie in Deutschland - und mit 320 Millionen Euro Baukosten wohl auch die teuerste.


 

320 Millionen für 3 Minuten: Berlins Mini-U-Bahn nimmt Fahrt auf (mit Fotogalerie)... »

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