BERLIN
02.02.2009

02.02.2009
Streit um Vergabe Tempelhofs an Bread & Butter - Aus für "Filmhafen"
Nach der Vergabe des Tempelhofer Flughafengebäudes an die Modemesse Bread & Butter gerät der Berliner Senat zunehmend unter Druck. Die Grünen verlangten am Wochenende umfassende Informationen über den Vertrag. Die CDU forderte, die Entscheidung zurück zu nehmen. Unterdessen erklärte die Studio Babelsberg AG ihre Pläne für einen "Filmhafen" in dem seit Herbst stillgelegten Flughafen für gescheitert.
Die Filmbetriebe wollten den Flughafen eigentlich für Produktionen nutzen. Eine Sprecherin der Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH - Mehrheitsgesellschafterin der Studio Babelsberg AG - sagte am Wochenende: Da die aus Barcelona zurückgekehrte Modemesse das Gelände in den nächsten zehn Jahren für zwei Monate im Jahr nutzen kann, sei das Konzept "Filmhafen" nicht mehr umsetzbar. "Bei einer festen, mehrmonatigen Belegung aller sieben Hangars sowie der Haupthalle und der Außenflächen lassen sich langfristige Planungen, die gerade für Hollywood-Großproduktionen notwendig sind, nicht umsetzen."

Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann forderte am Sonntag eine "umfassende Aufklärung" darüber, wie der Vertrag mit dem Geschäftsführer von Bread & Butter, Karl-Heinz Müller, zustande gekommen sei. "So geht's natürlich nicht. Dann können wir uns das Vergaberecht gleich in die Haare schmieren", sagte Ratzmann der dpa. Kläre der Senat nicht auf, müsse es das Abgeordnetenhaus tun.
Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann forderte Wowereit auf, den Vertrag zurückzunehmen. Dadurch werde die weitere Entwicklung des Geländes blockiert, sagte er der Berliner
Zeitung "B.Z." (Montag). Auch sei die Messe viel zu klein. "Das ist so als würde ein Elektroladen bei Siemens einziehen", fügte er hinzu.
Dass die Modemesse nach Berlin zurückkommt, war am Mittwoch bekanntgeworden. Nach Überzeugung des Studios Babelsberg haben die Verantwortlichen mit der jetzigen Situation Fakten geschaffen, ohne laufende Ideenwettbewerbe für die Nachnutzung zu beachten. Dies sei trotz mehrfacher Bekundungen aller Behörden geschehen, "dass eine langfristige Vermietung nicht vorgesehen ist" und ein offizielles Ausschreibungsverfahren berücksichtigt werden müsse. Die Vermietung sei ein "Desaster", "wurden doch nur die exklusiven und begehrten Teile der Immobilie vergeben". Die Filmstudios befürchten, dass die meisten schwer vermietbaren Komplexe künftig leer bleiben.
Unterdessen wurde bekannt, dass das Deutsche Technikmuseum seinen gemieteten Hangar in Tempelhof künftig nicht mehr nutzen kann. Die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft (BIM) habe den Mietvertrag mit dem Technikmuseum zum 31. März gekündigt, berichtete die "Berliner Zeitung" (Samstag). Im Hangar 4 stehen laut Museum mehrere Flugzeuge, darunter im Winter ein Rosinenbomber.




Kommentare