BERLIN
04.02.2009

03.02.2009
Wowereit weist Kritik aus Brandenburg an Tempelhof-Nutzung zurück
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Kritik aus Brandenburg an der Vermietung des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof an die Modemesse Bread & Butter zurückgewiesen. Der brandenburgischen Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) habe offenbar nicht mitbekommen, dass die Anmietung von zwei Hangars in Berlin-Tempelhof durch die Filmstudios Babelsberg keine «additive Lösung» gewesen wäre, sondern eine Verlagerung nach Berlin, sagte Wowereit am Dienstag. «Brandenburg hätte so zwei Hallen verloren. Dass ein Wirtschaftsminister aus Brandenburg das bedauert, finde ich bedauernswert», sagte Wowereit. Junghanns sei «durch die CDU-Querelen in Brandenburg» offenbar nicht mehr in der Lage gewesen, «den Sachverhalt zu recherchieren».
Junghanns hatte am Vortag die Entscheidung Berlins, die sieben Hangars sowie die Haupthalle für zwei Monate im Jahr an die Modemesse zu vermieten, als enttäuschend und unverständlich bezeichnet. Brandenburg habe die Pläne von Studio Babelsberg unterstützt, den Flughafen als Kulisse für Filmproduktionen zu nutzen.
«Schöne Situation, dass sich die Verantwortlichen jetzt verärgert zeigen», sagte der Regierungschef. Aber es habe aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten keine Alternative gegeben. Wowereit bedauerte, dass man den Filmstudios Babelsberg jetzt nicht helfen könne. Ob man die Filmleute dennoch an dem Standort unterbringen könne, werde die Zeit zeigen. «Es ist für mich keine temporäre Nutzung, sondern ein erhebliches Äquivalent an Einnahmen, was wir bei der langfristigen Vermietung von zwei Hallen schwer hätten erzielen können.»
Die Pläne der Filmstudios dürfe man nicht mit dem Konzept der beiden Chefs, Carl Woebcken und Christoph Fisser, verwechseln, die «quasi als Immobilienentwickler» das gesamte Areal zu einem Pauschalpreis X hätten mieten wollen. Dann hätte der Senat als Eigentümer keinerlei Einfluss mehr auf die Nutzung des 200 000 Quadratmeter großen Gebäudes gehabt, betonte Wowereit. Das sei aber nicht das Konzept des Senats gewesen. Die jetzt vereinbarten Mietzahlungen würden sich noch erhöhen. Schon in der kommenden Woche würden Nutzer präsentiert, die weitere Hangars mieten wollten.
Zugleich kritisierte Wowereit, dass die Rückkehr der Modemesse nach Berlin nicht genug gewürdigt werde. In der gegenwärtigen Krise sei das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. «Wir dürfen uns Ansiedlungserfolge nicht selbst kaputt machen», warnte der Regierende Bürgermeister. Er wisse, dass andere europäische Städte wie Mailand oder Paris die Modemesse «mit Lockangeboten» an sich ziehen wollten.
Dem Alliierten-Museum, das von Dahlem auf den Flughafen Tempelhof umziehen möchte, gab Wowereit eine Zusage. «Ich lege großen Wert darauf, dass das Museum oder eine andere Einrichtung die Geschichte des Flughafens in dem historischen Gebäude präsentiert». Dafür habe der Senat Vorkehrungen auch mit direktem Zugang zum Flugfeld getroffen. Es liege nun am Bund, der das Alliierten-Museum finanziere, und am Museum, die Pläne zu realisieren.
Berlin (dpa)




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