BERLIN
07.09.2009

07.09.2009 | Berlin (dpa)
S-Bahn weitet Entschädigung möglicherweise aus
Für das Chaos bei der Berliner S-Bahn werden möglicherweise nicht nur die Stammkunden entschädigt. Die endgültige Regelung werde in zwei Wochen verkündet, sagte Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Montag. Bislang hat das Unternehmen nur Abonnenten und Jahreskarteninhabern Entschädigungen versprochen. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer verlangte nach dem sogenannten S-Bahn-Gipfel: «Es muss möglich sein, dass auch andere Kundengruppen entschädigt werden.» Die S-Bahn hat derzeit 680 Wagen auf der Schiene, 60 Prozent des Notwendigen. Ein normaler Zug hat acht Wagen, Kurzzüge vier bis sechs. Erst im Dezember soll der Betrieb wieder nach Plan laufen.
Durch die andauernden Probleme rutscht das Unternehmen nach Homburgs Erwartung in diesem Jahr wahrscheinlich in die roten Zahlen. «Das Jahr 2009 - da muss man kein Prophet sein - das ist nicht ein Jahr, wo wir davon reden, ob wir Gewinn machen oder nicht.» Die zusätzlich vorgeschriebenen Überprüfungen der Züge belasteten zudem die Bilanzen auch der folgenden Jahre. Nach einem Radscheibenbruch muss fast die ganze Flotte überprüft werden.

Zur Frage der Entschädigungen laufen nach Homburgs Worten noch Gespräche im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). «Da werden wir prüfen, ob wir noch irgendetwas tun, und wenn Ja in welcher Form.» Er wolle aber keine Erwartungshaltung wecken, hob Homburg hervor. Neben möglichen Entschädigungen - die Kosten der bislang geplanten Regelung wurde mit 25 Millionen Euro beziffert - belasten Abzüge bei den Landeszahlungen an die S-Bahn die Bilanz. Im August zog der Senat der Bahntochter von der Abschlagszahlung für Juli sieben Millionen Euro ab. Weitere Abzüge für ausgefallene Züge und schlechte Qualität würden voraussichtlich im Frühjahr vereinbart, sagte Junge-Reyer.
Was das Land bei der S-Bahn spart, soll möglicherweise den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) zugute kommen. «Der Einbau von Aufzügen bei der BVG steht im Moment im Fokus», sagte die Senatorin. Das landeseigene Unternehmen solle Vorschläge machen. Die BVG mit ihren Trams, Bussen und U-Bahnen profitiert schon jetzt vom S-Bahn-Chaos, wie Hans-Werner Franz vorrechnete, der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Derzeit verkaufe die S-Bahn wesentlich weniger Einzelfahrausweise als üblich, die BVG dagegen etwas mehr. Die Abonnenten hielten der S-Bahn dagegen die Treue.

Planmäßig erhält die S-Bahn in diesem Jahr vom Land 232,2 Millionen Euro, wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine parlamentarische Anfrage antwortete. Strafzahlungen sind vertraglich auf höchstens fünf Prozent dieser Summe begrenzt, also 11,6 Millionen Euro. Darüber hinaus muss das Land aber ausgefallene Zugfahrten nicht bezahlen.
Homburg kündigte an, dass die S-Bahn vom 14. September an wieder alle 10 Minuten nach Potsdam fahre, am selben Tag falle der Regionalzug-Ergänzungsverkehr weg. Junge-Reyer machte weiter Druck und forderte, nun auf der Berliner Stadtbahn und auf den überlasteten Linien S5, S7 und S3 im Osten der Stadt die Kapazität zu erhöhen. Homburg sagte, Probleme mit der Haltbarkeit grundüberholter Bremszylinder belasteten die Werkstätten zusätzlich. «Die Anspannung ist hoch.»




Kommentare