BERLIN
10.09.2009

11.09.2009 | Berlin (dpa)
Mehr Busse und Ersatzzüge für S-Bahn
Als Ausweichmöglichkeit für ausfallende S-Bahnen sollen in Berlin mehr zusätzliche Busse und Ersatzzüge rollen. Einige wichtige vorgesehene Ergänzungen:
- von Samstag an fahren Busse vom Bahnhof Zoo über Tiergarten, Bellevue, Hauptbahnhof und Zinnowitzer Straße im 10-Minuten-Takt zum Nordbahnhof (montags bis freitags ab 4.00 Uhr, samstags ab 5.00 Uhr, sonntags ab 6.00 Uhr) Ab 1.00 Uhr gilt am Wochenende 15-Minuten-Takt
- von Montag an fahren S-Bahn-Züge aus München und Stuttgart im Nord-Süd-Fernzugtunnel etwa im 20-Minuten-Takt von Südkreuz über Potsdamer Platz und Hauptbahnhof nach Gesundbrunnen, einmal pro Stunde bis nach Hennigsdorf (jeweils zwischen 4.00 und 1.00 Uhr)
- mehr Regionalzüge zwischen Potsdam Hauptbahnhof und Berlin-Ostbahnhof; dadurch sieben Züge pro Stunde und Richtung zwischen Ostbahnhof und Zoo sowie vier Züge pro Stunde und Richtung zwischen Ostbahnhof und Potsdam
- zusätzliche Busse zwischen S- und U-Bahnhof Pankow und U-Bahnhof Osloer Straße, S-Bahnhof Schöneweide und U-Bahnhof Blaschkoallee sowie zwischen Strausberg und Strausberg Nord.
- Schnellbus vom Bahnhof Südkreuz zum Flughafen Schönefeld ohne Zuschlag nutzbar.
11.09.2009 | Berlin (dpa)
Externe Ermittler sollen S-Bahn-Mängel aufklären

Die Deutsche Bahn schaltet externe Ermittler ein, um gravierende Wartungsmängel und falsche Werkstattprotokolle bei der Berliner S-Bahn aufzuklären. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und eine Anwaltskanzlei wurden mit Untersuchungen beauftragt, wie Bahn-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Freitag sagte. Er könne sich nicht vorstellen, dass «Unregelmäßigkeiten» bei der Dokumentation sicherheitsrelevanter Instandhaltungsarbeiten ohne Anweisungen von Vorgesetzten passiert seien. «Wir werden ohne Ansehen der Person die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen.» Wann die Fahrgäste auf Entspannung hoffen können, ist vorerst unklar. Da nur ein Viertel der Züge eingesetzt werden kann, gilt weiter ein Notfahrplan.
Was lief mit Wartungsprotokollen falsch?
Wie bei einer Inspektion in der Autowerkstatt gibt es auch bei der Wartung von Zügen Arbeitsprotokolle. Schlosser, Elektriker oder der Meister sollen darauf auch zur eigenen Absicherung quittieren, wenn sie Aufgaben erledigt haben. Doch bei der S-Bahn gab es fälschliche Unterlagen noch unbekannten Ausmaßes, wie Homburg erläuterte: «Wir haben im Moment Vorfälle, die besagen, es sind Arbeiten dokumentiert worden, die nicht vollständig durchgeführt sind.» Andere Arbeiten seien gar nicht dokumentiert worden.

Was sollen die externen Ermittler untersuchen?
Die Aufklärer von außen sind keine Technikexperten. Sie sollen Abläufe, Organisationsfragen und Verantwortlichkeiten unter die Lupe nehmen. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die schon die Datenaffäre beim Mutterkonzern untersucht haben, und die Anwälte der Kanzlei Gleiss Lutz wollen Material sichten und Mitarbeiter befragen. Dabei geht die Bahn davon aus, dass die systematischen Missstände auf Anweisungen noch unbekannter Führungskräfte zurückgehen müssen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mitarbeiter das von sich aus tut. Er würde sich ja um Kopf und Kragen bringen», sagte Homburg.
Wie konnte es zu den Wartungsmängeln kommen?
Probleme reichen teils bis in die 90er Jahre zurück, und die Wartungsorganisation ist offenkundig nicht auf dem neuesten Stand. «Es ist zwingend notwendig, dass wir so schnell wie möglich diese Dinge in eine Welt bringen, die zumindest dem Standard entspricht, wie er in modernen Eisenbahnunternehmen und auch bei der Deutschen Bahn üblich ist», sagt Homburg. Sollten Sparmaßnahmen Grund für Fehler sein, würden sie abgestellt. Bei Bremszylindern, die das jüngste Chaos auslösten, wurden aber Schrauben nicht ausgetauscht, die «Pfennigartikel» seien. Kritiker werfen der S-Bahn vor, wegen des Börsenkurses des Konzerns an der Sicherheit gespart zu haben. Die Belegschaft wurde von 5300 Anfang der 90er Jahre auf 2900 reduziert.
Was tut die S-Bahn, um wieder mehr Wagen einsetzen zu können?
«Wir arbeiten mit allen Kräften daran, Kapazitäten bereit zu stellen», sagte Homburg. Bremszylinder werden in mehreren Werken aufgearbeitet, 30 zusätzliche Mechaniker aus dem brandenburgischen Eberswalde sollen die Hauptstadt-S-Bahn verstärken. «Unser Ziel ist, so schnell wie möglich, den Berlinerinnen und Berlinern wieder einen ordentlichen Fahrplan zu bieten», sagte der Manager.

11.09.2009 | Berlin (dpa)
Trotz Notfahrplan S-Bahn-Verkehr unregelmäßig
Trotz des seit Donnerstag (gestern) geltenden Notfahrplans läuft der Verkehr bei der Berliner S-Bahn nach wie vor unregelmäßig. Verzögerungen und Verspätungen ergeben sich nach Angaben einer Sprecherin der Bahn beispielsweise, wenn zu viele Fahrgäste versuchen, in die verkürzten Züge einzusteigen. Im Grundsatz will die S-Bahn auf dem Ring im Zehn-Minuten-Takt, auf den übrigen Strecken im Zwanzig-Minuten-Takt und auf der S 8 im 30-Minuten-Takt fahren. Den Fahrgästen wird aber weiter dringend geraten, nach Alternativen beispielsweise bei Bus-, U- und Straßenbahnangebot der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu suchen.
Die S 45, S 47, S 75 und S 85 fahren nach Angaben der S-Bahn Berlin GmbH allerdings gar nicht. Die S 9 fährt nur zwischen Flughafen Schönefeld und Treptower Park. Zwischen Alexanderplatz und Westkreuz, Westkreuz und Nikolassee, Westkreuz und Spandau, Wartenberg und Springpfuhl, Schöneweide und Spindlersfeld sowie zwischen Strausberg und Strausberg Nord fahren keine Züge. Insgesamt ist nur ein Viertel der Züge im Einsatz.

Der Notbetrieb ist wegen zusätzlicher Untersuchungen der defekten Bremssysteme erforderlich. Schon seit dem 30. Juni fährt die S-Bahn wegen Sicherheitsprüfungen an den Rädern nach einem Unfall am 1. Mai in Kaulsdorf nicht regelmäßig. Wie lange dies dauern und wann sich der Verkehr normalisieren wird, ist laut S-Bahn nicht absehbar.
Medienberichte, nach denen Wartungsprotokolle bei der S-Bahn systematisch gefälscht worden sein, wollte die Sprechern nicht bestätigen. Es gebe staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen Vorschriften. Die Bahn unterstütze diese Ermittlungen. Ergebnisse lägen noch nicht vor.

10.09.2009 | Berlin (dpa)
Berlin: S-Bahn-Vertrag bleibt - Massive Kritik
Der Berliner Senat hält trotz des neuerlichen Desasters bei der S-Bahn an dem bis 2017 laufenden Vertrag mit der Bahntochter fest. «Es macht keinen Sinn, den Vertrag zu kündigen», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus und kritisierte entsprechende Forderungen der Opposition als «populistisch». Bis ein anderer Anbieter einspringen könnte, dauere es mehrere Jahre. Außerdem sei es nicht seine Position, «ein Berliner Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern von heute auf morgen auf die Straße zu setzen».
CDU, Grüne und FDP wiesen dem Senat Mitverantwortung zu, scheiterten aber mit einem Entlassungsantrag gegen Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Pendler müssen weiterhin mit überfüllten Zügen und Verspätungen leben, da nur ein Viertel der S-Bahnen einsetzbar ist.
Wowereit sagte: «Wir werden der S-Bahn und der Bahn die Chance geben, eine vernünftige Politik zu machen.» Junge-Reyer verwies auf einbehaltene Zahlungen von inzwischen 27 Millionen Euro an das Unternehmen in diesem Jahr. Sie kündigte eine Abmahnung an, damit geplante Vertrags-Nachverhandlungen von der S-Bahn ernst genommen würden. Dabei gehe es etwa darum, größere finanzielle Sanktionen möglich zu machen.

Wegen des Stromsystems, der Signaltechnik und der speziellen Auslegung auf Tunnel und Kurven könne der Vertrag nicht plötzlich gekündigt werden. «Wer immer die Berliner S-Bahn betreiben will, kann dies zurzeit nicht anders tun als mit dem Wagenpark der S-Bahn.»
Vielen Fahrgästen brachte der am Mittwoch erstellte Notfahrplan vorerst keine deutliche Entspannung. «Im Großen und Ganzen» laufe das vorgesehene Konzept mit einem Zehn-Minuten-Takt auf der Ringbahn und einem 20-Minuten-Takt auf den anderen noch bedienten Linien, sagte ein Bahnsprecher am Donnerstagabend. Es gebe aber immer wieder auch Ausfälle oder Verschiebungen. Wegen Problemen mit Bremszylindern sind die meisten Züge kürzer, Strecken werden teils nur verkürzt befahren. Vier S-Bahnlinien (S 45, S 47, S 75 und S 85) fahren gar nicht. Die Ost-West-Verbindung zwischen Alexanderplatz und Westkreuz ist gesperrt.

Im Abgeordnetenhaus entbrannte eine heftige Debatte über die Verantwortung und die Konsequenzen. Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig warf dem Senat eine «rot-rote Kuschelpolitik» mit der Bahn vor. CDU-Fraktionsvize Frank Steffel sagte, beim Abschluss des S-Bahn-Vertrags habe sich Berlin «wissentlich oder fahrlässig über den Tisch ziehen lassen». FDP-Fraktionschef Christoph Meyer sagte, eine Kündigung des Vertrags sei nötig für die mittelfristige Garantie eines leistungsfähigen Nahverkehrs in Berlin. Redner aller Fraktionen forderten großzügige Entschädigungen. Der angekündigte Gratismonat Dezember für Stammkunden reiche bei weitem nicht aus.
Wowereit griff die frühere Bahnführung unter Konzernchef Hartmut Mehdorn scharf an und hielt ihr «Privatisierungswahn» vor. «Hier ist bewusst auf Verschleiß gefahren worden». Dieser Unternehmenskurs habe «absichtlich» Sicherheit gefährdet und Wartung vernachlässigt, sagte er im ZDF. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Geabler forderte im Parlament die Rücknahme aller Sparvorgaben der S-Bahn. Die Linke verlangte einen Sitz des Landes im S-Bahn-Aufsichtsrat.

Der geplante S-Bahn-Notfahrplan (11.09.2009)
S1 Potsdam - Oranienburg ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
S2 Blankenfelde - Bernau -------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
S25 Teltow Stadt - Yorckstr. / Schönholz - Hennigsdorf ---------- alle 20 Minuten
[Fahrplan]
S3 Erkner - Ostbahnhof ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
S41 Ringbahn ---------- alle 10 Minuten [Fahrplan]
S42 Ringbahn ---------- alle 10 Minuten [Fahrplan]
S45 FÄLLT AUS
S46 Königs Wusterhausen - Hermannstr. ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
S47 FÄLLT AUS
S5 Strausberg - Alexanderplatz ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
(zwischen Strausberg und Strausberg Nord
Ersatzverkehr mit Bussen) ---------- alle 20 Minuten
S7 Ahrensfelde - Alexanderplatz ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
S75 FÄLLT AUS
S8 Hohen Neuendorf - Blankenburg ---------- alle 30 Minuten [Fahrplan]
S85 FÄLLT AUS
S9 Flughafen Schönefeld - Treptower Park ---------- alle 20 Minuten [Fahrplan]
Linienführungen und die Taktzeiten können stark abweichen!
- kein Verkehr zwischen Alexanderplatz und Wannsee/Spandau, Springpfuhl und Wartenberg, Schöneweide und Spindlersfeld sowie Strausberg und Strausberg Nord
- Fahrräder können vorerst nicht mitgenommen werden
- für Fernreisende halten alle ICE von und nach Hamburg vorerst in Berlin-Spandau
- Kundentelefon der S-Bahn (030/29 74 33 33) mit längeren Zeiten: montags bis freitags von 6.00 bis 23.00 Uhr, samstags und sonntags von 7.00 bis 21.00 Uhr
Aktuelle Informationen jederzeit abrufbar unter:
www.s-bahn-berlin.de/bauinformationen/betriebslage.htm
S-Bahn-Fahrplan/Liniennetze: www.s-bahn-berlin.de/pdf/s-bahn_ab080909.pdf
punkt3-Extra vom 11.09.2009: Aktuelle Übersicht mit Liniennetz und Umfahrungsmöglichkeiten... »
Ergänzungs- und Zusatzverkehre, Umfahrungsmöglichkeiten... »

Geschlossene Bahnhöfe (Stand: 11.09.2009)
- Bellevue
- Charlottenburg
- Friedrichstraße (oben)
- Gehrenseestraße
- Grunewald
- Hackescher Markt
- Hauptbahnhof
- Heerstraße
- Hegermühle
- Hohenschönhausen
- Messe Süd
- Oberspree
- Olympiastadion und zur U2
- Pichelsberg
- Savignyplatz
- Spandau
- Spindlersfeld
- Strausberg Nord
- Strausberg Stadt
- Stresow
- Tiergarten
- Wartenberg
- Westkreuz (unten)
- Zoologischer Garten
Quelle: www.s-bahn-berlin.de
S-Bahn Berlin
Kundentelefon
030 - 29 74 33 33
kundenbetreuung@s-bahn-berlin.de
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