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BERLIN

 

21.09.2009 | Berlin (dpa) 

Nach Drogen-Therapie ein Patient weiter im Koma

 

Zwei Tage nach der Therapiesitzung mit zwei Todesopfern in Berlin war der Zustand eines weiteren Patienten am Montagvormittag nach wie vor kritisch. Der 55-Jährige liege weiter im Koma, teilte die Polizei mit.

 

Am Sonntagabend war Haftbefehl gegen den 50 Jahre alten Therapeuten ergangen, der zugegeben hatte, bei der Gruppensitzung einen Mix verschiedener Drogen verabreicht zu haben. Ihm wird in zwei Fällen gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge sowie in sechs Fällen gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

 

Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung distanzierte sich am Montag von dem Arzt. Eine solche Behandlung habe mit Psychotherapie nichts zu tun, betonte deren Vorsitzender Dieter Best. «Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Wir sind erschüttert, dass so etwas möglich ist, verwahren uns aber dagegen, dass Scharlatanerie, wie sie hier betrieben wurde, mit Psychotherapie in Verbindung gebracht wird.»

 

Die Drogen sollten bei dem Treffen mit zwölf Teilnehmern eine Art Bewusstseinserweiterung bewirken. Zwei Männer im Alter von 59 und 28 Jahren erlagen der Vergiftung. Die österreichische Psychoanalytikerin Eva Jaeggi befürchtet nach dem Berliner Vorfall neues Misstrauen gegenüber psychologischen Praktiken. Zu dem verhafteten Arzt sagte sie am Montag «Deutschlandradio Kultur»: «Der hat sich Psychotherapeut genannt, aber was er macht, ist auf keinen Fall Psychotherapie.» Auch sie sprach von Scharlatanerie.

 

Noch ist unklar, was genau der Arzt seinen Patienten am Samstag verabreichte. Die Analyse werde einige Tage in Anspruch nehmen, hieß es bei der Polizei. Nach Medienberichten waren Amphetamine und Psycho-Drogen wie LSD im Spiel. Heroin war laut den Ermittlern auch dabei, allerdings nur in geringen Mengen.

 

Der Therapeut und seine Frau unterhalten Kontakte zu einer Schweizer Einrichtung, die sich Therapeutisch-Tantrisch-Spirituelle Universität nennt und sich auf psycholytisches Arbeiten spezialisiert hat. Dabei werden bewusstseinsverändernde Substanzen verwendet - Rauschgifte wie LSD und Pilze etwa.

 

Der Seminarveranstalter hat seinen Sitz auf einem Hof im schweizerischen Lüsslingen und führt dort eine «Gemeinschaft Kirschblüte», laut Eigendarstellung mit etwa 75 Erwachsenen und 60 Kindern. Interessiert sei diese an Selbsterkenntnis und Tantrismus, einer religiösen Strömung aus Indien, die Erlösung durch bestimmte Rituale sucht. Nach Zeitungsberichten hat der Berliner Therapeut sein Handwerk dort gelernt. Mit dem Schweizer Mentor sei für nächstes Jahr ein Seminar in Berlin geplant gewesen.

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