BERLIN

25.09.2009 | Berlin (dpa)
S-Bahn entschädigt zunächst nur Stammkunden
Die Berliner S-Bahn wird im Dezember freiwillig nur Stammkunden entschädigen, die auch für Dezember eine gültige Jahreskarte oder ein laufendes Abonnement vorweisen können. Alle anderen gehen nur dann nicht leer aus, wenn sie sich eine Jahreskarte mit Startmonat Dezember kaufen oder ein Abonnement abschließen. Eine entsprechende Regelung veröffentlichte die S-Bahn am Freitag. Jedoch scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Über weitergehende Regelungen werde noch mit der Senatsverwaltung für Verkehr und Fahrgastverbänden gesprochen, sagte ein Bahnsprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die Berliner Politik und Fahrgastverbände hatten angesichts eines in der Bundesrepublik beispiellosen Betriebsdesasters von der Bahn ein großzügigeres Entgegenkommen verlangt. Erst am Donnerstag hatte das Abgeordnetenhaus einhellig die Bahn aufgefordert, alle Kunden der S-Bahn und auch die unter Schließungen und Umsatzeinbußen leidenden Gewerbetreibenden auf den Bahnhöfen zu entschädigen.

Die S-Bahn kann seit Ende Juni keinen normalen Verkehr mehr anbieten. Zeitweise brachte das Tochterunternehmen kaum noch ein Viertel seines Fuhrparks auf die Schienen, weil nötige Wartungen unterlassen worden waren. Zunächst ging es um mangelnde Kontrollen der Radscheiben, später um die Bremsen. Erst vom 13. Dezember an sollen die Züge wieder in normalem Takt und Umfang rollen, wie S-Bahnchef Peter Buchner ankündigte. Das Berliner Abgeordnetenhaus forderte indes von der Bahn die sofortige Suspendierung aller Verantwortlichen für die Krise.
Die jetzt vorgesehene Regelung gilt für Umweltkarten des Verkehrsverbundes VBB, Schülertickets, Geschwisterkarten, Monatskarten für Auszubildende und Schüler jeweils im Abonnement oder als Jahreskarte sowie für das Seniorenabonnement 65 plus und Firmentickets. Unerheblich ist es, ob die Karte bei einem anderen Verkehrsunternehmen wie etwa der BVG gekauft wurde.
Bei Abonnenten wird nach Angaben der S-Bahn im Dezember die fällige Monatsrate nicht abgebucht. Abonnenten, bei denen der Jahrespreis in einer Summe abgebucht wurde, erhalten im Dezember einen Monatspreis zurücküberwiesen. Wer die Jahreskarte am Schalter oder Automaten gekauft hatte, erhält den Dezemberpreis bereits vom 8. Oktober an in Verkaufsstellen der S-Bahn oder der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in bar ausgezahlt. Dazu muss der Wertabschnitt für Dezember abgegeben werden. Er wird durch einen Sonderfahrausweis für den Monat ersetzt. Kunden, deren Karten außer für Berlin auch für Tarifgebiete in Brandenburg gelten, können sich das Geld nur bei der S-Bahn auszahlen lassen. Nach dem 31. Dezember sind Rückzahlungen generell nur noch in S-Bahn-Verkaufsstellen möglich.

Einen Gratismonat erhalten nach Angaben der Bahntochter auch alle Fahrgäste, die in den kommenden Wochen ein vor Dezember auslaufendes Abonnement verlängern oder neu eingehen oder sich eine Jahreskarte kaufen. Dies müsste aber spätestens am 1. Dezember geschehen.
Vom kommenden Montag an sollen den leidgeprüften Fahrgästen wieder mehr Züge zur Verfügung stehen. Auf der Stadtbahn werden die Linien S 3, S 5 und S 7 wieder aufgenommen und damit zwischen Alexanderplatz und Westkreuz wieder alle Stationen bedient. Derzeit fahren hier nur Regionalzüge. Die Linie S 3 fährt im 20-Minuten-Takt zwischen Erkner und Charlottenburg, die S 5 zwischen Strausberg und Charlottenburg, die S 7 von Ahrensfelde nach Westkreuz.
Zusätzliche Züge sollen zudem auf dem nachfragestarken Streckenabschnitt der S 5 zwischen Mahlsdorf und Alexanderplatz einen 10-Minuten-Takt ermöglichen. Zudem wird von Montag an die Linie S 46 von Königs Wusterhausen über Hermannstraße hinaus bis zum Südkreuz verlängert. Auf weitere Erleichterungen dürfen die S-Bahn-Kunden vom 2. Oktober an hoffen.
Auch Studenten wollen Entschädigung
In einem gemeinsamen Offenen Brief an den Verkehrsverbund VBB und die S-Bahn bekräftigten Berliner und Potsdamer Studentenvertretungen ihre Forderung nach einem Gratismonat für sämtliche Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs. S-Bahn-Chef Buchner habe zwar angekündigt, dass eine Entschädigung auch für Studierende auf der Tagesordnung stünde, aber keine verbindlichen Zusagen gegeben, kritisierte der ReferentInnenRat der Berliner Humboldt Universität in einer Mitteilung. Auch die Inhaber von Sozialtickets und Mobilitätstickets dürften nicht vergessen werden.




Kommentare