BERLIN
11.02.2009

11.02.2009
Spektakulärer Millionen-Coup vermutlich geklärt: KaDeWe-Diebe gefasst
Statt in Moskau versteckten sich die mutmaßlichen Gangster am Westrand der Lüneburger Heide. Dort schlugen die Berliner Fahnder am Mittwochmorgen um 8.00 Uhr zu und klärten damit einen der spektakulärsten Einbrüche der vergangenen Jahrzehnte auf.
Sie nahmen zwei junge Männer fest. Sie sollen die Täter sein, die am 25. Januar ins Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe einbrachen und Schmuck und Uhren im Millionenwert stahlen. Weil der Coup so glatt lief und hochmoderne Alarmanlagen ausgetrickst wurden, vermuteten Sicherheitsexperten Profis aus Osteuropa. Die beiden Festgenommenen sind aber wohl 27 Jahre alte Zwillinge arabischer Abstammung, die in der Nähe von Rotenburg (Wümme) bei Bremen lebten.
Über den Zugriff des Mobilen Einsatzkommandos berichtete die in Hannover erscheinende "Neue Presse" (Donnerstagausgabe) Einzelheiten. Danach wurden die Männer in einer Spielhalle auf dem Autohof Bockel (Kreis Rotenburg/Wümme) festgenommen. "Unsere Aushilfsmitarbeiterin war gerade am Geldwechselautomaten, als sie reinkamen, alle total vermummt", wurde ein Spielhallen-Mitarbeiter zitiert. "Sie sind sofort in den Nebenraum mit den Geldspielautomaten gestürmt. Es war ein Riesenlärm. Hinlegen!, schrien sie. Unsere Aushilfe dachte an einen Überfall." Die im Kreis Rotenburg lebenden Zwillingsbrüder hätten keinen Widerstand geleistet. Die Fahndung aber geht weiter. "Wir gehen von mindestens drei Tätern aus und wir haben die Beute noch nicht", sagte ein Polizeisprecher der Zeitung.
Die beiden Männer seien "dringend verdächtig" den Einbruch in das Kaufhaus des Westens begangen zu haben, teilten Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Allerdings sei der Fall noch nicht endgültig gelöst. Man habe einen "ersten Ermittlungserfolg" errungen, aber noch nicht alle Täter gefasst. Bei Durchsuchungen in Berlin und Niedersachsen wurden "diverse Beweismittel" gefunden, die noch ausgewertet werden sollen.
Spuren und Hinweise vom Tatort hätten die Fahndungsexperten vom Berliner Landeskriminalamt (LKA) zu den Männern geführt, sagte ein Polizeisprecher. Inzwischen stellte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl aus. Nun hofft die Polizei, dass die beiden Männer sie zu den anderen Täter führen. Weitere Hinweise aus der Bevölkerung könnten ebenso helfen. Immerhin sind bis zu 100 000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Mindestens drei maskierte Männer waren am frühen Morgen des 25. Januars über eine Leiter auf ein seitliches Vordach des KaDeWe geklettert. Von dort stiegen sie durch ein Fenster in das riesige Kaufhaus und seilten sich wieder ins Erdgeschoss ab. In der Filiale der Juwelier-Kette Christ brachen sie Ausstellungsvitrinen und Schränke auf. Auf den Überwachungsvideos ist zu sehen, wie die Täter in kurzen Abständen zweimal hintereinander auftauchen, um die umfangreiche Beute aus dem Kaufhaus zu schaffen.
Das KaDeWe ist nach eigenen Angaben "eines der am besten gesicherten Kaufhäuser." Die Sicherheitsvorkehrungen lägen "weit über den üblichen Standards". Mehr wird aber nicht verraten. Laut Experten überwachen Kameras, Lichtschranken oder Bewegungsmelder in solchen Kaufhäusern jede Ecke. Zusätzlich patrouillieren auch Wachleute.
Ungelöst ist bis jetzt das Geheimnis, wie die Diebe unbemerkt einstiegen und wieder entkamen. Zeitungen verglichen den Einbruch mit Filmcoups wie "Rififi", "Über den Dächern von Nizza" oder "Mission Impossible". Spekuliert wurde auch, dass Helfer aus dem KaDeWe oder einer Sicherheitsfirma Informationen über Schwachstellen der Alarmsysteme ausplauderten.
Kurze Aufregung gab es schon einige Tage nach dem Einbruch, als in Amsterdam zwei junge Berliner festgenommen wurden. Sie boten angebliche Schmuckstücke aus dem Diebstahl zum Verkauf an. Die Aktion stellte sich als Scherz heraus. Weder in den Schließfächern der Männer noch im Hotelzimmer fanden die Ermittler Stücke aus der Beute. Jetzt hofft die Polizei auf mehr Erfolg.
Berlin (dpa)




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