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BERLIN

 

12.02.2009

Renée Zellweger entzückte das Berlinale-Publikum als extravagante Lady aus den 50er Jahren
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12.02.2009 | Berlin (dpa)

Berlinale-Endspurt mit Hollywood-Glamour

Renée Zellweger entzückte das Berlinale-Publikum als extravagante Lady aus den 50er Jahren. Michelle Pfeiffer sinnierte äußerst sinnlich über das Altern. Demi Moore beschwor Familienwerte und brachte deshalb ihren Ehemann Ashton Kutcher mit nach Berlin.

Als Überraschungsgast schritt zudem Keira Knightley über den roten Teppich. Was Glamour aus Hollywood angeht, haben die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin zum Endspurt mächtig aufgeholt. Nach Kate Winslet wurde als zweiter heißer Oscar-Anwärter Gus Van Sant gefeiert. Der US-Regisseur stellte in einer umjubelten Vorstellung seinen für acht Oscars nominierten Film "Milk" über den ersten offen schwulen Politiker der USA, Harvey Milk, vor.

 

Zellweger begeisterte am Donnerstag in dem charmanten und geistreichen Roadmovie "My One And Only". Regisseur Richard Loncraine ("Richard III.") erzählt darin von einer ebenso energischen wie flatterhaften Mutter, die in den USA der 50er Jahren mit ihren heranwachsenden Söhnen von Stadt zu Stadt tingelt, um einen reichen Ehemann zu finden. Ob der Jury unter Vorsitz von Tilda Swinton die romantische Komödie mit der platinblonden Heldin gefällt ist allerdings fraglich. Swinton hatte sich bereits im Vorfeld für den politischen Film stark gemacht.

Renée Zellweger entzückte das Berlinale-Publikum als extravagante Lady aus den 50er Jahren...
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Es sei in den 50er Jahren sehr einfach gewesen, als Frau aus dem Rahmen zu fallen, meinte Oscarpreisträgerin Zellweger ("Unterwegs nach Cold Mountain", "Bridget Jones"). Sie habe es kaum abwarten können, in die Rolle der Frau zu schlüpfen, die so gegen alle Konventionen lebt. "Ich liebe diesen Film einfach", sagte die 39-Jährige. Regisseur Loncraine meinte, es sei nicht einfach gewesen, den Film, der ohne Sex und Gewalt auskommt, auf den Weg zu bringen. "Die Studios wollten ihn nicht." Die Geschichte basiert auf den Kindheitserinnerungen des Schauspielers George Hamilton.

Im Rennen um den Goldenen Bären, der am Samstagabend verliehen wird, haben sich inzwischen drei Filme als deutliche Favoriten vom Feld der Verfolger abgesetzt: Dem Franzosen Rachid Bouchareb gelang mit "London River" ein unsentimentaler und dadurch umso berührender Film über die Annäherung der Kulturen. Brenda Blethyn und Sotigui Kouyate spielen eine Mutter und einen Vater, die nach den Terroranschlägen in London im Juli 2005 verzweifelt ihre verschwundenen Kinder suchen. Sie ist weiß, er ist schwarz. Sie ist Christin, er ist Moslem. Mit viel Humor und Sensibilität lässt der Regisseur seine Figuren langsam aufeinander zugehen.

 

Was der Irak-Krieg für die Menschen in den USA bedeutet, das erzählt der zweite Bären-Favorit. In dem US-Beitrag "The Messenger" von Oren Moverman spielen Ben Foster und Hollywoodstar Woody Harrelson Soldaten, die als Armee-Boten den Familien von Gefallenen die Todesnachricht überbringen - ein starker Film.

Dritter Bären-Anwärter ist immer noch der deutsche Beitrag "Sturm". Hans-Christian Schmids unprätentiösem Film über die Arbeit des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag gelingt es wie kaum einem anderen Werk im Wettbewerb, politische Realitäten mit privaten Schicksalen spannend und erschütternd zu verknüpfen. Alle drei Preis-Favoriten könnten nach dem Geschmack der Jury sein. Sie bevorzugt offenbar einen Film mit politischer Botschaft, wie Jurymitglied Christoph Schlingensief ausplauderte.

Außenseiter-Chancen werden aber auch dem iranischen Film "Alles über Elly" von Asghar Farhadi eingeräumt. So offen und scheinbar emanzipiert wie in der tragischen Geschichte um ein missglücktes Ferienwochenende waren iranische Paare selten auf der Kinoleinwand zu erleben.

Die Filme der angereisten Hollywoodprominenz überzeugten dagegen nicht alle. Michelle Pfeiffer gab in Stephen Frears nach einem Roman von Colette entstandenen Kostümfilm "Cheri" eine alternde Kurtisane und brach ihrem jugendlichen Liebhaber das Herz - der Zuschauer dagegen war irgendwann gelangweilt vom Operetten-Muff der Inszenierung. Auch Demi Moore und Ellen Barkin weinten ihre "Happy Tears" (Freudentränen) alleine. Das Publikum konnte der Geschichte um zwei Schwestern und ihren an Demenz erkrankten Vater nicht sehr viel abgewinnen - zu wenig entwickelte Regisseur Mitchell Lichtenstein seine Charaktere.

Im Wettbewerb steht jetzt am Freitag noch "Der Kalmus" des polnischen Regie-Altmeisters Andrzej Wajda auf dem Programm. Am Sonntag geht die Berlinale mit einem Publikumstag zu Ende.

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