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BERLIN

 

22.11.2009 | Berlin (dpa)

Erneut S-Bahnzug in Berlin entgleist

In Berlin ist erneut ein S-Bahnzug entgleist. Der Vorfall habe sich am Sonntagmorgen gegen 3.45 Uhr am Bahnhof Grünau im Bezirk Treptow-Köpenick ereignet, sagte eine Sprecherin der S-Bahn und bestätigte damit einen Bericht der «Berliner Morgenpost» (Montag). Bei einer Rangierfahrt ohne Fahrgäste sei der zweite Wagen des Zuges im Bereich einer Weiche aus dem Gleis gesprungen. Die Ursache sei noch unklar. Weil eine Baustelle zudem zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr im Südosten Berlins führte, war der Verkehr durch den Unfall bis 8.00 Uhr auf den Linien S8, S9 und S46 massiv eingeschränkt.

Ob erneut ein Radbruch die Ursache war, wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Es sei auch möglich, dass die Bahngleise für den Unfall verantwortlich seien. Hintergrund sei, dass die Unfallstelle auf der Strecke zu einem Instandsetzungswerk liege. Sei der Kreislauf hier unterbrochen, könnten Züge nicht mehr zur Reparatur gebracht werden oder das Werk nach Instandsetzung verlassen.

Der Unfall ereignete sich demnach bei planmäßigen Rangierarbeiten. Ermittler des Eisenbahn-Bundesamtes seien gemeinsam mit der S-Bahn bis zum Nachmittag mit Untersuchungen an der Unfallstelle beschäftigt gewesen. Ob der S-Bahnverkehr am Montag beeinträchtigt ist, wollte die Sprecherin nicht ausschließen. «Wir sind noch dabei zu prüfen, ob dieses Ereignis Auswirkungen auf den morgigen Berufsverkehr hat», betonte sie.

Eigentlich wollte die S-Bahn von Montag an ihren früheren Normalfahrplan wieder zu 95 Prozent einhalten. Dann sollten weitere Züge aus den Werkstätten in den Verkehrsbetrieb zurückkehren. Dann würden 858 Wagen im Einsatz sein - 44 mehr als bisher, kündigte die S-Bahn am vergangenen Mittwoch an.

Seit Monaten kann die S-Bahn Berlin nur stark eingeschränkt fahren. Der Notbetrieb ist eine Folge von Überprüfungen der Räder und Achsen der Züge, weil die S-Bahn seit Monaten die Waggons nicht ordnungsgemäß gewartet hat. Die Kontrollen waren vom Eisenbahn-Bundesamt angeordnet worden. Grund dafür war ein Radbruch am 1. Mai in Kaulsdorf.

Im diesem Zusammenhang sprach sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Sonntag deutlich gegen weitere Privatisierungen aus. Am Beispiel der Berliner S-Bahn könne man sehen, «wohin es führt, wenn ein Staatsunternehmen zur kurzfristigen Gewinnmaximierung ausgepresst wird», sagte Ramsauer der Zeitschrift «Super Illu» und fügte hinzu: «Wer Bremsen und Achsen auf Verschleiß fährt, verliert den gemeinwirtschaftlichen Auftrag aus dem Auge».

Völlig unabhängig von der S-Bahn müssen sich die Berliner und ihre Gäste jedoch von Montag an auf Behinderungen in Regional- und Fernbahn-Zügen einstellen. Wieder ist die Stadtbahn betroffen, die während des S-Bahn-Desasters zeitweise sogar eingestellt worden war. Die Berliner Stadtbahn erhält neue Schienen. An diesem Montag beginnt der lange geplante Austausch auf den Fern- und Regionalbahngleisen zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten und Ostbahnhof. Die Arbeiten, von denen die S-Bahn nicht betroffen ist, sollen am 12. Dezember abgeschlossen sein, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Der Zugverkehr wird bis dahin zwar eingleisig weitergehen, dennoch müssen sich Reisende auf einige Einschränkungen einstellen.

 

www.s-bahn-berlin.de

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