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BERLIN

 

14.02.2009

15.02.2009 | Düsseldorf (dpa)

Hertha übernimmt Spitze - Woronin: "Ein Traum"

 

Der Nervenkitzel ist extrem, die Meisterschaft offen wie selten zuvor: Die Fußball-Bundesliga macht richtig Lust. Den neuen Tabellenführer Hertha BSC und den sechstplatzierten VfL Wolfsburg trennen nach dem 20. Spieltag nur sieben Punkte.

 

Der bislang so kesse Neuling 1899 Hoffenheim musste am Freitag, dem 13., eine bittere 1:4-Pille gegen Bayer Leverkusen schlucken und stürzte vom Thron. Lucien Favres freche Berliner düpierten Bayern München, schickten den Meister mit 2:1 nach Hause und sind erstmals seit Oktober 2006 wieder top. «Auf Schalke» brennt dagegen die Lunte: Das 1:2 in Bochum macht das königsblaue Dilemma immer dramatischer.

 

Im Berliner Bruder-Duell der Manager Dieter und Uli Hoeneß behielt der Jüngere die Oberhand. «Alle wundern sich und reiben sich die Augen», hielt Dieter Hoeneß den wunderbaren Moment fest. Für Herthas Doppel-Torschützen Andrej Woronin erfüllte sich «ein Traum. Wir sind alle überglücklich». Jetzt will er nur noch eines: «Meister werden.» Bayern-Coach Jürgen Klinsmann war bedient: «Es nervt.» Schon vier Niederlagen stehen zu Buche. Nur dreimal (2006/2007: sechs; 2001/2002: fünf; 2000/2001: fünf) waren es in diesem Jahrzehnt nach dem 20. Durchgang mehr.

 

Dennoch glauben die Hoeneß-Brüder an den erneuten Bayern- Titelgewinn. «Am 34. Spieltag - und nur darauf kommt es an - sind wir ganz oben», orakelte Uli. Dieter pflichtete bei: «Am Ende wird der Meister Bayern heißen.» Doch die Konkurrenz formiert sich trotz Instabilität wie bei Leverkusen oder Hoffenheim immer intensiver. Bayer-Torjäger Patrick Helmes warnte nach seinen Saisontreffern 14 und 15 davor, die Werkself zu unterschätzen: «Es wäre falsch, uns abzuschreiben.» Auch Wolfsburg attackiert, das 2:0 bei Eintracht Frankfurt und der erste Auswärtserfolg dieser Spielzeit sind beste Empfehlungen für den bevorstehenden Auftritt des Spitzenreiters: «Wir wollen unseren Zuschauern ein tolles Spiel liefern und auch gegen Berlin gewinnen», nahm sich «Wölfe»-Trainer Felix Magath vor.

 

Die Krisenherde stehen woanders. Hohe Ansprüche, meilenweite Entfernung: Schalke und Werder befinden sich in deprimierenden Zwangslagen. Bremen dümpelt nach dem 1:1 gegen den Tabellenletzten Mönchengladbach ebenso dahin wie die Schalker, denen der ehemalige Gelsenkirchener Mimoun Azaouagh und Christoph Dabrowski in Bochum böse mitspielten. «Es wird keine personellen Konsequenzen geben. Der Trainer steht nicht zur Disposition», sagte Schalke-Geschäftsführer Peter Peters. Den Unmut der Fans nach dem 1:2 beim abstiegsbedrohten VfL bekam Manager Andreas Müller ab («Müller raus»). Peters: «Wir stehen loyal zueinander» - ein klares Bekenntnis klingt anders.

 

In Bremen verschenkte Werder trotz 13:2 Torschüssen und 19:2 Ecken den ersten Rückrundensieg. «Unfassbar», klagte Torsten Frings, dessen Mitspieler an Borussia-Schlussmann Logan Bailly verzweifelten. «Er hat Weltklasse gehalten», lobte Gäste-Trainer Hans Meyer den Belgier, der wie ein Fels in der Brandung allen Schüssen trotzte. Die Borussia (13 Zähler) bleibt abgeschlagen, andere potenziell Gefährdete wie der 1. FC Köln (25), Hannover 96 (21) oder Frankfurt (20) sind enteilt.

 

Dennoch plagte sich Kölns Trainer Christoph Daum angesichts des 0:0 gegen Karlsruhe mit negativen Gedanken: «Sorgen sind meine ständigen Begleiter.» Das trifft auch für Hannovers Dieter Hecking zu, dessen Mannschaft dem UEFA-Cup-Aspiranten VfB Stuttgart beim 3:3 eine Achterbahnfahrt bescherte. Die Schwaben führten durch Mario Gomez' 50. Erstliga-Treffer und Martin Lanig 2:0, gerieten 2:3 in Rückstand, retteten aber durch Thomas Hitzlsperger einen Zähler. Hecking bekam schon vor dem 3:3 eine Job-Garantie: «Er leistet hervorragende Arbeit. Er passt zu uns», hob Clubchef Martin Kind hervor. Ähnliches hätte Andreas Müller in Gelsenkirchen auch gern vernommen.

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