BERLIN
16.02.2009

16.02.2009
Hertha übernimmt Spitze - HSV nach 2:0 Dritter
Der Nervenkitzel ist extrem, die Meisterschaft offen wie selten zuvor: Die Fußball-Bundesliga macht Lust auf Mehr. Den neuen Tabellenführer Hertha BSC und den sechstplatzierten VfL Wolfsburg trennen nach dem 20. Spieltag nur sieben Punkte.
Der bislang so kesse Neuling 1899 Hoffenheim musste am Freitag, dem 13., eine bittere 1:4-Pille gegen Bayer Leverkusen schlucken und stürzte vom Thron. Lucien Favres freche Berliner düpierten Bayern München, schickten den Meister mit 2:1 nach Hause und sind erstmals seit Oktober 2006 wieder top. «Auf Schalke» brennt dagegen die Lunte: Das 1:2 in Bochum macht das königsblaue Dilemma immer dramatischer.
Rekordmeister München rutschte in der Tabelle auf Platz vier, da der Hamburger SV das Duell mit Arminia Bielefeld mit 2:0 gewann und nun punktgleich mit Hoffenheim Dritter ist. Nach dem 1:0 von Piotr Trochowski (32. Minute ) hatte der HSV aber Glück, dass der Bielefelder Torjäger Artur Wichniarek (55.) mit einem Foulelfmeter Torwart Frank Rost scheiterte und den Ausgleich vergab. Paolo Guerrero sorgte fünf Minuten später mit dem 2:0 für die Vorentscheidung. Borussia Dortmund kam nicht über ein 1:1 gegen Arnminia Bielefeld - dem achten Remis der Saison im eigenen Stadion hinaus - und verlor zudem den Südkoreaner Young-Pyo Lee durch Rote Karte.

Im Berliner Bruder-Duell der Manager Dieter und Uli Hoeneß behielt der Jüngere die Oberhand. «Alle wundern sich und reiben sich die Augen», hielt Dieter Hoeneß den wunderbaren Moment fest. Für Herthas Doppel-Torschützen Andrej Woronin erfüllte sich «ein Traum. Wir sind alle überglücklich». Jetzt will er nur noch eines: «Meister werden.» Bayern-Coach Jürgen Klinsmann war bedient: «Es nervt.» Schon vier Niederlagen stehen zu Buche. Nur dreimal (2006/2007: sechs; 2001/2002: fünf; 2000/2001: fünf) waren es in diesem Jahrzehnt nach dem 20. Durchgang mehr.
Dennoch glauben die Hoeneß-Brüder an den erneuten Bayern- Titelgewinn. «Am 34. Spieltag - und nur darauf kommt es an - sind wir ganz oben», orakelte Uli. Dieter pflichtete bei: «Am Ende wird der Meister Bayern heißen.» Doch die Konkurrenz formiert sich trotz Instabilität wie bei Leverkusen oder Hoffenheim immer intensiver. Bayer-Torjäger Patrick Helmes warnte nach seinen Saisontreffern 14 und 15 davor, die Werkself zu unterschätzen: «Es wäre falsch, uns abzuschreiben.» Auch Wolfsburg attackiert, das 2:0 bei Eintracht Frankfurt und der erste Auswärtserfolg dieser Spielzeit sind beste Empfehlungen für den bevorstehenden Auftritt des Spitzenreiters: «Wir wollen unseren Zuschauern ein tolles Spiel liefern und auch gegen Berlin gewinnen», nahm sich «Wölfe»-Trainer Felix Magath vor.

Stimmen zum Spiel Hertha gegen Bayern:
Lucien Favre: Wir sind als Einheit aufgetreten. Alle sind für den Sieg gelaufen und haben gekämpft. Nach dem Ausgleich war es schwierig für uns, da hatten die Bayern einige Torchancen. Aber unsere Abwehr stand gut und dann ist uns ein super Kontertreffer gelungen. Der Sieg ist nicht unverdient. Das Publikum war heute außerdem fantastisch.
Jürgen Klinsmann: Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir heute drei Punkte mitnehmen wollten. Wir haben aber zu viele Fehler gemacht und hatten zu viele Ballverluste. Wir hatten aber vor allem in der zweiten Halbzeit genügend Chancen, um den Platz als Sieger zu verlassen. Dann kam aber der Konter, den Voronin hervorragend abgeschlossen hat.
Andrey Voronin: Es ist ein perfekter Tag, nicht nur für mich, sondern für den Verein und die ganze Stadt. Uns war im Vorfeld klar, dass man gegen Bayern nichts zu verlieren hat. Das haben wir bewiesen, auch dank der tollen Unterstützung unserer Fans.
Marc Stein: Es ist überwältigendes Gefühl, Tabellenführer zu sein. Wir haben hinten überragend gestanden, wenig Torchancen zugelassen und unsere Chancen eiskalt genutzt. Zudem hat Jaroslav das ein oder andere Mal weltklasse gehalten.
Josip Simunic: Insgesamt war es eine tolle Mannschaftsleistung. Die Spieler, die heute zum Einsatz kamen, haben ihre Chance genutzt. Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen, es warten noch 14 schwierige Spiele auf uns. Die Tabellenführung bedeutet zu diesem Zeitpunkt gar nichts.
Hertha-Meisterfeier - Das Video
Das Video von der vorzeitigen Meisterfeier am Brandenburger Tor mit Dieter Hoeneß und Lucien Favre... »
Die Krisenherde stehen woanders. Hohe Ansprüche, meilenweite Entfernung: Schalke und Werder befinden sich in deprimierenden Zwangslagen. Bremen dümpelt nach dem 1:1 gegen den Tabellenletzten Mönchengladbach ebenso dahin wie die Schalker, denen der ehemalige Gelsenkirchener Mimoun Azaouagh und Christoph Dabrowski in Bochum böse mitspielten. «Es wird keine personellen Konsequenzen geben. Der Trainer steht nicht zur Disposition», sagte Schalke-Geschäftsführer Peter Peters. Den Unmut der Fans nach dem 1:2 beim abstiegsbedrohten VfL bekam Manager Andreas Müller ab («Müller raus»). Peters: «Wir stehen loyal zueinander» - ein klares Bekenntnis klingt anders.

In Bremen verschenkte Werder trotz 13:2 Torschüssen und 19:2 Ecken den ersten Rückrundensieg. «Unfassbar», klagte Torsten Frings, dessen Mitspieler an Borussia-Schlussmann Logan Bailly verzweifelten. «Er hat Weltklasse gehalten», lobte Gäste-Trainer Hans Meyer den Belgier, der wie ein Fels in der Brandung allen Schüssen trotzte. Die Borussia (13 Zähler) bleibt abgeschlagen, andere potenziell Gefährdete wie der 1. FC Köln (25), Hannover 96 (21) oder Frankfurt (20) sind enteilt.
Dennoch plagte sich Kölns Trainer Christoph Daum angesichts des 0:0 gegen Karlsruhe mit negativen Gedanken: «Sorgen sind meine ständigen Begleiter.» Das trifft auch für Hannovers Dieter Hecking zu, dessen Mannschaft dem UEFA-Cup-Aspiranten VfB Stuttgart beim 3:3 eine Achterbahnfahrt bescherte. Die Schwaben führten durch Mario Gomez' 50. Erstliga-Treffer und Martin Lanig 2:0, gerieten 2:3 in Rückstand, retteten aber durch Thomas Hitzlsperger einen Zähler. Hecking bekam schon vor dem 3:3 eine Job-Garantie: «Er leistet hervorragende Arbeit. Er passt zu uns», hob Clubchef Martin Kind hervor. Ähnliches hätte Andreas Müller in Gelsenkirchen auch gern vernommen.

Union Berlin baut Tabellenführung aus - 1:0 gegen Offenbach
Der 1. FC Union Berlin hat mit dem 13. Saisonsieg seinen Tabellenführung in der 3. Fußball-Liga gefestigt. Die Hauptstädter setzten sich am Sonntag zu Hause gegen Kickers Offenbach mit 1:0 (1:0) durch und bauten damit ihren Vorsprung vor Verfolger SC Paderborn auf vier Zähler aus. Vor 7021 Zuschauern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erzielte Karim Benyamina in der 23. Minute den Goldenen Treffer für die «Eisernen», die zum achten Mal in Serie ungeschlagen blieben. Zuletzt hatte Union am 8. November 2008 (0:1 gegen Unterhaching) verloren. Zweitliga-Absteiger Offenbach, der der Zuvor vier Spiele nicht verloren hatte, verpasste dagegen den Sprung auf Platz fünf.




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